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Bacillus subtilis kann die Verdauung stärken

Bacillus subtilis – Das sporenbildende Probiotikum bei Blähungen und Darmbeschwerden

Seit ein paar Jahren gewinnt eine Gruppe der Probiotika besonders an Wertschätzung – es handelt sich um sporenbildende Probiotika, zu denen unter anderem Bacillus coagulans, B. clausii und auch Bacillus subtilis gehören. In einem anderen Artikel haben wir Dir bereits mehr über Bacillus coagulans erzählt – warum B. subtilis ebenfalls ein so interessantes Probiotikum ist und Dir potenziell bei Deinen Verdauungsbeschwerden eine Hilfe sein kann, zeigen wir Dir in diesem aktuellen Artikel.

Nach dem Lesen dieses Artikels bist Du für Deine Reise durch die Sporenwelt bestens vorbereitet. In unserem Blog findest Du außerdem noch viele weitere Artikel zu diesem Thema, zum Beispiel darüber, wie sporenbildende Probiotika ihre Umwelt wahrnehmen – Stichwort Quorum Sensing und Quenching.

Hinweis: Wie immer sind die Informationen in unserem Artikel von uns selbst recherchiert und geschrieben – ohne Beteiligung von ChatGPT und Konsorten. Viel Spaß beim Lesen!

Was ist Bacillus subtilis – und warum ist es anders als andere Probiotika?

Wie sein Verwandter Bacillus coagulans ist auch B. subtilis grampositiv und stäbchenförmig – das sind Merkmale, die Bakterien unter dem Mikroskop zugeordnet werden und unter anderem bei der Wirksamkeit von Antibiotika eine Rolle spielen. Das Entscheidende ist aber seine sporenbildende Eigenschaft: Wenn die Umweltbedingungen ungünstig werden – etwa durch Magensäure, Hitze oder lange Lagerung – zieht sich B. subtilis in eine schützende Endospore zurück, eine Art biologischen Winterschlaf. Sobald die Bedingungen wieder stimmen, erwacht das Bakterium und wird aktiv.

Und hiermit verfügen die Sporenbildner über einen Vorteil gegenüber vielen klassischen Probiotika wie Lactobacillus-Stämmen, die diesen Weg durch den Magen häufig nicht unbeschadet überstehen. Interessant ist auch, dass sich B. subtilis, wie auch Bacillus coagulans, meist nur transient im Darm befindet, also nicht dauerhaft zum Bestandteil der Darmflora wird.

Natto enthält Bacillus subtilis

Interessant zu wissen: B. subtilis steckt im japanischen Gericht Natto, einem fermentierten Sojaprodukt, das in Japan seit über 1.000 Jahren gegessen wird.

Was B. subtilis im Besonderen von anderen Probiotika – und auch von B. coagulans, einem anderen wichtigen sporenbildenden Probiotikum – unterscheidet, ist sein Produktionsprofil im Darm; hier hat nämlich jedes Probiotikum etwas andere Funktionen.

Während B. coagulans vor allem Milchsäure produziert und damit das Darmmilieu beeinflusst, ist B. subtilis gewissermaßen ein kleines Verdauungswerk: Es produziert eine Reihe von Enzymen, darunter Proteasen (zum Abbau von Proteinen), Amylasen (für Kohlenhydrate) und Lipasen (für Fette). Das macht es besonders interessant für Menschen, die unter Blähungen, Völlegefühl oder Unverträglichkeiten leiden – Symptome, die häufig auf eine unvollständige Verdauung im Dünndarm zurückzuführen sind.

Darüber hinaus produziert B. subtilis antimikrobielle Peptide wie Iturin, Surfactin und Bacillomycin, die das Wachstum krankmachender Keime im Darm hemmen können. Mehr dazu erfährst Du weiter unten.

Sporenbildung: Warum B. subtilis die Magensäure überlebt

Lass‘ uns nochmal kurz genauer auf die Sporenbildung eingehen. Sporenbildende Probiotika widerstehen einer Reihe an Umwelteinflüssen – zum Beispiel Hitze, Kochen, Frieren, Säure, lange Lagerung … sogar Strahlung. Die Sporen sind nämlich metabolisch praktisch inaktiv und fast nur auf das Erbgut und eine starke Zellwand beschränkt, die auch vor Austrocknung schützt. Es gibt tatsächlich Hinweise darauf, dass Sporen mehrere tausend Jahre überleben können, wobei es hier Sporen mit besserer Haltbarkeit und solche mit schlechterer Haltbarkeit gibt.

Aber zurück zur Wirkung von B. subtilis im Darm – kann Dir Bacillus subtilis sogar bei Deinen Verdauungsbeschwerden helfen?

Blähungen, Völlegefühl, Reizdarm: Kann Bacillus subtilis helfen?

Die kurze Antwort: ja. Eine Reihe Mechanismen von B. subtilis können bei Blähungen, Völlegefühl und Reizdarmpatienten helfen, zum Beispiel die Stoffe, die Bacillus subtilis im Darm produziert oder den Einfluss, den B. subtilis – auch dadurch – auf die Darmmikrobiota hat. Dazu gibt es sogar einige Humanstudien und als “Over-the-counter”-Arzneimittel zugelassene Produkte.

Was produziert Bacillus subtilis im Darm?

B. subtilis produziert vor allem Lipopeptide und einige Verdauungsenzyme. Lipopeptide sind kombinierte Moleküle aus einer kurzen Aminosäurekette und einer Fettsäure, wodurch sie sowohl in wässriger Umgebung als auch fettiger Umgebung löslich sind (amphiphil). Zu den Lipopeptiden zählen übrigens auch einige Reserveantibiotika.

B. subtilis produziert zum Beispiel Surfactin, Iturine und Fengyzine.1 Surfactin ist beispielsweise schon länger als Medikament in Verwendung, um bei Frühgeborenen die Oberflächenspannung der Lunge zu reduzieren – wobei hier nicht das Surfactin von B. subtilis genutzt wird. Dieses hat aber auch einige Funktionen. So zeigt es sich, dass Surfactin von B. subtilis antibakterielle und antivirale Eigenschaften hat und bei Mäusen das Immunsystem und die Darmgesundheit nach oraler Gabe verbessern konnte.2 Ebenfalls konnte gezeigt werden, dass auch bei neugeborenen Mäusen das Wachstum und die Darmgesundheit (besser Ausbildung des Darms, bessere Nährstoffaufnahme) verbessert werden konnte, wenn die Mütter während der Stillzeit Surfactin bekommen hatten.3

Iturine und Fengyzine sind weniger gut bekannt, aber auch diese zeigen ähnliche antimikrobielle Eigenschaften. Die Iturine üben ihren Effekt vor allem durch das Bilden von Poren in den entsprechenden Erregern, sodass die Zellhülle zerstört wird. Fengyzine haben weniger Wirkung als Antibiotikum, sie wirken dagegen eher fungizid, das heißt gegen Pilzerreger.

Neben diesen drei Gruppen produziert B. subtilis noch viele andere Lipopeptide und Peptide sowie Makrolide (auch eine Gruppe Antibiotika heutzutage). Dabei ist es allerdings so, dass die unterschiedlichen B. subtilis Stämme auch unterschiedliche aktive Stoffe produzieren und daher alle ein bisschen anders sind und sich auch anders verhalten. Umso wichtiger ist es also, dass Du Dir einen bekannten, zugelassenen Stamm aussuchst.

Surfactine

Sind besonders stark oberflächenaktiv. Im Fokus stehen ihre antibakteriellen, antiviralen, biofilmhemmenden und immunmodulierenden Eigenschaften.

Iturine

Wirken vor allem gegen Hefen und andere Pilze. Sie können die Zellmembran empfindlicher Pilzzellen schädigen.

Fengycine

Sind insbesondere gegen filamentöse Pilze wirksam und spielen deshalb eine wichtige Rolle im biologischen Pflanzenschutz.

Lipopeptide bestehen aus einer Peptidkette, die mit einer Fettsäure verbunden ist. Durch diese amphiphile Struktur können sie mit biologischen Membranen interagieren. Viele Lipopeptide besitzen antimikrobielle, antimykotische, biofilmhemmende oder oberflächenaktive Eigenschaften.

Einordnung: In der Medizin sind vor allem Daptomycin und die Polymyxine als Arzneimittel etabliert. Andere Lipopeptide werden überwiegend für Anwendungen im Pflanzenschutz, in der Biotechnologie und in der Lebensmittelindustrie untersucht.

Lipopeptid Produzierende Mikroorganismen Wichtigste Eigenschaften Anwendungen und Forschung
Surfactine Bacillus subtilis und verwandte Bacillus-Arten Stark oberflächenaktiv, antibakteriell, antiviral, biofilmhemmend und immunmodulierend Biotechnologie, Umwelttechnik, Pflanzenschutz sowie Forschung zu Darmgesundheit und Wundheilung
Iturine Bacillus subtilis, Bacillus amyloliquefaciens und verwandte Arten Vor allem antimykotisch; können Poren in Zellmembranen bilden und dadurch Pilzzellen schädigen Biologischer Pflanzenschutz, Lebensmittelkonservierung und Forschung zu neuen Antimykotika
Fengycine Bacillus subtilis, Bacillus velezensis und verwandte Arten Vor allem gegen filamentöse Pilze wirksam; zusätzlich biofilmhemmende Eigenschaften Biologischer Pflanzenschutz, Lebensmittelkonservierung und landwirtschaftliche Biotechnologie
Daptomycin Streptomyces roseosporus Wirkt bakterizid gegen grampositive Bakterien, indem es die Funktion der Zellmembran stört Zugelassenes Reserveantibiotikum bei bestimmten schweren Infektionen durch grampositive Erreger
Polymyxine Paenibacillus polymyxa Wirksam gegen gramnegative Bakterien; schädigen deren äußere Zellmembran Polymyxin B und Colistin werden als Reserveantibiotika gegen bestimmte multiresistente gramnegative Erreger eingesetzt
Viscosin Verschiedene Pseudomonas-Arten, insbesondere Pseudomonas fluorescens Oberflächenaktiv, antibakteriell und biofilmbeeinflussend; unterstützt zudem die Beweglichkeit der Bakterien Umweltmikrobiologie, Biotechnologie und biologischer Pflanzenschutz
Massetolide Vor allem Pseudomonas fluorescens Antimikrobiell, oberflächenaktiv und an der Bildung sowie Veränderung von Biofilmen beteiligt Biologischer Pflanzenschutz, Pflanzen-Mikroben-Interaktionen und biotechnologische Forschung
Syringomycin Pseudomonas syringae Bildet Poren beziehungsweise Ionenkanäle in Zellmembranen und besitzt eine ausgeprägte antimykotische Wirkung Grundlagenforschung zu Membranschäden und potenziellen antimykotischen Wirkstoffen

Tabelle 1: Übersicht der wichtigsten Lipopeptide

Nun aber zurück zur eigentlichen Frage: Kann Dir B. subtilis bei Deinen Verdauungsproblemen helfen – und wie eigentlich?

Studienlage: Was sagt die Forschung zu Bacillus subtilis beim Menschen?

Auch wenn die Studienlage im Vergleich zu anderen Bakterien immer noch überschaubar ist, existieren auch hier bereits einige klinische Studien – also Studien am Menschen:

  • Eine Studie aus 2023 untersuchte beispielsweise den Effekt von B. subtilis (BG01-4TM) auf die Wahrnehmung der Schwere von funktionellen Darmbeschwerden wie Blähungen und Verstopfungen. In der Studie wurde ein Rating-Fragebogen eingesetzt, um das subjektive Befinden der Probanden zu erfragen. Im Vergleich zum Placebo gab es einige Symptome, die sich verbessert hatten, nicht jedoch der Gesamt-Rating-Fragebogen, wobei in dieser Studie die Subjektivität eine Rolle gespielt haben könnte, da auch beim Placebo erheblich verbesserte Scoring Werte angegeben wurden.4
  • Eine weitere Studie an ansonsten gesunden Probanden mit funktionellen Darmbeschwerden untersuchte den Effekt von B. subtilis BS50 auf typische Darmbeschwerden und auf das Blutbild sowie Marker für die Darmpermeabilität und Entzündung. Nach sechswöchiger Intervention fand sich eine Reduktion von Blähungen, Aufstoßen und Flatulenzen. Darüber hinaus fanden sich keine Änderungen des Blutbilds und der anderen Marker bei diesen ansonsten gesunden Probanden.5
  • Eine aktuelle Studie (2026) untersuchte hingegen den Effekt von Probiotika bei Patienten, die diese nach einer Koloskopie einnahmen. Hierbei wurde auf eine Mischung mit Bacillus subtilis and Enterococcus faecium gesetzt und die Änderung nach 28-tägiger Supplementierung festgehalten. Im Vergleich zu der Placebo-Gruppe, bei der die Darmmikrobiota sich nach der Koloskopie eher ungünstig veränderten (erhöhte Menge an Pseudomonaden and Klebsiellae), zeigte die Interventionsgruppe eine Anreicherung von Milchsäurebakterien, die als vorteilhaft gelten. Innerhalb einer Woche zeigte sich außerdem eine signifikante Verbesserung der Symptome bei der Probiotika-Gruppe im Vergleich zur Kontrolle.6
  • Auch nach Antibiotikagabe hat B. subtilis Potenzial, das Mikrobiom zu stabilisieren. In einer weiteren Studie aus 2026 wurde Patienten, die wegen einer Helicobacter pylori Infektion eine Eradikationstherapie mittels Antibiotika machten, entweder Probiotika oder ein Placebo gegeben. Das Probiotikum bestand wieder aus einer Mischung von B. subtilis und Enterococcus faecium. Die Gruppe, die zusätzlich zur Eradikationstherapie Probiotika erhalten hatte, zeigte im Therapieverlauf insgesamt ein stabileres Mikrobiom und eine erhaltene Beta-Diversität, wobei einige andere Marker und Mikrobiotaprofile hier ebenfalls beeinträchtigt waren im Vergleich zu einer Kontrolle, die keine Helicobacter Infektion hatte. Die Probiotikamischung konnte die negativen Effekte der Antibiotikagabe also teilweise, jedoch nicht vollständig aufhalten. Zu Erwähnen ist jedoch, dass die H. pylori-Eradikation zu den sehr nebenwirkungsreichen und eher langwierigen Therapien im Antibiotikabereich zählt.7

Zusammengefasst gibt es also einige Studien, die zumindest in eine richtige Richtung zeigen, wenngleich die Effektgrößen und konkreten Anwendungsbereiche noch genauer herausgearbeitet werden müssen. Dennoch werden B. subtilis Stämme auch heute schon sicher hergestellt und eingenommen, da sich die Effekte zur Symptomkontrolle durchweg zeigen. Worauf Du allerdings beim Kauf achten solltest, damit Du nicht zum falschen Produkt greifst, erfährst Du jetzt.

Bacillus subtilis: Worauf Du bei der Auswahl eines Präparats achten solltest

Wenn Du Dich für ein B. subtilis Präparat entscheidest, lohnt es sich, etwas genauer hinzuschauen – denn nicht jedes Produkt auf dem Markt ist gleich. B. subtilis ist nicht gleich B. subtilis. Hinter dem Namen verbirgt sich eine Vielzahl von Stämmen, die sich in ihrem Sicherheitsprofil und ihrer wissenschaftlichen Dokumentation unterscheiden können. Ein seriöser Hersteller weist den Stamm immer klar auf der Verpackung aus – zum Beispiel als B. subtilis DE111 oder B. subtilis PLSSC. Fehlt die Angabe, lässt sich die vorhandene wissenschaftliche Datenlage zu dem verwendeten Stamm nur schwer einordnen.

Warum ist das so wichtig? Bei Probiotika gelten Erkenntnisse aus Sicherheits- und Wirksamkeitsstudien grundsätzlich nur für den jeweils untersuchten Stamm und lassen sich nicht ohne Weiteres auf andere Stämme derselben Art übertragen. Eine eindeutige Stammbezeichnung schafft daher Transparenz und ermöglicht es, die verfügbare wissenschaftliche Literatur besser nachzuvollziehen.

Wie bei allen Präparaten mit lebenden Mikroorganismen gilt: Sprich die Einnahme mit einem Arzt oder einer Ärztin ab, wenn Du stark immungeschwächt bist – etwa durch eine Chemotherapie, Strahlentherapie oder die dauerhafte Einnahme von Immunsuppressiva. In den bisher untersuchten Dosierungen und Studiendauern gelten gut charakterisierte B. subtilis-Stämme als gut verträglich.

Zusammenfassung

B. subtilis ist ein sporenbildendes Probiotikum mit besonderen Eigenschaften. Dank seiner Widerstandsfähigkeit erreicht es den Darm in aktiver Form und kann dort durch die Produktion von Verdauungsenzymen und antimikrobiellen Stoffen die Darmgesundheit unterstützen. Erste Humanstudien zeigen vielversprechende Ergebnisse bei Blähungen, Völlegefühl und anderen funktionellen Darmbeschwerden, auch wenn weitere Forschung notwendig ist. Wer sich für ein Präparat entscheidet, sollte auf einen wissenschaftlich untersuchten und klar gekennzeichneten Stamm achten sowie auf eine hohe Produktqualität.


Referenzen (Englisch)
  1. Kaspar, F., Neubauer, P., & Gimpel, M. (2019). Bioactive Secondary Metabolites from Bacillus subtilis: A Comprehensive Review. Journal of natural products, 82(7), 2038–2053. https://doi.org/10.1021/acs.jnatprod.9b00110
  2. Jia, J., Fu, M., Ji, W., Xiong, N., Chen, P., Lin, J., & Yang, Q. (2024). Surfactin from Bacillus subtilisenhances immune response and contributes to the maintenance of intestinal microbial homeostasis. Microbiology spectrum, 12(12), e0091824. https://doi.org/10.1128/spectrum.00918-24
  3. Zhang, Q., Xie, S., Zhong, Q., Zhang, X., Luo, L., & Yang, Q. (2025). Bacillus subtilis-Derived Surfactin Alleviates Offspring Intestinal Inflammatory Injuries Through Breast Milk. Nutrients, 17(6), 1009. https://doi.org/10.3390/nu17061009
  4. Patch, C., Pearce, A. J., Cheng, M., Boyapati, R., & Brenna, J. T. (2023). Bacillus Subtilis (BG01-4TM) Improves Self-Reported Symptoms for Constipation, Indigestion, and Dyspepsia: A Phase 1/2A Randomized Controlled Trial. Nutrients, 15(21), 4490. https://doi.org/10.3390/nu15214490
  5. Garvey, S. M., Mah, E., Blonquist, T. M., Kaden, V. N., & Spears, J. L. (2022). The probiotic Bacillus subtilisBS50 decreases gastrointestinal symptoms in healthy adults: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial. Gut microbes, 14(1), 2122668. https://doi.org/10.1080/19490976.2022.2122668
  6. Wei, H., Wang, J., Xiao, X., Xiao, X., Tang, K., Lv, M., Li, Y., Tang, L., Tang, B., Su, J., Lin, H., Zheng, Y., Meng, R., Huang, B., Liao, X., He, S., Zhang, Q., Li, J., Yang, S., & Xie, X. (2026). Effect of Probiotics on the Gut Microbiota After Colonoscopy: A Multicenter, Randomized, Placebo-Controlled Clinical Study. Journal of gastroenterology and hepatology, 41(1), 128–139. https://doi.org/10.1111/jgh.70147
  7. Wei, W., Chen, W., Peng, R., Wang, X., Wang, Z., & Zhang, Z. (2026). Probiotics alleviate oral microbiota disruptions induced by Helicobacter pylorieradication with vonoprazan-amoxicillin dual therapy: a randomized double-blind placebo-controlled trial. (An exploratory study). Frontiers in cellular and infection microbiology, 16, 1740968. https://doi.org/10.3389/fcimb.2026.1740968

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Bacillus coagulans Nahrungsergänzungsmittel gut für die Darmgesundheit

Das Wichtigste über Bacillus coagulans

Vermutlich kennst Du Probiotika bereits – die Bakterien, die Du über die Nahrung oder Nahrungsergänzung zuführen kannst, um Deine Darmflora anzureichern. Tatsächlich sind Probiotika eine riesige Gruppe an lebenden Mikroorganismen, mit jeweils unterschiedlichen Funktionen und Effekten auf Deine Darmgesundheit und Dein allgemeines Wohlbefinden. Probiotika können allerdings auch Symptome auslösen oder verstärken, wie wir in unserem Blogbeitrag Histaminfreundliche Probiotika bei funktionaler HIT erläutern.

Eine besonders spannende Gruppe unter Probiotika sind die Sporenbildner, eine Gruppe an resistenten Bakterien, die die Hindernisse (Magensäure, Lagerung und Verarbeitung) besonders gut überwinden kann. Einer dieser Sporenprobiotika ist Bacillus coagulans, der einige Besonderheiten aufweist, die Dir besonders helfen können. In diesem Artikel gehen wir auf diese Besonderheiten ein.

Hinweis: Wie immer sind die Informationen in unserem Artikel von uns selbst recherchiert und geschrieben – ohne Beteiligung von ChatGPT und Konsorten. Viel Spaß beim Lesen!

Was ist Bacillus coagulans und was macht Bacillus coagulans besonders?

Bacillus coagulans ist ein sporenbildendes Bakterium – heutzutage wird es auch als Weizmannia coagulans bezeichnet, weil es sich in einigen Faktoren doch ordentlich von anderen Bacillus-Bakterien unterscheidet. Ursprünglich hieß es mal Lactobacillus sporogenes, wurde dann aber umbenannt, um der sporenbildenden Funktion besser gerecht zu werden. All diese Namen beschreiben allerdings das gleiche Bakterium: Eine sporenbildende, milchsäureproduzierende, grampositive, stäbchenförmige Bakterienspezies mit mehreren bekannten probiotischen Stämmen, darunter GBI-30, 6086 Unique IS-2, MTCC 5856, LBSC (DSM 17654), TBC169, SNZ 1969, BC30 und T11.

Bacillus Coagulans
Grampositives Bacillus coagulans unter dem Mikroskop

Eine weitere Besonderheit von Bacillus coagulans ist, dass dieses Bakterium nicht natürlicherweise Teil der Darmflora ist und auch nach Einnahme sich nur vorübergehend im Darm befindet und dann wieder ausgeschieden wird. Was das alles bedeutet?

  • Grampositiv und stäbchenförmig

    Das sind typische Charakteristika, wie Bakterien eingeordnet werden. Hierbei handelt es sich um Beobachtungen unterm Mikroskop. Grampositive Bakterien haben eine dicke Zellhülle (“Mureinhülle”), in die sich die Partikel der Gram-Färbung einlagern. Diese Einordnung ist beispielsweise bei der Wirksamkeit von bestimmten Antibiotika gegen krankheitserregende Bakterien hilfreich, da die Zellhülle ein Angriffsort für Antibiotika ist.

  • Sporenbildner – was heißt das?

    Die wichtigste Funktion von B. coagulans ist wohl die sporenbildende Eigenschaft. Das bedeutet, dass B. coagulans sich gegen schlechte Umweltbedingungen wappnet, indem es sich umstrukturiert – es bildet dabei Endosporen, die eine besonders dicke Hülle haben und auf das Wesentliche reduziert sind. Der Stoffwechsel ist in dieser Phase eingeschlafen, wie im Winterschlaf. Wenn die Konditionen wieder besser sind, können die Endosporen erneut keimen und sind dann wieder aktiv. Mehr über sporenbildende Bakterien allgemein erfährst Du in diesem Artikel.

  • Bacillus coagulans – der Milchsäureproduzent

    Eine der hervorstechenden Funktionen von B. coagulans ist die Milchsäureproduktion. Früher wurde B. coagulans deshalb auch den Lactobacillen zugeordnet. Milchsäure wiederum hat einen sauren pH-Wert und beeinflusst daher das Darmmilieu1. Das ist besonders relevant bei Patienten, die aufgrund eines basischeren pH-Werts eine Überwucherung bestimmter Bakterien haben – häufig lässt sich dieses Szenario bei SIBO Patienten (Small Intestinal Bacterial Overgrowth) beobachten. In diesem Falle können milchsäureproduzierende Bakterien hilfreich sein, den pH-Wert zu senken und damit das Wachstum basisch-liebender Bakterien zu hemmen2.

Vorübergehende Besiedlung – und trotzdem nachhaltiger Effekt?

Ein weiteres Merkmal vieler sporenbildender Bakterien und auch von B. coagulans ist, dass sie sich nur vorübergehend im Verdauungstrakt befinden und nach einiger Zeit wieder Dein System verlassen. Das eigentliche Ziel der Einnahme von Probiotika ist, dass Bakterien in ausreichender Menge eingenommen werden, um die Darmflora anzureichern. Wird das hier trotzdem erreicht, obwohl das verabreichte Bakterium sich nicht selbst ansiedelt? Tatsächlich schon, denn B. coagulans kann mittels der Verbesserung des Milieus über weitere Stoffwechselprodukte neben Milchsäure den Gehalt an anderen hilfreichen Bakterien der Darmflora erhöhen.

Das wurde in einigen präklinischen Studien gezeigt (das heißt an Tieren oder im Labor simulativ):

  • So wurde Küken von Masthühnern 42 Tage lang täglich B. coagulans oral verabreicht. Nach diesem Zeitraum wurde erneut das Mikrobiom untersucht sowie verschiedenste andere Parameter. B. coagulans verbesserte hier die Darmflora und erhöhte die relative Häufigkeit nützlicher Bakterien im Darm signifikant. Darüber hinaus förderte B. coagulans die Proliferation der Darmepithelzellen. Das deutet auf eine Stärkung der Darmbarriere hin.3

  • Eine andere Studie untersuchte ebenfalls die Wirksamkeit von B. coagulans (MF-60) an Küken, die mit Salmonella pullorum infiziert waren im Vergleich zu klassischen Antibiotika. Die Ergebnisse zeigten, dass die Verabreichung von Bacillus coagulans MF-06 das Vorkommen von Salmonella pullorum-Kolonien im Darmtrakt verringerte. Zudem stellte die Verabreichung von Bacillus coagulans MF-06 die Konzentrationen von DAO (Diaminoxidase) und Milchsäure (D-LA) sowie die Konzentrationen von Proteinen der Tight Junctions, wichtig für die Darmbarriere, wieder her. Die Analyse mittels 16S-rRNA-Sequenzierung ergab, dass die Aufnahme von Bacillus coagulans MF-06 zu einer signifikanten Abnahme der relativen Häufigkeit von einigen pathogenen Bakterien führte. Die Autoren schlossen daher auf eine potentielle stabilisierende Funktion der Darmbarriere und des Darmmikrobioms.4

  • Auch auf das Immunsystem hat B. coagulans Effekte in präklinischen Studien gezeigt. So zum Beispiel in einer Studie, in der die schützende Wirkung von B. coagulans MZY531 auf Schäden an der Darmschleimhaut bei durch Chemotherapie immunsupprimierten Mäusen untersucht wurde. Die Ergebnisse zeigten, dass die Werte der Immunorgane (Thymus und Milz) in den mit B. coagulans MZY531 behandelten Gruppen im Vergleich zur nur Chemo-Gruppe signifikant erhöht waren. Auch die Konzentrationen von Botenstoffen des Immunsystems (IFN-γ, IL-2, IL-4 und IL-10) im Dünndarm waren hochreguliert. Der Dünndarm war in der Analyse bei der B. coagulans Gruppe außerdem gesünder, weil wichtige Strukturen für Nahrungsaufnahme und Darmbarriere wiederhergestellt waren. Entzündungen der Darmschleimhaut, die durch die Chemotherapie hervorgerufen wurden, waren bei den behandelten Mäusen wieder herunterreguliert und die relative Häufigkeit des Stammes Firmicutes sowie der Gattungen Prevotella und Bifidobacterium waren deutlich erhöht, während die Anzahl schädlicher Bakterien zurückging. Zusammengefasst scheint es auch hier so, dass B. coagulans MZY531 eine potenzielle immunmodulatorische und darmregenerative Wirkung hat.5

Fassen wir die Evidenz aus Tierstudien zusammen, deutet alles darauf hin, dass B. coagulans einen positiven Effekt auf die Darmbarriere hat, unter anderem, in dem es die Häufigkeit an anderen positiven Bakterien erhöht, die die Darmbarriere stärken. B. coagulans scheint außerdem einen Effekt auf das Immunsystem, besonders bei geschwächten Tieren (infiziert oder chemotherapeutisch behandelt) zu haben. Es wurde sogar als Antibiotika-Ersatz untersucht. Wieso, wollen wir uns einmal anschauen.

Bacillus coagulans mit antimikrobiellen Eigenschaften gegen pathogene Keime

Der Grund, warum B. coagulans sich auch stark gegen pathogene Keime zeigt, ist die Produktion von antimikrobiellen Peptiden. Eines davon ist Coagulin, ein antimikrobielles Peptid, das eine breite antimikrobielle Wirkung gegen grampositive Bakterien, einschließlich multiresistenter Stämme, zeigen konnte. Laut einiger Studien zeigt das extrahierte Coagulin (von B. coagulans BDU36 bzw. LI2087) eine signifikante antimikrobielle Wirkung auf B. cereus, Enterococcus sp., Lactobacillus sp., M. luteus, S. aureus, B. subtilis, E. coli, P. aeruginosa, Salmonella enterica und Shewanella putrefaciens. Coagulin durchdringt die Peptidoglykanschicht der bakteriellen Zellwand, wodurch Aminosäuren und anorganische Salze diffundieren und das Wachstum von Krankheitserregern hemmen können.

Einige B. coagulans Stämme produzieren auch andere antimikrobielle Stoffe, je nachdem, um welchen Stamm es sich handelt. Das ist ja alles schön und gut, aber gibt es eigentlich auch Studien zur Wirksamkeit beim Menschen oder kannst Du B. coagulans nur Mäusen und Hühnern geben?

Wirksamkeit von B. coagulans bei Menschen

Wie die einleitende Überschrift zu diesem Absatz andeutet, ist die Antwort auf unsere Frage: ja! Es gibt sogar einige Studien, gerade bei Erkrankungsbildern wie dem Reizdarmsyndrom (RDS):

  • Hier konnte B. coagulans LBSC beispielsweise die mit Reizdarm häufig einhergehenden Symptome wie Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfälle signifikant vermindern – so eine placebokontrollierte Studie aus 2021.8

  • Eine Meta-Analyse in 2024 analysierte sieben der in den vergangenen Jahren veröffentlichten Studien und konnte zeigen, dass B. coagulans den Schweregrad von RDS-Symptomen wie Stuhldrang, Blähungen sowie unvollständige Entleerung und insgesamt die Symptomschwere signifikant verbessern konnte.9

Bacillus coagulans hat also einige mögliche Effekte auf typische Symptome, die vielleicht ja auch Du hast. Was sollte man denn beim Kauf und der Einnahme von sporenbildenden Bakterien beachten?

Einnahme von sporenbildenden Probiotika: Das solltest Du beachten

Wie auch bei anderen Bakterien solltest Du bei B. coagulans auf die Herstellerinformationen achten. Es gibt unterschiedliche Substämme, manche davon wurden eventuell noch nicht auf ihre Sicherheit getestet. Daher gilt, dass Du beim Kauf auf die Bezeichnung des Stamms achten solltest – ein seriöser Hersteller wird diesen angeben (z.B. B. coagulans LBSC, so wir es bei easyPROBIO angeben). Solche Stämme werden genetisch charakterisiert und auf Sicherheitsaspekte geprüft.

Weiterhin solltest Du die Einnahme mit einem Arzt oder einer Ärztin absprechen, sofern Du stark immungeschwächt bist (bspw. während Chemotherapie, Strahlentherapie oder der dauerhaften Einnahme von Immunsuppressiva) – das gilt übrigens für alle lebenden Mikroorganismen (Probiotika), nicht jedoch für Post- und Präbiotika.

Mehr über die Wahl Deines Probiotikums erfährst Du auch hier, in unserem Probiotika-Guide.

Fazit: Bacillus coagulans – ein besonderes Probiotikum mit breitem Wirkpotenzial

Bacillus coagulans hebt sich durch seine sporenbildende Natur von klassischen Probiotika ab. Das Bakterium übersteht Magensäure, Lagerung und Verarbeitung zuverlässig und entfaltet seine Wirkung erst dort, wo sie gebraucht wird – im Darm. Obwohl B. coagulans sich nicht dauerhaft im Darm ansiedelt, ist sein Effekt alles andere als vorübergehend. Durch die Produktion von Milchsäure und weiteren Stoffwechselprodukten verbessert B. coagulans das Darmmilieu, fördert das Wachstum nützlicher Bakterien und stärkt die Darmbarriere. Präklinische Studien zeigen darüber hinaus, dass B. coagulans immunmodulatorische Eigenschaften besitzt und antimikrobielle Peptide produziert, die gezielt pathogene Keime hemmen können.

Besonders relevant für Betroffene: Klinische Studien am Menschen – darunter eine Meta-Analyse aus 2024 – zeigen, dass B. coagulans Symptome des Reizdarmsyndroms wie Blähungen, Bauchschmerzen und Stuhldrang signifikant lindern kann.

Auf unserer Seite findest Du weitere Informationen über Bakterienkomplexe und Präbiotika. Schau’ gerne auch mal in unserem Produktberater vorbei, der Dir bei der Auswahl des richtigen Präparats Unterstützung bieten kann!


Referenzen (Englisch)

  1. Payne, J., Bellmer, D., Jadeja, R., & Muriana, P. (2024). The Potential of Bacillus Species as Probiotics in the Food Industry: A Review. Foods (Basel, Switzerland), 13(15), 2444. https://doi.org/10.3390/foods13152444
  2. Louis, P., & Flint, H. J. (2017). Formation of propionate and butyrate by the human colonic microbiota. Environmental microbiology, 19(1), 29–41. https://doi.org/10.1111/1462-2920.13589
  3. Liu, C., Radebe, S. M., Zhang, H., Jia, J., Xie, S., Shi, M., & Yu, Q. (2022). Effect of Bacillus coagulans on maintaining the integrity intestinal mucosal barrier in broilers. Veterinary microbiology, 266, 109357. https://doi.org/10.1016/j.vetmic.2022.109357
  4. Ma, L., Tian, G., Pu, Y., Qin, X., Zhang, Y., Wang, H., You, L., Zhang, G., Fang, C., Liang, X., Wei, H., Tan, L., & Jiang, L. (2024). Bacillus coagulans MF-06 alleviates intestinal mucosal barrier from damage in chicks infected with Salmonella pullorum via activating the Wnt/β-catenin pathway. Frontiers in microbiology, 15, 1492035. https://doi.org/10.3389/fmicb.2024.1492035
  5. Zhao, Z., Sun, M., Cui, X., Chen, J., Liu, C., & Zhang, X. (2023). Bacillus coagulans MZY531 alleviates intestinal mucosal injury in immunosuppressive mice via modulating intestinal barrier, inflammatory response, and gut microbiota. Scientific reports, 13(1), 11181. https://doi.org/10.1038/s41598-023-38379-0
  6. Abdhul, K., Ganesh, M., Shanmughapriya, S., Vanithamani, S., Kanagavel, M., Anbarasu, K., & Natarajaseenivasan, K. (2015). Bacteriocinogenic potential of a probiotic strain Bacillus coagulans [BDU3] from Ngari. International journal of biological macromolecules, 79, 800–806. https://doi.org/10.1016/j.ijbiomac.2015.06.005
  7. Fu, L., Wang, C., Ruan, X., Li, G., Zhao, Y., & Wang, Y. (2018). Preservation of large yellow croaker (Pseudosciaena crocea) by Coagulin L1208, a novel bacteriocin produced by Bacillus coagulans L1208. International journal of food microbiology, 266, 60–68. https://doi.org/10.1016/j.ijfoodmicro.2017.11.012
  8. Gupta, A. K., & Maity, C. (2021). Efficacy and safety of Bacillus coagulans LBSC in irritable bowel syndrome: A prospective, interventional, randomized, double-blind, placebo-controlled clinical study [CONSORT Compliant]. Medicine, 100(3), e23641. https://doi.org/10.1097/MD.0000000000023641
  9. AbdelQadir, Y., Nabhan, A., Althawadi, Y., Belal, M., Feiter, Y., Madian, M., Omran, H., AbdelAzim, A., Abdelghafar, Y. and Nashwan, A. (2023). Bacillus coagulans as a potent intervention for treating irritable bowel syndrome: a systematic review and meta-analysis of randomized control trials. Gastroenterology & Endoscopy 2, pp. 7–18. https://doi.org/10.1016/j.gande.2023.11.001

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Probiotika und Sporenbilder für Darmgesundheit

Was sind sporenbildende Probiotika – und wie helfen Sporenbildner Deinem Darm?

Wenn es Dir um die Förderung Deiner Darmgesundheit geht, dann hast Du sicherlich schon von Probiotika gehört – lebenden Mikroorganismen, die auch in deinem Darm vorkommen und dessen Einnahme in ausreichend hohen Dosen deine Darmflora unterstützen soll. Wusstest Du, dass es viele unterschiedliche Arten von Probiotika gibt und sie alle Unterschiede aufweisen? In unserem Probiotika Guide haben wir Dir die Unterschiede bereits erklärt – hier hingegen geht es um eine ganz spezielle Gruppe im Detail: die sporenbildenden Probiotika. Im Gegensatz zu vielen anderen klassischen Probiotika sollen diese nämlich besser im Magen überleben können – die Hürde, an der viele Bakterien scheitern. Deshalb geht es heute genau um diese Mechanismen und die potenziellen Vorteile von Sporenbildnern.

Übrigens: Wir recherchieren und schreiben unsere Artikel in Zeiten künstlicher Intelligenz noch selbst – das erkennst Du auch an den vielen wissenschaftlichen Referenzen im und am Ende dieses Beitrags. Nur so können wir unserem eigenen Qualitätsanspruch gerecht werden. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

Was sind sporenbildende Probiotika?

Probiotika sind keineswegs eine einheitliche Gruppe von Bakterien. Vermutlich kennst Du die klassischen Lactobacillus- und Bifidobacterium-Stämme, die sich in fast jedem Produkt befinden. Diese sind aktive Bakterien ohne besondere Schutzhülle, die in Deinem Darm Teil der normalen Darmflora sind. Das Ziel mit der Gabe dieser Bakterien ist, die Magensäure zu überwinden, sich im Darm anzusiedeln und die Darmflora damit anzureichern. Was wir mittlerweile jedoch wissen: Dies findet nur begrenzt statt; ein großer Teil der zugeführten Probiotika befindet sich nur vorübergehend im Darm – sie siedeln sich aber nicht an. Zudem sind diese Bakterien wie erwähnt von vornherein aktiv und angreifbar; deshalb ist unklar, wie viele tatsächlich den Magen und die Magensäure überleben.

Sporen-Probiotika hingegen besitzen einen sogenannten Schutzmantel, weil sie unter ungünstigen Bedingungen aus ihrem aktiven Zustand sogenannte Endosporen bilden können: Das Bakterium strukturiert sich um, bildet einen besonders widerstandsfähigen Schutzmantel und geht – wenn wir so möchten – in eine Art „Winterschlaf“. Wenn die Endospore wieder von besseren Konditionen umgeben ist, kann sie erneut keimen – beispielsweise im Dünndarm nach Durchlaufen des Magens und der dort enthaltenen Säure. Diesen Überlebensvorteil wollen wir uns also genauer angucken, um den entscheidenden Unterschied von Sporen zu aktiven Bakterien zu verstehen.

Probiotika und Sporenbilder für Darmgesundheit

Magensaftresistente Probiotika – Sporenbildner als Überlebenskünstler

Im Vergleich zu klassischen Probiotika wird postuliert, dass Sporenbildner gegenüber so gut wie allen Einflüssen resistent sind. Die Idee hinter diesen Probiotika stammt aus der Forschung gegen die Bekämpfung von pathogenen sporenbildenden Bakterien – also Krankheitserregern, die ebenfalls diese Sporenbildung als Fähigkeit besitzen. Weiterhin entdeckte Sporen untersucht, die zum Teil vor Tausenden von Jahren sporuliert waren (Sporulation beschreibt den Prozess der Sporenbildung).

Auch wenn Sporenbildner sehr resistent sind, gibt es auch zu ihnen Evidenz bezüglich deren Haltbarkeit1,2,3. Im Folgenden wollen wir Lactobazillen und Sporenbilder einmal gegenüberstellen: 

Umweltbedingung Lactobacillen/Bifidobacterien Bacillus-Arten (Sporenbildner)
Hitze (z. B. Kochen, Backen oder Pasteurisierung) Diese Bakterien sind empfindlich – beim Erwärmen gehen viele verloren. Beispiel: Wenn Du Joghurt stark erhitzt, überleben nur wenige. Sehr hitzestabil – fast alle überleben, auch längere Pasteurisierung. So bleiben sie auch nach warmer Verarbeitung aktiv.
Magensäure (natürliche Schutzbarriere gegen Keime) Viele Bakterien werden sofort abgetötet, nur 10.000–100.000 überleben pro Kapsel. Beispiel: Nach Einnahme einer Kapsel erreichen nur ein kleiner Teil den Darm. Sporen überstehen die Magensäure gut und gelangen lebend in den Darm, auch nach mehreren Stunden.
Lagerung über längere Zeit Weniger stabil – ihre Zahl nimmt mit der Zeit ab. Beispiel: Joghurt oder Probiotika verlieren nach Monaten merklich an Wirksamkeit. Langzeitstabil: Auch nach über 1,5 Jahren Lagerung bleibt eine große Menge lebendig. Produkte bleiben somit länger wirksam.
Gefriertrocknung (Herstellung) Brauchen Schutzstoffe, damit sie den Prozess überleben. Beispiel: Pulverisierte Probiotika werden oft stabilisiert. Sehr robust – überstehen Gefriertrocknung ohne große Verluste.

Fazit: Sporenbildende Probiotika zeigen also unter den meisten Stressbedingungen konsistente und erhebliche Vorteile in der Überlebensfähigkeit im Vergleich zu nicht sporenbildenden Probiotika.

Die dramatischsten Unterschiede treten vermutlich unter Magensäurebedingungen auf, wo nicht sporenbildende Probiotika oft eine rasche Inaktivierung erfahren, während sporenbildende Stämme eine nahezu vollständige Lebensfähigkeit beibehalten.
Sporenbildner haben also eine besonders gute Haltbarkeit und Stabilität. Aber welche der vielen Bakterienarten, die Du auf der Inhaltsstoffliste lesen kannst, gehören denn zu den Sporenbildnern? Und haben diese untereinander auch Unterschiede? Das wollen wir uns jetzt anschauen.

Welche sporenbildenden Probiotika gibt es?

Kurzum gibt es besonders zwei sporenbildende Gattungen, die Du dir merken solltest: Die Bacillus- und die Clostridium-Gruppe. Vielleicht kennst du den Begriff Clostridien von Infektionserkrankungen? Tatsache ist nämlich, dass es unter den Sporenbildnern “positive” Arten gibt, die wir dann als Probiotika klassifizieren, zum Beispiel C. butyricum. Es gibt aber auch Krankheitserreger wie C. tetani (Tetanus) und C. botulinum. Auch bei der Bacillus-Gattung gibt es probiotische Arten: B. coagulans, B. subtilis und B. clausii (mehr zu diesen weiter unten.) Andere hingegen, wie etwa B. cereus, können Lebensmittelvergiftungen verursachen.

Dieser kleine Exkurs soll Dir zeigen, dass es durchaus darauf ankommt, von welchen Bakterien wir sprechen, da sie unterschiedliche Funktionen haben. Aber: Keine Angst vor Sporenbildnern als Probiotika – die klassischen probiotischen Arten haben keinen Krankheitswert. Gehen wir kurz auf die angesprochenen Bacillus-Arten an, die in der Probiotika-Welt am interessantesten sind:

  • Bacillus coagulans

    Bacillus coagulans ist ein spezielles Probiotikum. Es ist nämlich nicht Teil der natürlichen Darmflora und siedelt sich auch nicht an – wie kann es dann überhaupt Effekte haben?

    Sobald es im Dünndarm angekommen ist, kann sich die Spore “wiederbeleben” und das Bakterium sich vermehren. Wenn es wieder einen aktiven Stoffwechsel hat, produziert es Milchsäure. Diese wiederum hat einen positiven Effekt auf den pH und das generelle Milieu4 – ein Problem bei vielen SIBO- und Reizdarm-Patienten. Die Verbesserung des Milieus über weitere Stoffwechselprodukte kann außerdem den Gehalt an anderen hilfreichen Bakterien der Darmflora erhöhen. B. coagulans LBSC beispielsweise hat sich hilfreich bei der Behandlung des Reizdarmsyndroms erwiesen, da es Symptome wie Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfälle signifikant vermindern konnte5.

    Einige B. coagulans Stämme können auch Bakteriocine und bakteriocin-ähnliche Substanzen produzieren6. Das sind antimikrobielle Peptide, die das Wachstum und die Lebensfähigkeit pathogener Keime beeinträchtigen.

  • Bacillus subtilis

    Eben solche antimikrobiellen Peptide werden auch von einigen Bacillus subtilis Stämmen produziert – diese sind bekannt für ihre kompetitive Verdrängung und Hemmung pathogener Keime7. Im Gegensatz zu B. coagulans ist B. subtilis Teil der Darmflora; zugeführte Sporen in Probiotika kolonisieren den Darm aber nicht8.

    Neben der antimikrobiellen Aktivität werden ihnen viele weitere positive Effekte nachgesagt. So konnte in Bezug auf einige B. subtilis Stämme wie DE111 oder BS50 gezeigt werden, dass sie Blähungen reduzieren oder die Stuhlkonsistenz normalisieren konnten, sowie antiinflammatorische Effekte zeigten und protektiv auf die Darmbarriere wirkten.8 Inwiefern diese Effekte auf andere B. subtilis Stämme übertragen werden können, wird sich noch zeigen.

  • Bacillus clausii

    B. clausii Stämme haben in der Vergangenheit besonders viel Anwendung in der Lebensmittelindustrie erfahren, da sie mit am widerstandsfähigsten sind. Etwas weniger Evidenz gibt es zur Nutzung im probiotischen Kontext, wobei besonders zu B. clausii die letzten Jahre das Interesse zugenommen hat. So gibt es Hinweise darauf, dass diesem Bakterium besonders immunmodulatorische Effekte zugeschrieben werden können – unter anderem aufgrund antimikrobieller Aktivität, ähnlich wie bei anderen Bacillus-Arten, aber auch aufgrund immunstimulierender Effekte aufgrund seiner Oberfläche9.

    In Studien mit Kindern und Erwachsenen mit Heuschnupfen (allergische Rhinitis) konnte gezeigt werden, dass B. clausii das Immunsystem in eine günstigere Richtung unterstützt10. Normalerweise ist bei Heuschnupfen ein Ungleichgewicht im Immunsystem vorhanden, das bestimmte Abwehrstoffe (sogenannte Zytokine) stärker aktiviert. Die Einnahme von B. clausii kann helfen, dieses Gleichgewicht wiederherzustellen. Außerdem wird B. clausii häufig eingesetzt, um die Beschwerden während einer Behandlung mit Antibiotika gegen Helicobacter pylori11 zu lindern, sowie zur Verhinderung anderer antibiotika-assoziierter Diarrhö12.

Jetzt weißt Du schon etwas mehr über einzelne Stämme. Fassen wir die Effekte sporenbildender Probiotika nochmals zusammen.

Wie helfen sporenbildende Probiotika Deinem Darm?

Sporenbildende Probiotika wie B. coagulans, B. subtilis und B. clausii wirken über mehrere, sich ergänzende Mechanismen – und genau das macht sie besonders interessant.

Ihr entscheidender Vorteil gegenüber klassischen Probiotika beginnt bereits vor dem Darm: Dank ihrer Sporenstruktur überstehen sie Magensäure, Hitze und Lagerung weitgehend unbeschadet und erreichen den Dünndarm in deutlich höherer Anzahl als viele nicht sporenbildende Stämme. Dort angekommen, keimen sie aus und entfalten ihre Wirkung transient, was gerade für SIBO-Patienten interessant ist.

Im Darm selbst greifen mehrere Wirkmechanismen ineinander:

  • Milieuverbesserung: B. coagulans produziert Milchsäure und beeinflusst so den pH-Wert im Darm positiv – was besonders bei Reizdarm und SIBO relevant ist
  • Antimikrobielle Aktivität: Bacillus-Arten produzieren Bakteriocine und antimikrobielle Lipopeptide, die pathogene Keime hemmen und so das Gleichgewicht der Darmflora stabilisieren
  • Barriereschutz: Klinische Studien mit Bacillus-Sporenmischungen zeigten beim Menschen in einer kleineren Studie eine Reduktion der sogenannten metabolischen Endotoxämie – also der Menge an bakteriellen “Giftstoffen” (Lipopolysaccharide), die nach dem Essen ins Blut übertreten – um bis zu 42%13; das deutet auf eine Stärkung der Darmbarriere hin, die bei Reizdarm oft beeinträchtigt ist
  • Immunmodulation: B. clausii beeinflusst das Zytokinprofil – z. B. durch eine Verschiebung in Richtung Th1-Immunantwort und Reduktion proinflammatorischer Zytokine wie IL-1β und IL-12
  • Symptomkontrolle bei Reizdarm und funktionellen Beschwerden: Mehrere randomisierte, kontrollierte Studien zeigten signifikante Verbesserungen von Bauchschmerzen, Blähungen und Stuhlkonsistenz – sowohl bei Durchfall- als auch bei Verstopfungs-betontem Reizdarm
  • Unterstützung bei Antibiotikaeinnahme: Speziell B. clausii zeigte eine signifikante Reduktion antibiotika-assoziierter Durchfälle (AAD)

Zusammenfassung

Soviel auch über Probiotika und Sporenbilder mittlerweile bekannt ist – und wir hoffen Dir mit diesem und unseren weiteren Artikeln einen hilfreichen Einblick zu verschaffen – eine Menge an Fragen sind noch nicht geklärt. Das Forschungsgebiet zu sporenbildenden Bakterien als Probiotika ist nämlich nach wie vor jung. Bis dahin können wir aber schon mit der bisherigen Evidenz arbeiten: Es gibt bereits Stämme, die von Lebensmittelbehörden auf Sicherheit geprüft wurden und positive Erfahrungsberichte sowie klinische Studien besonders beim Reizdarmsyndrom, Durchfall sowie der antimikrobiellen Aktivität und der Verbesserung des Darmmilieus. Letztere beiden Aspekte können besonders im Kontext SIBO (Dünndarmfehlbesiedlung) hilfreich sein.


Referenzen (Englisch)

  1. Majeed, M., Majeed, S., Arumugam, S., Ali, F., & Beede, K. (2021). Comparative evaluation for thermostability and gastrointestinal survival of probiotic Bacillus coagulans MTCC 5856. Bioscience, biotechnology, and biochemistry, 85(4), 962–971. https://doi.org/10.1093/bbb/zbaa116
  2. Fajardo-Cavazos, P., & Nicholson, W. L. (2021). Shelf Life and Simulated Gastrointestinal Tract Survival of Selected Commercial Probiotics During a Simulated Round-Trip Journey to Mars. Frontiers in microbiology, 12, 748950. https://doi.org/10.3389/fmicb.2021.748950
  3. Brachkova, M. I., Duarte, A., & Pinto, J. F. (2009). Evaluation of the viability of Lactobacillus spp. after the production of different solid dosage forms. Journal of pharmaceutical sciences, 98(9), 3329–3339. https://doi.org/10.1002/jps.21609
  4. Payne, J., Bellmer, D., Jadeja, R., & Muriana, P. (2024). The Potential of Bacillus Species as Probiotics in the Food Industry: A Review. Foods (Basel, Switzerland), 13(15), 2444. https://doi.org/10.3390/foods13152444
  5. Gupta, A. K., & Maity, C. (2021). Efficacy and safety of Bacillus coagulans LBSC in irritable bowel syndrome: A prospective, interventional, randomized, double-blind, placebo-controlled clinical study [CONSORT Compliant]. Medicine, 100(3), e23641. https://doi.org/10.1097/MD.0000000000023641
  6. Honda, H., Gibson, G. R., Farmer, S., Keller, D., & McCartney, A. L. (2011). Use of a continuous culture fermentation system to investigate the effect of GanedenBC30 (Bacillus coagulans GBI-30, 6086) supplementation on pathogen survival in the human gut microbiota. Anaerobe, 17(1), 36–42. https://doi.org/10.1016/j.anaerobe.2010.12.006
  7. ​​Khochamit, N., Siripornadulsil, S., Sukon, P., & Siripornadulsil, W. (2015). Antibacterial activity and genotypic-phenotypic characteristics of bacteriocin-producing Bacillus subtilis KKU213: potential as a probiotic strain. Microbiological research, 170, 36–50. https://doi.org/10.1016/j.micres.2014.09.004
  8. Williams, N., & Weir, T. L. (2024). Spore-Based Probiotic Bacillus subtilis: Current Applications in Humans and Future Perspectives. Fermentation, 10(2), 78. https://doi.org/10.3390/fermentation10020078
  9. Villéger, R., Saad, N., Grenier, K., Falourd, X., Foucat, L., Urdaci, M. C., Bressollier, P., & Ouk, T. S. (2014). Characterization of lipoteichoic acid structures from three probiotic Bacillus strains: involvement of D-alanine in their biological activity. Antonie van Leeuwenhoek, 106(4), 693–706. https://doi.org/10.1007/s10482-014-0239-8
  10. Wong-Chew, R. M., de Castro, J. A., Morelli, L., Perez, M., & Ozen, M. (2022). Gut immune homeostasis: the immunomodulatory role of Bacillus clausii, from basic to clinical evidence. Expert review of clinical immunology, 18(7), 717–729. https://doi.org/10.1080/1744666X.2022.2085559
  11. Nista, E. C., Candelli, M., Cremonini, F., Cazzato, I. A., Zocco, M. A., Franceschi, F., Cammarota, G., Gasbarrini, G., & Gasbarrini, A. (2004). Bacillus clausii therapy to reduce side-effects of anti-Helicobacter pylori treatment: randomized, double-blind, placebo controlled trial. Alimentary pharmacology & therapeutics, 20(10), 1181–1188. https://doi.org/10.1111/j.1365-2036.2004.02274.x
  12. Abreu, A. T., Vázquez Frías, R., Boggio Marzet, C., Stefanolo, J. P., Concha Mejía, A., Bustos Fernández, L., Laudanno, O., Rosa, D., Cruz Serrano, M. C., Cárdenas, K., & Zuluaga, J. (2025). Effectiveness of Bacillus clausii (O/C, N/R, SIN, T) in the Prevention of Antibiotic-Associated Diarrhea and Gastrointestinal Symptoms: A Systematic Review. Antibiotics (Basel, Switzerland), 14(5), 439. https://doi.org/10.3390/antibiotics14050439
  13. McFarlin, B. K., Henning, A. L., Bowman, E. M., Gary, M. A., & Carbajal, K. M. (2017). Oral spore-based probiotic supplementation was associated with reduced incidence of post-prandial dietary endotoxin, triglycerides, and disease risk biomarkers. World journal of gastrointestinal pathophysiology, 8(3), 117–126. https://doi.org/10.4291/wjgp.v8.i3.117

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Probiotika und Sporenbildner

Der große Probiotika Guide – von klassischen Stämmen bis hin zu Next-Generation Probiotika und Sporenbildnern

Probiotika scheinen im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde zu sein. Probiotika: Diese lebenden Mikroorganismen wie Bakterien und Hefen, die wir uns in Kapselform zuführen, um unser Darmmikrobiom anzureichern, unsere Verdauung zu verbessern, unser Immunsystem zu unterstützen oder das Wachstum schädlicher Bakterien zu hemmen. Können sie überhaupt halten, was sie Dir versprechen? 

Dieser Guide soll Dir helfen zu verstehen, worauf genau Du bei der Auswahl Deiner Probiotika achten solltest, und welche Rolle die sogenannten sporenbildenden Stämme spielen. Ziel ist es, Dir so viel Wissen an die Hand zu geben, wie Du Produktangaben einordnen und Probiotika eigenständig bewerten kannst, um eine zu Deiner individuellen Situation passende Entscheidung treffen zu können.

Hinweis: Wie immer sind die Informationen in unserem Artikel von uns selbst recherchiert und geschrieben – ohne Beteiligung von ChatGPT und Konsorten. Viel Spaß beim Lesen!

Was sind Probiotika?

Unser Darmmikrobiom besteht aus Milliarden von Mikroorganismen, die uns dabei helfen, Nährstoffe zu verwerten, Vitamine zu bilden, die Darmbarriere zu stabilisieren und das Immunsystem zu steuern. Gerät das mikrobielle Gleichgewicht im Darm (aber auch überall dort, wo wir noch Schleimhäute haben) aus der Balance – zum Beispiel durch Stress, Antibiotika oder eine einseitige Ernährung –, wird dies mit Verdauungsbeschwerden, Infektionen und chronischen Entzündungen in Verbindung gebracht.

Hier rücken nun die Probiotika in den Fokus, die die Darmmikrobiota unterstützen, anreichern und ergänzen sollen. Gleichzeitig soll erwähnt werden, dass nicht jedes probiotische Produkt automatisch wirksam ist. Entscheidend für den Erfolg sind die konkrete Bakterienart, der Stamm, die Dosierung und die vorhandene Evidenz. Eine schlechte Wahl der Probiotika kann bestehende Symptome sogar verschlimmern.

In den letzten Jahren hat sich der Blick von den bewährten Probiotika “der ersten Generation” hin zu sogenannten Probiotika “der zweiten Generation” erweitert. Zu dieser zweiten Generation zählen die neuartigen sporenbildenden Bakterien: Diese Stämme unterscheiden sich in ihrer Stabilität, wie gut sie den Magen-Darm-Trakt überleben sowie ihren Wirkmechanismen. Dadurch eröffnen sie potenziell neue therapeutische Möglichkeiten. Gleichzeitig stellen sie Dich vor eine noch größere Auswahl – jetzt nicht den Mut verlieren, sondern weiterlesen😊!

Klassische Bakterienstämme wie Lactobacillus- und Bifidobacterium-Arten gehören zu den Probiotika der ersten Generation – sie werden typischerweise in hoher Menge und recht unspezifisch verabreicht. Aber bedeutet mehr, wirklich besser?

Drei Gruppen von Probiotika

  1. Probiotika der ersten Generation (klassische Milchsäurebakterien)
  2. Probiotika der zweiten Generation (z. B. sporenbildende Bacillus Stämme, verkapselte Stämme)
  3. Next Generation Probiotika (neu identifizierte Mikrobiom Schlüsselorganismen)

Probiotika: Je mehr, desto besser?

Probiotika der ersten Generation bilden die „Klassiker“ unter den probiotischen Präparaten: Es handelt sich meist um Milchsäurebakterien wie Lactobacillus und Bifidobacterium-Arten sowie einzelne, gut charakterisierte Stämme von Escherichia coli.  Auch Hefen wie Saccharomyces boulardii, die seit vielen Jahren in Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt werden, zählen zur ersten Generation. Sie werden oft als sicher für die Gesundheit angesehen, weil sie entweder natürlicherweise Teil der menschlichen Darmflora sind oder seit Jahrzehnten ohne relevante gesundheitliche Risiken eingenommen werden. Die Probiotika der ersten Generation zeichnen sich weiter durch ihre Robustheit aus, bzw. es besteht viel Wissen über ihre Stabilität im Verdauungstrakt, speziell zu ihrer Säurebeständigkeit. So wurden einige Lactobacillen in einem Modell des oberen Verdauungstraktes getestet, mit dem Ergebnis einer guten Überlebensrate, insbesondere beim Verzehr zusammen mit Milch1.

Besonders häufig werden die Vertreter der ersten Generation aktuell bei infektiösen Diarrhöen oder antibiotika-assoziierter Diarrhö eingesetzt. Hier wird seit längerem vermutet, die lebenden Mikroben könnten nach Eradikation durch Antibiotikagabe zu einer schnelleren Wiederherstellung des Darmmilieus beitragen.

Relevante Vertreter der ersten Generation von Probiotika

  • Lactobacillus spp.: z. B. L. rhamnosus (inkl. GG), L. plantarum, L. paracasei, L. casei, L. acidophilus
  • Bifidobacterium spp.: z. B. B. longum, B. bifidum, B. breve, B. animalis subsp. lactis
  • Weitere, z. B. S. thermophilus, Bacillus coagulans sowie S. boulardii

Eben dies scheint eine Studie zu widerlegen: Ein Forscherteam zeigte 2018, dass ein Standard-Probiotikum mit mehreren Stämmen, wie es in der Praxis oftmals verabreicht wird, die Erholung nach der Antibiotikagabe sogar ausbremste und ein abwartender Behandlungsansatz erfolgreicher war2. In der Studie wurden diese beiden Ansätze mit einem dritten Ansatz verglichen, und zwar der autologen Stuhltransplantation, welche von allen drei Ansätzen am besten abschnitt. Die autologe Stuhltransplantation gründet auf den neueren Erkenntnissen, dass jeder Mensch ein individuelles Mikrobiom besitzt, welches nicht gleich auf Interventionen anspricht und nicht einfach mit Gabe von Probiotika in großen Mengen (wieder) ins Gleichgewicht gebracht werden kann. Dies dürfte auch eine Erklärung für die teilweise stark schwankende Effektivität von klassischen Probiotika der ersten Generation sein.

Klassische Probiotika nur mit geringfügigem langfristigem Nutzen

Weiterhin zu beachten ist eine häufig beobachtete schlechte Persistenz der klassischen Probiotika im Darm – oft passieren sie den Verdauungstrakt lediglich flüchtig und führen zu keiner langfristigen Kolonisation, weil sie beispielsweise durch die Magensäure bereits zu stark geschädigt wurden. Das beschreibt auch eine Studie aus dem Jahr 20183: Gesunde Probanden erhielten ein Probiotikum mit elf Stämmen (Lactobacillus-, Bifidobacterium-, Lactococcus-, Streptococcus-Stämme) oder ein Placebo, wobei wiederholt Endoskopien mit Biopsien aus Dünn- und Dickdarmschleimhaut sowie Stuhlproben durchgeführt wurden.

Neben der klassischen Mikrobiomdiagnostik wurden auch moderne Verfahren wie die Metagenomik genutzt, um die Kolonisation und die Effekte auf die Genexpression einzuordnen. So zeigte sich, dass probiotische Stämme die Schleimhaut, wenn überhaupt, nur transient und in stark personenabhängigen Mustern besiedelten. Die Probanden konnten dabei in „permissive“ und „resistente“ Gruppen einsortiert werden, wobei permissive Typen die Besiedlung eher zuließen. Dennoch war die Kolonisation nicht anhaltend und sank signifikant auf das Ausgangsniveau zurück, sobald die Einnahme beendet wurde. Das bedeutet: „One-size-fits-all“-Probiotika sind funktionell problematisch. Ob und wie sie wirken, hängt stark von der individuellen Mukosabiologie und der vorhandenen Mikrobiota ab. Klassische Probiotika haben demnach möglicherweise nur einen geringfügigen langfristigen Nutzen.

Perspektivisch sprechen die Daten für personalisierte, mikrobielle Interventionen beziehungsweise eine Verbesserung der Anwendungen von Probiotika. Die tatsächliche Evidenz zu den Probiotika der ersten Generation ist also nicht so blumig, wie oft gerne angepriesen wird. Wie sieht es denn aber mit den Probiotika der zweiten Generation aus, die spezifischer wirken und besser zu verabreichen sein sollen?

Probiotika der zweiten Generation: Besser durch neue Technologien

Das Problem der ersten Generation – die teilweise schwankende Stabilität, besonders im trockenen Zustand, sowie die schlechte Ansiedlung – wird bei der zweiten Generation adressiert. Die Bakterien werden hier über moderne Verkapselungstechnologien besser konserviert und können sich daher eher ansiedeln. Die sporenbildenden Bakterien nutzen eben diese Technologie, was sie sehr resistent gegenüber der Magensäure macht und sie sich sozusagen im Darm selbst “wiederbeleben” können – dazu gleich mehr.

Strategien, um die Effektivität der klassischen Probiotika zu verbessern, sind beispielsweise die Mikroverkapselung, Mehrschicht-Kapseln, und magensaftresistente Kapseln. Dadurch können wir von dem recht unspezifischen “viel hilft viel, Hauptsache es kommt etwas an” abrücken und eine gezieltere Auswahl sinnvoller Stämme mit einer präziseren Dosis für das Therapieziel anvisieren – und wenn ein Stamm sich tatsächlich ansiedeln kann, können auch Therapieeffekte in Studien besser untersucht werden.

Saccharomyces boulardii

Die Hefe überlebt Magen- und Gallensäuren nämlich deutlich besser als viele bakterielle Probiotika und bleibt in simulierten Magen/Darm-Bedingungen auch nach Stunden noch lebensfähig4.

Als Beispiel wollen wir uns die Hefe S. boulardii anschauen (siehe auch Box). Sie wird besonders bei Diarrhö, beispielsweise antibiotika-assoziierter Diarrhö eingesetzt, und unterstützt bei der Eradikation von Helicobacter pylori und Clostridium difficile5. Eine weitere Besonderheit ist, dass die Vorteile von S. boulardii vorübergehend und unabhängig von der Besiedlung des Darms zu sein scheinen, wodurch sich die Wirkungsweise von anderen weit verbreiteten bakteriellen Probiotika unterscheidet. Das Ausbleiben einer Besiedlung scheint mit der erwähnten Bindung von Krankheitserregern als Mechanismus zur Verhinderung der Besiedlung durch Krankheitserreger (bspw. C. difficile, H. pylori) zusammenzuhängen.

Ein weiteres Paradebeispiel für die Probiotika der zweiten Generation sind sporenbildende Probiotika. Was genau diese können, erklären wir Dir jetzt.

Funktionsweise und Vorteile von Sporenbildnern

Sporenbildner haben im Gegensatz zu vielen anderen Bakterien den folgenden Weg zum Überleben gewählt: Sie bilden sogenannte Endosporen, die das bakterielle Genom mit einer Schutzhülle vor ungünstigen Lebensbedingungen wie Hitze oder Säure schützen. Verbessern sich die Lebensbedingungen wieder, erwecken die Sporen wieder zum Leben (genauer gesagt zum Wachstum). Die Sporenbildner entscheiden sich übrigens, ob sie einfach nur wieder mehr oder sogar bessere Sporen ausbilden. 

Sporenbildende Probiotika, wie es einige Bacillus-Arten sind, gelten als technologisch weiterentwickelte, hochstabile Formen klassischer Probiotika. Dank ihrer Sporenform überstehen sie Hitze, Sauerstoff und Magensäure im Magen-Darm-Trakt deutlich besser als viele klassische Laktobazillen/Bifidobakterien. Typische Beispiele sind Bacillus coagulans, z. B. der LSBC-Stamm6, Bacillus clausii und Bacillus subtilis PLSSC7.

Sporenbildner Bakterien

Existiert Evidenz für Sporenbildner bei Darmerkrankungen?

Verabreicht werden die inaktiven, “schlafenden” Sporen, damit sie sich in guten Konditionen wieder von selbst reaktivieren und im Dünn- und Dickdarm auskeimen. Zwar ist auch bei Sporenbildnern nicht sicher, dass diese sich dauerhaft ansiedeln. Es steht allerdings fest, dass die Sporenbildner besser im Darm ankommen und hier Enzyme zur Unterstützung der Verdauung produzieren können, antimikrobielle Stoffe zur Hemmung des Wachstums pathogener Keime bilden, und das Immunsystem beeinflussen, da sie von Makrophagen (Fresszellen) aufgenommen werden und dadurch Signalwege modulieren8.

So gibt es beispielsweise erste Evidenz zur Anwendung von B. coagulans LSBC bei der Behandlung des Reizdarmsyndroms9, wobei dieser Stamm die Symptome signifikant verbessern konnte. Auch die positive Veränderung der Darmmikrobiota von Reizdarmsyndrom-Patienten durch die Gabe von B. coagulans LSBC konnte in einer Studie gezeigt werden10.

Next-Generation Probiotika – Die Zukunft der therapeutischen Mikrobiota-Welt?

Als dritte Gruppe möchten wir Dir der Vollständigkeit halber noch die Next-Generation Probiotika vorstellen. Das ist eine neue Gruppe mit teils gezielt veränderten Mikroorganismen, die hoch spezifische Ansätze bieten.

Next-Generation Probiotika (NGP) sind im Gegensatz zur ersten Generation gezielt ausgewählte, meist erst durch moderne Mikrobiom-Analysen identifizierte Mikroorganismen. Sie sind oft strikt anaerob, also Organismen, die ohne Sauerstoff arbeiten und diesen auch nicht “vertragen”. Anders als klassische Lactobacillus/Bifidobacterium-Stämme sollen sie spezifische Mechanismen adressieren. In Studien wurden diese NGPs als Schlüsselfiguren des Mikrobioms identifiziert – so zeigen sie teils spezifische Gesundheits- bzw. Therapieeffekte.

Typische Kandidaten für die nächste Generation der Probiotika sind Akkermansia muciniphila, Faecalibacterium prausnitzii, Christensenella minuta, bestimmte Clostridien Cluster IV/XIVa (z. B. Anaerobutyricum, Roseburia), Bacteroides fragilis sowie weitere butyratbildende oder immunmodulierende Spezies.

Auch wenn diese Spezies einen hohen potenziellen Nutzen haben, sind sie teils noch nicht genug erforscht. Vor allem fehlt es an Daten zur Sicherheit sowie Langzeitstudien. Weiterhin sind die NGP sehr sensitiv gegenüber Sauerstoff und anderen Umweltfaktoren, weshalb der Einsatz sich aktuell noch schwierig gestaltet. Wir dürfen hier gespannt bleiben, was die Zukunft bringt: So könnte Akk. muciniphila ein Bestandteil der erweiterten Therapie einer Insulinresistenz oder eines Diabetes mellitus Typ 2 werden11.

Die Wahl des richtigen Probiotikums

Bei all den unterschiedlichen Generationen und Stämmen stellst Du Dir vielleicht die Frage: Woran erkennst Du ein sinnvolles Probiotikum – und welches passt zu Deiner Situation? Die folgenden Punkte sollen Dir dabei helfen, Produktangaben kritisch zu prüfen und Dir Deine Entscheidungsfindung zu erleichtern:

  • 1. Klar definierte Stämme bevorzugen

    Probiotische Effekte sind stammspezifisch: „Lactobacillus rhamnosus” sagt noch wenig aus, entscheidend ist die Kombination aus Art + Stammkennung (z. B. „L. rhamnosus GG“ oder „Bacillus coagulans LBSC“).

  • 2. Gezielte Auswahl an Probiotikastämmen statt „Allzweckmischung“

    Probiotika wirken nicht „für alles“ gleich gut. Eine wichtige Überlegung ist also: Wofür willst Du sie einsetzen?

    • Akute oder antibiotikaassoziierte Durchfälle: Wähle eher Stämme wie Saccharomyces boulardii oder bestimmte Lactobacillus/Bifidobacterium-Stämme aus Studien in genau solch einem Aufbau
    • Reizdarmsyndrom (RDS), Blähungen, funktionelle Beschwerden: Wähle Stämme, die in RDS-Studien getestet wurden (z. B. die beschriebenen sporenbildenden Bacillus Stämme)
    • SIBO (Dünndarmfehlbesiedlung): Ursache für SIBO kann unter anderem ein erhöhter pH-Wert des Verdauungssystems sein – einige Probiotika, unter anderem Bacillus coagulans, können den pH-Wert reduzieren (Lese auch SIBO-Guide – Symptome, Diagnose und Ernährung bei Dünndarmfehlbesiedlung)
    • Stoffwechselstörungen wie Insulinresistenz oder sehr spezifische Fragestellungen: Hier kommen eher kombinierte Strategien, bspw. Ernährung (Präbiotika) und ggf. Next-Generation Probiotika wie Akk. muciniphila infrage – reine „Breitbandmischungen“ sind dann selten die beste Wahl
  • 3. Qualität der Formulierung und Dosierung

    Für klassische Milchsäurebakterien sind magensaftresistente oder mehrfach verkapselte Präparate sinnvoll, damit die Bakterien überhaupt im Darm ankommen. Sporenbildner (z. B. Bacillus-Arten) und stabile Hefen wie S. boulardii brauchen weniger Schutz, dafür aber eine definierte Sporen- bzw. Zellzahl und gute Rohstoffqualität. Mehr Milliarden sind nicht automatisch besser: Entscheidend ist, dass die Dosierung zum untersuchten Bereich passt.

  • 4. Verträglichkeit

    Einige Bakterien können auch Stoffe bilden, die Deine Symptome unter Umständen verschlimmern können. Ein für viele problematischer Stoff ist Histamin, welches von vielen Probiotika gebildet werden kann (siehe zu Probiotika und Histamin auch unseren letzten Blogbeitrag). In genetischen Analysen dieser Bakterien kann getestet werden, wobei histaminfreundliche Zusammensetzungen oftmals extra gekennzeichnet sind. Auch Begleitstoffe können die Verträglichkeit der Probiotika beeinträchtigen, beispielsweise, wenn diese lange im Darm verbleiben und fermentiert werden, wobei Gase gebildet werden – das merkst Du dann anhand der auftretenden Blähungen.

Sind Probiotika sinnvoll nach Antibiotika?

Probiotika können nach einer Antibiotikatherapie sinnvoll sein. Das lässt sich allerdings nicht pauschal sagen. Antibiotika stören das Darmmikrobiom, und einige Probiotika können nachweislich das Risiko für antibiotikaassoziierte Durchfälle verringern und Beschwerden lindern. Untersucht sind unter anderem:

  • Saccharomyces boulardii (Hefe), z. B. Stamm CBS 59212
  • Alkalihalobacillus clausii 088AE13

Gleichzeitig zeigen neuere Studien, dass ein unspezifisches Standard Multistamm Probiotikum nach Antibiotika die natürliche Wiederherstellung der individuellen Darmflora sogar verzögern kann, während eine abwartende Strategie oder eine autologe Stuhltransplantation die ursprüngliche Mikrobiota schneller wiederherstellen zu vermögen. Praktisch heißt das: Wenn Du Probiotika nach einer Einnahme von Antibiotika nutzen willst, sollten sie aus klar definierten, gut untersuchten Stämmen bestehen.

Auch wenn Probiotika nach einer Antibiotikaeinnahme hilfreich sein können – sie ersetzen nicht die grundlegende Unterstützung durch eine richtige Ernährung und Ballaststoffe.

Sind sporenbildende Probiotika sicher?

Sporenbildende Probiotika gelten bei gesunden Menschen in der Regel als sicher – entscheidend ist immer der konkrete Stamm und die Qualität des Produkts. Bacillus-Stämme wie Bacillus coagulans (z. B. LBSC), Bacillus clausii oder Bacillus subtilis (z. B. PLSSC) werden gezielt ausgewählt, genetisch charakterisiert und auf Sicherheitsaspekte wie Toxin-Gene und problematische Antibiotikaresistenzen geprüft.

Seriöse Hersteller verwenden ausschließlich Stämme, deren Sicherheit in toxikologischen Tests, genomischen Analysen und – idealerweise – in Humanstudien bewertet wurde. Für Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem, schweren Grunderkrankungen, intensivmedizinischer Behandlung oder zentralvenösen Kathetern sollte der Einsatz von Probiotika – inklusive sporenbildender Stämme – immer mit der behandelnden Ärztin bzw. dem Arzt abgesprochen werden.

Zusammenfassung

Probiotika sollten Bestandteil eines jeden holistischen Behandlungskonzepts sein. Ein sinnvolles Probiotikum passt zu Deinem Ziel (z. B. Durchfall, RDS, begleitende Unterstützung einer Therapie), enthält klar definierte Stämme in passender Dosierung, ist technologisch sinnvoll formuliert und stammt von einem Hersteller, der transparent mit Studienlage und Sicherheit umgeht. Wenn Du diese Punkte im Hinterkopf behältst, wird aus der unübersichtlichen Probiotika-Landschaft ein deutlich klareres Feld – und die Auswahl fällt Dir leichter. Vergessen solltest Du außerdem nicht, dass die Ernährung und Deine Lebensgewohnheiten Deinen Darm und Deine Gesundheit wesentlich beeinflussen.


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easyPROBIO enthält keine histaminproduzierenden Bakterienstämme

Histaminfreundliche Probiotika bei funktionaler HIT

Probiotika bzw. Bakterienkomplexe erfreuen sich weiterhin steigender Beliebtheit. Nahrungsergänzungsmittel mit lebenden Bakterien werden häufig für eine bessere Verdauung, weniger Durchfall, weniger Blähungen oder eine allgemein verbesserte Darmgesundheit empfohlen und verschrieben.

Doch können Probiotika überhaupt einen Unterschied machen? Im Zusammenhang mit der Einnahme von Antibiotika haben wir die Antwort in einem früheren Blogartikel bereits geliefert. In diesem Beitrag gehen wir auf einen weiteren wichtigen Aspekt bei der Einnahme von Probiotika ein, der häufig vernachlässigt wird: Histaminunverträglichkeit (HIT). Denn viele Präparate können eine HIT auslösen oder verstärken. Wieso das ist und was bei der Auswahl der Präparate zu beachten ist, erfährst Du in diesem Beitrag. 

Hinweis: Wie immer sind die Informationen in unserem Artikel von uns selbst recherchiert und geschrieben – ohne Beteiligung von ChatGPT und Konsorten. Viel Spaß beim Lesen!

Welche unterschiedlichen Auslöser für HIT zu beachten sind

Histamin ist ein biogenes Amin und spielt bei allergischen Reaktionen eine tragende Rolle. Es tritt auch bei Pseudoallergien auf Medikamente oder Nahrungsmittelzusatzstoffe als Mediator in Erscheinung. Histamin kann neben diesen (pseudo)allergischen Reaktionen auch direkt über Nahrung in unseren Körper gelangen (zu den histaminreichen Lebensmitteln kommen wir gleich).

Es existieren zwei Enzyme, die Histamin wieder abbauen können:

  • Diaminoxidase (DAO) ist hauptsächlich am Abbau von Histamin beteiligt. Wie viele andere Enzyme wird DAO in den Darmschleithautzellen produziert – ist die Darmschleimhaut gestört, wird weniger DAO produziert, und Histamin lagert sich vermehrt im Blut ab.
  • Histamin-N-Methyltransferase (HNMT) baut Histamin hauptsächlich in der Leber, der Niere, im Bronchialschleimhaut und im Zentralnervensystem ab.

Ein DAO-Mangel kann genetische Ursachen haben (das lässt sich testen). Es kann allerdings einen sekundären, kausalen Grund für den DAO-Mangel geben, so z. B. entzündliche oder degenerative Darmerkrankungen. Auch bestimmte Medikamente können die Produktion von DAO mindern, ebenso wie in Kupfermangel (da Kupfer ein wichtiger Bestandteil von DAO ist).

Weil die Abbauenzyme DAO und HNMT das Histamin in unterschiedlichen Orten des Körpers abbauen, können die Symptome beim Fehlen oder bei einem Mangel eines dieser Enzyme unterschiedlich ausfallen.

Vorwiegend durch DAO-Mangel verursachte Symptome:

  • Flush / Gesichtsrötung 
  • Übelkeit
  • Kopfschmerzen
  • Hitzegefühl
  • Atemnot
  • Durchfall
  • Ekzeme der Haut
  • Rhinitis
  • Hypertonie
  • Colitis
  • Asthma

Vorwiegend durch HNMT-Mangel verursachte Symptome:

  • Unruhe
  • Muskelzuckungen
  • Schlafstörungen
  • Müdigkeit
  • Schwindel
  • Angstzustände

HIT kann Nahrungsunverträglichkeiten auslösen

Histamin entsteht in solchen Lebensmitteln, in denen bakterielle Enzyme in der Nahrung enthaltenes Histidin umwandeln. Mit zunehmender Lagerungsdauer der Lebensmittel steigt auch deren Histamingehalt. Zudem ist Histamin sehr stabil und kann weder durch Tiefkühlen noch durch Erhitzen zerstört werden.

Liegt nun ein DAO-Mangel vor, kann der Verzehr histaminreicher Lebensmittel zu den genannten Symptomen führen – es liegt für viele Betroffene auf der Hand, histaminreiche Lebensmittel zu vermeiden. Darüber hinaus sind auch auf solche Lebensmittel und Alkohol zu achten, die die Freisetzung von körpereigenem Histamin fördern.  Diese Lebensmittel werden deswegen Histaminliberatoren genannt. Dazu zählen beispielsweise Zitrusfrüchte, Erdbeeren, Schalentiere, Tomaten, Kakao und Hülsenfrüchte. 

Große Mengen Histamin finden sich in Lebensmitteln, die mit Hilfe von Bakterien- oder Hefekulturen hergestellt oder genießbar gemacht werden, wie:

  • Sojasauce
  • alte Käsesorten
  • Bier, Wein oder Sekt
  • verarbeitete Fleisch- oder Fischprodukte und sämtliche Wurstwaren
  • durch Gärung entstandene Lebensmittel wie Sauerkraut und milchsauer eingelegtes Gemüse
  • Spinat, Aubergine, Avocado, Steinpilze und Morcheln
  • marinierte Lebensmittel (Essig)
  • Fertiggerichte mit tierischen Bestandteilen
  • Fast-Food
  • aufgewärmte Speisen mit hohem Eiweißanteil
Histamin kommt in vielen Lebensmitteln, vor allem Käse, Alkohol, und auch Tomaten vor.

Eine sehr gute Übersicht zum Histamingehalt von Lebensmitteln und auch Histaminliberatoren gibt es von Schweizerische Interessengemeinschaft Histamin-Intoleranz (SIGHI). Nicht immer verursachen die Lebensmittel die gleichen starken bzw. schwachen Reaktionen; HIT-Betroffene können unterschiedlich auf dieselben Lebensmittel reagieren. Deswegen sollten Betroffene immer zuerst individuell testen. 

Der Einsatz probiotischer Präparate bei HIT

Ist der DAO-Mangel reversibel, da nicht genetisch, sondern funktional bedingt, sollte die Ursache gefunden werden. Wie bereits erwähnt kommen (chronisch-entzündliche) Darmerkrankungen als Ursache für Lebensmittelintoleranzen, Allergien und auch HIT immer als Ursache in Frage. Häufig kommen bei der Behandlung von Darmerkrankungen wie Reizdarm oder SIBO die eingangs beschriebenen Probiotika zum Einsatz.

Bei der Auswahl der Produkte kommt es leider häufig zu einem folgenschweren Fehler für die Betroffenen. Denn wie Bakterien durch Fermentation für den hohen Histamingehalt in Lebensmitteln wie alter Käse, Sauerkraut und Sojasauce sorgen, können auch in Probiotika enthaltene Bakterienstämme Histamin produzieren.  

Für Menschen mit Histaminempfindlichkeit oder Mastzellenproblematik ist daher entscheidend, welche spezifischen Stämme in einem Probiotikum verwendet werden – denn die histaminbildende Fähigkeit ist stammspezifisch, nicht artspezifisch. Deswegen ist es wichtig für alle Betroffenen, bei denen eine funktionale HIT vorliegt, sowie eine Darmerkrankung ursächlich ist und behandelt werden soll, auf die richtige Auswahl geeigneter Präparate zu schauen.

Alkalihalobacillus clausii MCC0538, Bacillus subtilis ATCC SD-7280, Bacillus coagulans DSM 17654 sowie Saccharomyces boulardii SBSC

Bei der Entwicklung unseres Bakterienkomplexes easyPROBIO haben wir diesen Ansatz verfolgt: Besitzen die für den Darm und die Verdauung ausgesuchten Bakterien Gene, die Histaminproduktion ermöglichen? Und produzieren diese Bakterien Histamin auch unter den vorliegenden Bedingungen?

Unsere vier spezialisierten Mikroorganismen (Alkalihalobacillus clausii MCC0538, Bacillus subtilis ATCC SD-7280, Bacillus coagulans DSM 17654 sowie Saccharomyces boulardii SBSC) wurden umfassend genetisch und funktionell charakterisiert.

Das Ergebnis: Keiner dieser Stämme besitzt den für die Histaminbildung verantwortlichen Stoffwechselweg (Histidindecarboxylase) und unter Laborbedingungen entsteht kein nachweisbares Histamin bzw. keine biogenen Amine.

Unsere Stämme wurden nach strengen Kriterien ausgewählt:

  • ✅ Bacillus clausii MCC0538 (088AE)

    • Vollständig sequenziertes Genom; geprüft auf biogene-Amine-Gene
    • Keine Histidindecarboxylase nachweisbar
    • Keine Histaminbildung in Sicherheits- und Funktionsprüfungen
  • ✅ Bacillus subtilis ATCC SD-7280 (PLSSC)

    • Genomweite Suche nach decarboxylierenden Enzymen
    • Histaminbildende Gene nicht vorhanden
    • Einzig gefundene Aminosäure-Decarboxylase (Arginin-Decarboxylase) ist nicht funktionsfähig – im Labortest werden keine biogenen Amine gebildet
  • ✅ Bacillus coagulans DSM 17654 (LBSC)

    • Genom und Stoffwechselwege vollständig analysiert
    • Keine histaminbildenden Gene identifizierbar
    • LC-MS/MS-Analysen zeigen keine messbare Histamin- oder BA-Produktion unter BA-induzierenden Bedingungen
  • ✅ Saccharomyces boulardii SBSC

    • S. boulardii ist genetisch nahezu identisch mit Saccharomyces cerevisiae – diese Hefe besitzt natürlicherweise keine Histidindecarboxylase und bildet kein Histamin
    • In Studien wird S. boulardii häufig im Kontext histaminfreundlicher oder DAO-unterstützender Regime eingesetzt, weil die Hefe keinen Beitrag zur mikrobiellen Histaminlast leistet
    • Unser Stamm SBSC ist zuverlässig nicht-histaminbildend

Zusammenfassung

Probiotika können zur Unterstützung des Darms und als Teil eines Behandlungsprotokolls zum Einsatz kommen. Allerdings können Präparate mit Bakterienstämmen, die nachweislich die Produktion von Histamin fördern, bestehende Symptome aufrechterhalten oder sogar verstärken. Deswegen ist insbesondere bei bekannter Histaminintoleranz darauf zu achten, Präparate mit Bakterienstämmen zu wählen, die nachweislich kein Histamin produzieren oder freisetzen.


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Abnehmspritze und Darmgesundheit Wie das Sättigungshormon GLP-1 unser Verdauungssystem beeinflusst

Abnehmspritze und Darmgesundheit: Wie das Sättigungshormon GLP-1 unser Verdauungssystem beeinflusst

Außer Corona-Impfstoffe vielleicht haben in den vergangenen Jahren wenige Medikamente so viel Aufmerksamkeit bekommen wie dieses: die Abnehmspritze. Seitdem Ozempic in den USA für viel Aufmerksamkeit gesorgt hat, sind die Spritzen zum Abnehmen mittlerweile auch bei uns populär. In diesem Blogbeitrag erfährst Du die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Wirkmechanismus der Abnehmspritzen, sowie ihre Nebenwirkungen, und was das Ganze mit unserer Darmgesundheit und Verdauung zu tun hat. (Auch wenn Du keine Abnehmspritze nimmst lohnen sich die Informationen in diesem Beitrag 😊.)

Hinweis: Wie immer sind die Informationen in unserem Artikel von uns selbst recherchiert und geschrieben – ohne Beteiligung von ChatGPT und Konsorten. Viel Spaß beim Lesen!

GLP-1 und GLP-1-Rezeptoragonisten: Was bewirken die Abnahmespritzen in unserem Körper?

Abnehmspritzen wie Ozempic wirken über Regulierung des Hormons GLP-1 und den GLP-1-Rezeptoragonisten. GLP-1 ist ein kleines, aber mächtiges Hormon, das unser Körper im Darm selbst herstellt, sobald wir etwas essen. Dieses Hormon entscheidet letzten Endes darüber, ob wir weiter essen oder nicht. 

GLP-1 nimmt quasi die Rolle eines Türstehers ein, der dem Magen sagt: “Ganz locker, das Essen darf rein!”. Dabei sorgt GLP-1 dafür, dass unser Blutzucker nicht Achterbahn fährt, indem es Insulin ausschüttet und das Gegenspielerhormon Glukagon bremst. Durch eine verlangsamte Magenentleerung fühlen wir uns zudem länger satt und denken nicht sofort an die nächste Mahlzeit – zumindest sollte dies so sein.

Die medikamentöse Anwendung von GLP-1-Rezeptoragonisten wird zunehmend in der Therapie von Typ-2-Diabetes und Übergewicht eingesetzt. Parallel dazu mehren sich wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Auswirkungen auf die Darmgesundheit sowie zu gastrointestinalen Nebenwirkungen.

Das Hormon GLP-1 hat die Funktion eines Türstehers

Wie GLP-1 die Verdauung zum Stillstand bringt

GLP-1 erteilt unserem Magen die Anweisung, dass er sich mit der Verarbeitung des Essens Zeit nehmen soll. Der Speisebrei verweilt damit länger im Magen. Das bringt den Vorteil mit sich, dass der Blutzucker nur langsam und nicht plötzlich ansteigt. Als Folge hält unser Sättigungsgefühl länger an und wir denken nicht gleich schon wieder an die nächste Mahlzeit.

Fun Fact: Unser körpereigenes GLP-1 ist ziemlich kurzlebig; quasi der Partygast, der schon nach wenigen Minuten wieder geht. Medikamente halten länger durch und kümmern sich (manchmal zu) intensiv um Magen und Darm.

Allerdings kann dieser Mechanismus auch einen Nachteil mit sich bringen: Manchmal bockt unser Magen und folgt der Anweisung von GLP-1 nur widerwillig. Diese Wiederwilligkeit teilt uns unser Magen gerne mit unangenehmen Symptomen wie Übelkeit, Bauchweh, Durchfall oder Verstopfung mit.

Diese Nebenwirkungen sind häufig auch der “kleine Preis” zu Anfang der Therapie mit dem GLP-Rezeptoragonisten, den einige Patienten für die gute Figur zahlen – der “große Preis” liegt bei rund 300 bis 400 Euro pro Monat immer noch in der Spritze selbst.

Gastrointestinale Nebenwirkungen der GLP-1-Therapie

In klinischen Studien und metaanalytischen Übersichten sind Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung und Bauchschmerzen die häufigsten Nebenwirkungen von GLP-1-Rezeptoragonisten. Diese Symptome treten insbesondere in den ersten Therapiewochen auf und können bei manchen Patienten sogar zu einer Therapieintoleranz führen.

Darüber hinaus ist das Risiko für seltene, aber schwerwiegende Komplikationen wie Pankreatitis und Magenentleerungsstörungen erhöht. Eine große Kohortenstudie fand zudem eine erhöhte Inzidenz gastroösophagealer Refluxerkrankungen (GERD) unter GLP-1-Agonisten-Patienten, was auf die verzögerte Verdauung und den damit verbundenen Rückfluss von Magensäure zurückzuführen ist.

Da die Halbwertszeit des körpereigenen GLP-1 nur wenige Minuten beträgt, kommen langwirksame GLP-1-RA zum Einsatz, die jedoch diese Effekte in verlängerter Form unterhalten. Die Langzeitsicherheit mit Blick auf das Pankreaskarzinom oder Tumorrisiken ist weiterhin Gegenstand aktueller Forschung.

Abnehmspritze und Auswirkungen auf die Darmgesundheit

Deine Verdauung stärken – mit oder ohne Abnehmspritze

  • Verdauungsenzyme und Probiotika: Die stillen Helfer

    Durch die verlangsamte Magenentleerung leidet unter Umständen die Verdauung. Dies kann sich in einer reduzierten Verdauungseffizienz niederschlagen. Unterstützende Maßnahmen wie die Einnahme von Verdauungsenzymen (Lipase, Amylase, Protease) können helfen, Symptome wie Blähungen, Völlegefühl und Durchfall zu mildern.

    Bakterienkomplexe können ebenfalls zum parallelen Einsatz kommen, weil sie wie kleine Hausmeister dafür sorgen, dass das Mikrobiom im Gleichgewicht bleibt, und eine normale Darmfunktion unterstützen.

  • Ballaststoffe: Ein natürlicher Booster für das Hormon GLP-1

    Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht sind Ballaststoffe ein natürlicher und gut untersuchter Stimulator des körpereigenen GLP-1. Ballaststoffe werden im Dickdarm von Darmbakterien fermentiert, wobei kurzkettige Fettsäuren (SCFA) wie Butyrat gebildet werden. Diese Fettsäuren “sprechen” mit unseren Darmzellen und fördern die Bildung von GLP-1.

    Um einen möglichen Effekt außerhalb des Verdauungstrakts zu erzielen, muss der Abbau der Ballaststoffe auch am Ende des Enddarms stattfinden. Von dort können die SCFAs den ganzen Körper erreichen, ohne durch die Leber zu müssen. Eine Kombination aus schnell- sowie langsam fermentierbaren Ballaststoffen scheint hier das beste Mittel der Wahl zu sein.

Schlussfolgerung: GLP-1 und Darmgesundheit – Chancen und Herausforderungen

GLP-1-Agonisten sind therapeutisch sehr wirksam bei Diabetes und Adipositas, ihre Wirkmechanismen greifen jedoch tief in die Darmfunktion ein. Gastrointestinale Nebenwirkungen werden häufig beobachtet, können aber durch angepasste Ernährung – vorrangig eine ballaststoffreiche Kost – und gegebenenfalls unterstützende Maßnahmen wie Verdauungsenzyme und Bakterienkomplexe beeinflusst werden. Die Rolle des Darmmikrobioms und der SCFA in der natürlichen GLP-1-Ausschüttung eröffnet zudem interessante Perspektiven für begleitende, nichtmedikamentöse Maßnahmen.

Referenzen (Englisch)

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