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SACCHAROMYCES BOULARDII bei Reizdarm und SIBO

Saccharomyces boulardii – Die probiotische Hefe bei Durchfall, Reizdarmsyndrom und Antibiotikabehandlung

Probiotika sind Bakterien, die verabreicht werden, um die Darmflora anzureichern … Moment mal, Saccharomyces boulardii ist doch gar kein Bakterium, sondern eine Hefe und die probiotische Hefe bleibt auch gar nicht im Darm, sondern wird wieder ausgeschieden. Wie kann S. boulardii dann eigentlich positive Effekte auf den Darm und das dort ansässige Mikrobiom haben?

Mehr zu zwei interessanten Sporenbiotika findest Du in unseren Artikeln zu Bacillus subtilis und Bacillus coagulans.

Hinweis: Wie immer sind die Informationen in unserem Artikel von uns selbst recherchiert und geschrieben – ohne Beteiligung von ChatGPT und Konsorten. Viel Spaß beim Lesen!

Was ist Saccharomyces boulardii – und warum ist eine Hefe ein Probiotikum?

Saccharomyces boulardii ist eine Hefe, die von dem Wissenschaftler Henri Boulard in den 1920ern entdeckt wurde. Dieser hat den Hefepilz ursprünglich aus den Schalen der Mangostanfrucht (siehe Bild) isoliert. Hefen sind einzellige Pilze – Schimmelpilze und S. boulardii gehören also beide ins Reich der Pilze. Sie haben sonst recht wenig miteinander zu tun: während S. boulardii ein nützlicher Hefepilz ist, ist Schimmelpilz ein schädlicher Fadenpilz.

Saccharomyses boulardii wurde aus der Mangostanfrucht isoliert

Wusstest Du, dass die Bäckerhefe – Saccharomyces cerevisiae – der gleichen Art angehört? Natürlich handelt es sich hier um einen anderen Stamm mit anderen Eigenschaften, aber die beiden Stämme sind verwandt.

Im Gegensatz zu den sporenbildenden Probiotika, die wir Dir in vergangenen Artikeln vorgestellt haben, ist Saccharomyces boulardii kein Sporenbildner und daher nicht ganz so stabil. S. boulardii ist stabiler als viele andere Probiotika bei der Passage durch den Magen, bei einem pH-Wert von 1-2 geht auch S. boulardii zum Teil kaputt.1 Deshalb gilt die Regel, die Einnahme mit dem Essen zu kombinieren, da hier der pH-Wert höher liegt. S. boulardii ist außerdem bis zu einer Temperatur von etwa 37 °C optimal aktiv – was genau der menschlichen Körpertemperatur entspricht.

Warum ist S. boulardii nun eine nützliche Hefe und zählt damit zu den Probiotika? Tatsächlich gibt es mehrere Faktoren, die S. boulardii besonders machen:

  • 1. Transiente Besiedlung wie bei den Bacillus-Arten

    Auch S. boulardii siedelt sich nicht dauerhaft im Darm an – ähnlich wie B. subtilis und B. coagulans handelt es sich um eine transiente Besiedlung. Das bedeutet: Nach Absetzen der Einnahme ist die Hefe innerhalb weniger Tage nicht mehr im Stuhl nachweisbar.2 Das klingt zunächst nach einem Nachteil, ist aber keiner – denn S. boulardii entfaltet seine positiven Effekte bereits während der Passage durch den Darm, unter anderem durch die Produktion von Substanzen, die das Darmmilieu und die Zusammensetzung der Darmflora nachhaltig beeinflussen können. Das Problem bei anderen Probiotika ist oft, dass diese sich im Darmmikrobiom anreichern und potenziell selbst zu einer Dysbiose führen können, wenn sie Überhand nehmen – beziehungsweise zu SIBO (Small Intestinal Bacterial Overgrowth), wenn sie sich schon im Dünndarm ansiedeln. S. boulardii übt seinen probiotischen Effekt vor allem über die Produktion von bestimmten Substanzen aus – mehr dazu später.

  • 2. Von Natur aus resistent gegen Antibiotika

    Der nächste Vorteil von S. boulardii ist die natürliche Resistenz gegen Antibiotika, da diese nicht gegen Hefe wirken. Damit ist es eines der wenigen Probiotika, die auch während einer antibiotischen Therapie gegeben werden können – was ein komplett neues Anwendungsgebiet eröffnet. S. boulardii wird beispielsweise während der antibiotischen Therapie gegen H. pylori angewendet oder während anderer antibiotischer Therapien zur Verhinderung einer Clostridioides difficile-Überwucherung, einer typischen Nebenwirkung von Antibiotika. Diese Effekte übt es, wie erwähnt, vor allem über die Substanzen aus, die S. boulardii im Darm produziert. 

Was produziert Saccharomyces boulardii im Darm?

S. boulardii ist in seiner Wirkungsweise ziemlich einzigartig unter den Probiotika – und das liegt vor allem daran, dass es als Hefe ganz andere Stoffklassen produziert als Bakterien. Vier Klassen stechen dabei besonders hervor.

  • #1 Proteasen und Phosphatasen – Zerstörung pathogener Keime

    S. boulardii sezerniert spezifische Proteasen und Phosphatasen – das sind Enzyme; darunter eine 54-kDa-Serinprotease, die aktiv die Toxine von Clostridioides difficile abbaut; sowie eine 63-kDa-Phosphatase, die die Endotoxine pathogener Escherichia coli zerstört. Durch die direkte Neutralisierung dieser schädlichen Proteine verhindert die Hefe, dass sie an die Rezeptoren der Darmschleimhaut binden können. Das ist besonders relevant bei Durchfall, der durch krankmachende Keime oder deren Giftstoffe ausgelöst wird; und erklärt, warum S. boulardii auch begleitend zu Antibiotikatherapien eingesetzt wird, bei denen das Risiko für Clostridioides difficile-Infektionen erhöht ist – mehr zu der Effektivität weiter unten.3

  • #2 Polyamine – der Darmreifungsfaktor

    S. boulardii kann Polyamine synthetisieren und freisetzen sowie die Aktivität intestinaler Verdauungsenzyme steigern und die Aktivität von Nährstofftransportsystemen hochregulieren. Bei den Polyaminen handelt es sich um Moleküle wie Spermidin und Spermin, die in allen lebenden Organismen vorkommen und eine wichtige Rolle bei Zellwachstum und Gewebereifung spielen. Lyophilisiertes S. boulardii CNCM I-745 enthält messbare Mengen der biogenen Polyamine Spermin, Spermidin und Putrescin. Die Verabreichung an Ratten erhöhte die Spermin- und Spermidinkonzentrationen in der Jejunalschleimhaut signifikant und steigerte dabei auch die Aktivität von Verdauungsenzymen wie Sucrase und Maltase.4 Für den Darm bedeutet das: S. boulardii unterstützt nicht nur die Verdauung, sondern fördert aktiv die Erneuerung der Darmschleimhaut. Das ist besonders an dem Stamm S. boulardii CNCM I-745 beobachtet worden sowie bei einem speziellen, veränderten Stamm, der Polyamine überproduziert.5

  • #3 Sekretorisches IgA – die Immunbarriere

    Durch die Aktivierung von dendritischen Zellen und Toll-like-Rezeptoren (TLR-2/4) fördert S. boulardii die intestinale Sekretion von IgA und reguliert überschießende Entzündungsreaktionen. Sekretorisches IgA (sIgA) ist der wichtigste Antikörper der Darmschleimhaut – er bildet gewissermaßen eine Schutzschicht gegen eindringende Krankheitserreger. Dieser Mechanismus ist besonders interessant bei Menschen, die nach Antibiotikagabe oder in Stressphasen eine geschwächte Darmbarriere haben, und ist daher weiterhin Gegenstand aktueller Forschung.3,6

  • #4 Tight Junction-Proteine – der Barriereeffekt

    S. boulardii kann die Expression von Entzündungsfaktoren modulieren und die Integrität der gastrointestinalen Mukosabarriere erhalten, indem es die Sekretion von Tight-Junction-Proteinen fördert und direkt an Pathogene bindet, wodurch deren Wechselwirkung mit intestinalen Epithelzellen gehemmt wird. Tight Junctions sind die molekularen “Verbindungsstücke” zwischen den Zellen der Darmschleimhaut: Sind sie intakt, können Krankheitserreger und Toxine nicht unkontrolliert in den Körper eindringen. Hierzu gab es einige Tierstudien mit Modellen der ulzerativen Kolitis, einer Darmschleimhautentzündung. So konnte gezeigt werden, dass die Gabe von S. boulardii die Barriereproteinlevel erhöhen konnte, vermutlich auch über eine Hemmung des NF-κB Signalwegs, ein prominenter Entzündungsweg.7 Auch mit abgetöteten S. boulardii Hefen war das der Fall in einem Mausmodell.8

Zusammengefasst wirkt S. boulardii also auf mehreren Ebenen gleichzeitig: Es neutralisiert aktiv Giftstoffe, fördert die Darmschleimhaut, stärkt die Immunabwehr der Schleimhaut und schützt die physische Barriere des Darms. Wie sich das in konkreten klinischen Studien beim Menschen niederschlägt, erfährst Du im nächsten Abschnitt.

Durchfall, Reizdarm, Antibiotika: Kann Saccharomyces boulardii helfen?

Zu S. boulardii besteht tatsächlich einiges an Evidenz zur Wirksamkeit, besonders bei Durchfällen und Antibiotika-Einnahme. Das hat zum Hintergrund, dass es auch bereits Over-the-Counter-Arzneimittel (Medikamente, die man ohne Rezept in der Apotheke kaufen kann) mit dem Stamm Saccharomyces boulardii CNCM I-745 gibt. Oft sind Studien also zu diesem Stamm, allerdings wurden auch andere Stämme untersucht.

In der folgenden Übersicht gehen wir auf die wichtigsten Anwendungsgebiete ein:

Probiotika und Sporenbilder für Darmgesundheit
  • S. boulardii bei Reisedurchfall und akutem Durchfall

    Hier ist die Evidenzlage am stärksten – bei akutem Durchfall. So gibt es tatsächlich mehrere Meta-Analysen zu dem Thema: Hierbei werden mehrere klinische Studien zusammen bewertet, wodurch eine stärkere Aussage zur Effektivität getroffen werden kann. Eine ältere Meta-Analyse von 2010 zeigte einen deutlich signifikanten Effekt zur Prävention von Reisedurchfall sowie Antibiotika-assoziiertem Durchfall – mit einer Dosis von 250-1000 mg pro Tag für Reisedurchfall-Vorbeugung.9

    Eine andere Meta-Analyse untersuchte den Effekt von mehreren Probiotika-Stämmen, konnte jedoch nur bei Saccharomyces boulardii einen signifikanten Effekt zur Vorbeugung von Reisedurchfall aufzeigen.10

  • Antibiotika-assoziierter Durchfall – hilft S. boulardii?

    Wie bereits erklärt, ist S. boulardii das einzige Probiotikum, das begleitend zu einer Antibiotikabehandlung eingenommen werden kann, ohne durch das Antibiotikum selbst abgetötet zu werden. Das macht es für diesen Anwendungsbereich grundsätzlich besonders interessant. Aber was sagen klinische Studien konkret?

    Auf der positiven Seite stehen eine Reihe randomisierter kontrollierter Studien sowie einige Meta-Analysen, die einen schützenden Effekt von S. boulardii gegenüber Antibiotika-assoziiertem Durchfall zeigen konnten. Besonders gut belegt ist dabei der Einsatz bei Durchfall im Zusammenhang mit Helicobacter pylori-Eradikationstherapien – einer der nebenwirkungsreichsten Antibiotikatherapien überhaupt, bei der S. boulardii in mehreren Studien Häufigkeit und Schwere von Durchfällen signifikant reduzieren konnte und das Outcome der Antibiotika-Therapie verbessern konnte.11 Eine Meta-Analyse konnte konkret auch eine Reduktion von Clostridioides difficile bedingtem Durchfall zeigen, die jedoch nur bei der Anwendung bei Kindern signifikant war.12

    Auf der anderen Seite steht eine große deutsche Multizenterstudie, die S. boulardii bei hospitalisierten erwachsenen Patienten unter systemischer Antibiotikatherapie in 15 Krankenhäusern untersuchte.13 Das Ergebnis war eindeutig: Kein signifikanter Unterschied zwischen S. boulardii und Placebo beim Auftreten von Antibiotika-assoziiertem Durchfall. Die Autoren schlussfolgern, dass die Wirkungsmechanismen von Probiotika insgesamt noch besser verstanden werden müssen, bevor weitere Studien durchgeführt werden.

    Was erklärt diesen Widerspruch? Wahrscheinlich spielt es eine entscheidende Rolle, bei welcher Patientengruppe S. boulardii eingesetzt wird. Die deutsche Studie schloss eine relativ gesunde, gemischte Patientengruppe ohne spezifische Risikofaktoren für Antibiotika-assoziierten Durchfall ein – und die Durchfallrate war in beiden Gruppen ohnehin sehr niedrig. Andere, positive Studien untersuchten dagegen häufig gezielt Hochrisikogruppen oder spezifische Antibiotikaregime. Das deutet darauf hin, dass S. boulardii möglicherweise vor allem dort einen Nutzen entfaltet, wo das Risiko für Antibiotika-assoziierten Durchfall ohnehin erhöht ist – etwa bei langen oder intensiven Antibiotikabehandlungen, bei älteren Patienten oder nach vorausgegangenen Darmproblemen.

  • S. boulardii bei Reizdarmsyndrom (RDS) und SIBO

    Das Reizdarmsyndrom (RDS) äußert sich in chronischen Beschwerden wie Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung ohne klare organische Ursache. Eine Unterform ist das Durchfall-dominante Reizdarmsyndrom (RDS-D), für das die Datenlage zu S. boulardii am vielversprechendsten ist.

    Eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie mit 67 RDS-Patienten zeigte, dass die Gesamtverbesserung der Lebensqualität in der S. boulardii-Gruppe deutlich stärker war als unter Placebo (15,4 % vs. 7,0 %).14 Bei einzelnen Symptomen wie Stuhlfrequenz und -konsistenz zeigte sich hingegen kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen. Die Lebensqualität verbesserte sich also messbar, einzelne Symptome reagieren weniger einheitlich.

    Besonders interessant ist der Einsatz bei RDS-D mit gleichzeitiger bakterieller Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO): Eine Pilotstudie aus 2023 untersuchte 54 Patienten mit RDS-D und nachgewiesenem SIBO.15 Der RDS-Symptom-Score sank in der S. boulardii-Gruppe um 134 Punkte, in der Kontrollgruppe nur um 93 Punkte. Der Anteil der Patienten mit Durchfall war in der S. boulardii-Gruppe mit 25,9 % zudem geringer als in der Vergleichsgruppe mit 47,6 %. Es handelt sich dabei um eine Pilotstudie mit offenem Design – die Ergebnisse sind also als erste Hinweise zu verstehen, nicht als abschließender Beweis.

Fazit: Saccharomyces boulardii – ein ganz besonderes Probiotikum zur Symptomkontrolle

Saccharomyces boulardii ist unter den Probiotika eine echte Besonderheit – nicht nur weil es eine Hefe und kein Bakterium ist, sondern weil es dadurch ganz eigene Stärken mitbringt. Die natürliche Antibiotikaresistenz macht es zum einzigen Probiotikum, das während einer Antibiotikabehandlung sinnvoll eingesetzt werden kann. Die Evidenz zur Vorbeugung von Reisedurchfall ist ziemlich stark und bei Antibiotika-assoziiertem Durchfall – besonders bei Hochrisikogruppen und intensiven Therapien wie der H. pylori-Eradikation – zeigt es ebenfalls einen klinisch relevanten Nutzen. Für das Durchfall-dominante Reizdarmsyndrom, vor allem in Kombination mit SIBO, liefern erste Studien vielversprechende Hinweise, die noch weiter bestätigt werden müssen. S. boulardii scheint also besonders bei durchfallbetonten Erkrankungen einen Nutzen zu zeigen.

FAQ

  1. Was kann S. boulardii, was B. subtilis und B. coagulans nicht können?
    Der entscheidende Unterschied: S. boulardii ist eine Hefe und daher von Natur aus resistent gegen Antibiotika. Das macht es zum einzigen Probiotikum, das während einer Antibiotikabehandlung eingenommen werden kann, ohne abgetötet zu werden – ein Anwendungsbereich, für den B. subtilis und B. coagulans trotz ihrer Sporenresistenz nicht geeignet sind, da Antibiotika auch gegen Bakterien in Sporenform wirken können. Darüber hinaus produziert S. boulardii als Hefe andere Wirkstoffe als Bakterien – darunter spezifische Enzyme, die bakterielle Toxine direkt abbauen.

  2. Wie lange sollte man S. boulardii einnehmen?
    Das hängt vom Anwendungsbereich ab. Zur Vorbeugung von Reisedurchfall empfiehlt sich die Einnahme ab fünf Tagen vor Reisebeginn bis zum Ende der Reise. Begleitend zu einer Antibiotikabehandlung sollte S. boulardii für die gesamte Dauer der Therapie eingenommen werden. Bei RDS oder allgemeinen Verdauungsbeschwerden deuten Studien auf Behandlungszeiträume von vier bis sechs Wochen hin. Da S. boulardii den Darm nur transient besiedelt, verlässt es das System nach Absetzen innerhalb weniger Tage wieder. Grundsätzlich kann es auch länger eingenommen werden.

  3. Ist S. boulardii sicher?
    In geprüften Stämmen und üblichen Dosierungen gilt S. boulardii als gut verträglich und sicher. Eine Ausnahme bilden stark immungeschwächte Personen – etwa während Chemotherapie oder unter Immunsuppressiva – da Hefen in sehr seltenen Fällen bei diesen Patientengruppen systemische Infektionen auslösen können. In diesem Fall sollte die Einnahme immer mit einem Arzt oder einer Ärztin abgestimmt werden.

Referenzen (Englisch)
  1.  Graff, S., Chaumeil, J. C., Boy, P., Lai-Kuen, R., & Charrueau, C. (2008). Influence of pH conditions on the viability of Saccharomyces boulardii yeast. The Journal of general and applied microbiology, 54(4), 221–227. https://doi.org/10.2323/jgam.54.221
  2. Elmer, G. W., McFarland, L. V., Surawicz, C. M., Danko, L., & Greenberg, R. N. (1999). Behaviour of Saccharomyces boulardii in recurrent Clostridium difficile disease patients. Alimentary pharmacology & therapeutics, 13(12), 1663–1668. https://doi.org/10.1046/j.1365-2036.1999.00666.x
  3.  Kelesidis, T., & Pothoulakis, C. (2012). Efficacy and safety of the probiotic Saccharomyces boulardii for the prevention and therapy of gastrointestinal disorders. Therapeutic advances in gastroenterology, 5(2), 111–125. https://doi.org/10.1177/1756283X11428502
  4.  Moré, M. I., & Vandenplas, Y. (2018). Saccharomyces boulardii CNCM I-745 Improves Intestinal Enzyme Function: A Trophic Effects Review. Clinical medicine insights. Gastroenterology, 11, 1179552217752679. https://doi.org/10.1177/1179552217752679
  5. Parweez, F., Palou, R., Li, R., Kadhim, L., MacMillan, H., Tyers, M., & Liu, X. J. (2025). Engineered spermidine-secreting Saccharomyces boulardiienhances olfactory memory in Drosophila melanogaster. Frontiers in neuroscience, 19, 1628160. https://doi.org/10.3389/fnins.2025.1628160
  6. Generoso, S. V., Viana, M. L., Santos, R. G., Arantes, R. M., Martins, F. S., Nicoli, J. R., Machado, J. A., Correia, M. I., & Cardoso, V. N. (2011). Protection against increased intestinal permeability and bacterial translocation induced by intestinal obstruction in mice treated with viable and heat-killed Saccharomyces boulardii. European journal of nutrition, 50(4), 261–269. https://doi.org/10.1007/s00394-010-0134-7
  7. Gao, H., Li, Y., Sun, J., Xu, H., Wang, M., Zuo, X., Fu, Q., Guo, Y., Chen, Z., Zhang, P., Li, X., Wang, N., Ye, T., & Yao, Y. (2021). Saccharomyces boulardiiAmeliorates Dextran Sulfate Sodium-Induced Ulcerative Colitis in Mice by Regulating NF-κB and Nrf2 Signaling Pathways. Oxidative medicine and cellular longevity, 2021, 1622375. https://doi.org/10.1155/2021/1622375
  8. Jin, Y., Wu, J., Huang, K., & Liang, Z. (2024). Heat-Killed Saccharomyces boulardii Alleviates Dextran Sulfate Sodium-Induced Ulcerative Colitis by Restoring the Intestinal Barrier, Reducing Inflammation, and Modulating the Gut Microbiota. Nutrients, 16(5), 702. https://doi.org/10.3390/nu16050702
  9. McFarland L. V. (2010). Systematic review and meta-analysis of Saccharomyces boulardii in adult patients. World journal of gastroenterology, 16(18), 2202–2222. https://doi.org/10.3748/wjg.v16.i18.2202
  10.  McFarland, L. V., & Goh, S. (2019). Are probiotics and prebiotics effective in the prevention of travellers’ diarrhea: A systematic review and meta-analysis. Travel medicine and infectious disease, 27, 11–19. https://doi.org/10.1016/j.tmaid.2018.09.007
  11. Jiang, Y. Z., Ma, K., Cui, C., Li, Z. Y., & Wang, X. Y. (2025). Effect of Saccharomyces boulardii supplementation to bismuth quadruple therapy on Helicobacter pylori eradication. BMC gastroenterology, 25(1), 273. https://doi.org/10.1186/s12876-025-03879-y
  12. Szajewska, H., & Kołodziej, M. (2015). Systematic review with meta-analysis: Saccharomyces boulardii in the prevention of antibiotic-associated diarrhoea. Alimentary pharmacology & therapeutics, 42(7), 793–801. https://doi.org/10.1111/apt.13344
  13. Ehrhardt, S., Guo, N., Hinz, R., Schoppen, S., May, J., Reiser, M., Schroeder, M. P., Schmiedel, S., Keuchel, M., Reisinger, E. C., Langeheinecke, A., de Weerth, A., Schuchmann, M., Schaberg, T., Ligges, S., Eveslage, M., Hagen, R. M., Burchard, G. D., & Lohse, A. W. (2016). Saccharomyces boulardii to Prevent Antibiotic-Associated Diarrhea: A Randomized, Double-Masked, Placebo-Controlled Trial. Open forum infectious diseases, 3(1), ofw011. https://doi.org/10.1093/ofid/ofw011
  14. Choi, C. H., Jo, S. Y., Park, H. J., Chang, S. K., Byeon, J. S., & Myung, S. J. (2011). A randomized, double-blind, placebo-controlled multicenter trial of saccharomyces boulardii in irritable bowel syndrome: effect on quality of life. Journal of clinical gastroenterology, 45(8), 679–683. https://doi.org/10.1097/MCG.0b013e318204593e
  15. Bustos Fernández, L. M., Man, F., & Lasa, J. S. (2023). Impact of Saccharomyces boulardii CNCM I-745 on Bacterial Overgrowth and Composition of Intestinal Microbiota in Diarrhea-Predominant Irritable Bowel Syndrome Patients: Results of a Randomized Pilot Study. Digestive diseases (Basel, Switzerland), 41(5), 798–809. https://doi.org/10.1159/000528954

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Diagnostik, Labor

Reizdarmbeschwerden: Epidemiologie, typische Symptome, Differenzialdiagnosen und diagnostische Strategie

Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Wieland Voigt

Das Reizdarmsyndrom (RDS) ist eine häufige funktionelle Darmerkrankung, deren Beschwerden teilweise erheblich sein können und zu einer relevanten Beeinträchtigung der Lebensqualität führen. Routineuntersuchungen zeigen oft keine sichtbare organische Schädigung. Eine sorgfältige, zielgerichtete Diagnostik ist dennoch wichtig, um behandelbare Erkrankungen und Warnzeichen nicht zu übersehen.

Wie häufig sind Reizdarmbeschwerden?

Die Häufigkeit hängt stark davon ab, welche Diagnosekriterien verwendet werden. In einer großen weltweiten Untersuchung lag die Prävalenz nach den strengeren Rom-IV-Kriterien bei etwa 4 %, nach den älteren Rom-III-Kriterien bei rund 9 %. Teilweise werden sogar noch höhere Prävalenzen berichtet. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Beschwerden beginnen oft im jüngeren oder mittleren Erwachsenenalter, können jedoch grundsätzlich in jedem Lebensalter auftreten. Das RDS zählt damit zu den häufigsten chronischen Erkrankungen des Verdauungstrakts.1,2

Welche Beschwerden sind bei Reizdarm typisch?

Leitsymptom sind wiederkehrende Bauchschmerzen, die mit Veränderungen von Häufigkeit und Form des Stuhls vergesellschaftet sind. Typisch sind außerdem Blähungen, ein sichtbar geblähter Bauch, Völlegefühl, Durchfall, Verstopfung oder ein Wechsel zwischen beiden. Hinzukommen können starker Stuhldrang, das Gefühl einer unvollständigen Entleerung und Schleimbeimengungen. Die Beschwerden schwanken häufig und können sich nach Mahlzeiten, bei Stress oder nach Infekten verstärken. Je nach vorherrschender Stuhlveränderung wird zwischen einem Verstopfungs-, Durchfall-, Misch- und nicht eindeutig einzuordnenden Typ unterschieden.1

Warnzeichen: Wann ist eine rasche ärztliche Abklärung wichtig?

Ein RDS verursacht üblicherweise keine Blutungen, kein Fieber und keinen fortschreitenden Gewichtsverlust. Diese Alarmzeichen müssen abgeklärt werden:

  • Blut im Stuhl
  • unbeabsichtigte Gewichtsabnahme
  • Fieber
  • Blutarmut
  • starke nächtliche Beschwerden
  • anhaltendes Erbrechen
  • ein tastbarer Befund
  • neu auftretende ausgeprägte Symptome in höherem Lebensalter

Besondere Wachsamkeit ist geboten bei einer familiären Belastung mit Darmkrebs, Zöliakie sowie chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Auch eine deutliche oder rasche Veränderung eines bekannten Beschwerdebildes sollte ärztlich beurteilt werden.1,3

Prof. Dr. Wieland Voigt

Prof. Dr. Wieland Voigt ist Facharzt für Innere Medizin sowie Hämatologie und Onkologie & Palliativmedizin, international anerkannter Wissenschaftler und ehemaliger Chief Medical Officer von Siemens Healthineers. Als Gründer und CEO von VOC – Advanced Breath Diagnostics treibt er heute die Entwicklung innovativer, nichtinvasiver Atemgastests voran. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht das Ziel, Atem als diagnostische Informationsquelle stärker für die moderne Medizin nutzbar zu machen. VOC entwickelt unter anderem Tests zur Erkennung und Einordnung von Fehlbesiedlungen des Dünndarms, wie SIBO.

Welche Erkrankungen können reizdarmähnliche Beschwerden verursachen?

Abbildung 1: Übersicht über wichtige Differentialdiagnosen bei Reizdarmbeschwerden

Abbildung 1: Übersicht über wichtige Differentialdiagnosen bei Reizdarmbeschwerden

Reizdarmähnliche Beschwerden können viele Ursachen haben. Zu berücksichtigen sind insbesondere Zöliakie, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, mikroskopische Kolitis, Darminfektionen, Kohlenhydratmalabsorptionen wie Laktose- oder Fruktosemalabsorption, Gallensäurediarrhö, Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, Schilddrüsenfunktionsstörungen, Endometriose und Nebenwirkungen von Medikamenten. Bei passender Symptomatik können außerdem eine bakterielle Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO) – hier geht es zum MIBIOTA SIBO-Check – oder bei Verstopfung eine intestinale methanogene Überwucherung (IMO) erwogen werden. Darmkrebs ist insgesamt eine seltenere Erklärung, muss bei Warnzeichen, erhöhtem Alter oder entsprechender Familiengeschichte aber sicher ausgeschlossen werden.1,3

Welche diagnostischen Tests sind wegweisend?

Die diagnostische Abklärung von Reizdarmbeschwerden folgt einem vordefinierten Algorithmus. Dieser ist in der Abbildung 2 mit seinen Kernelementen dargestellt.

Die Diagnostik beginnt mit einer ausführlichen Anamnese, einer körperlichen Untersuchung und einer begrenzten, an den Beschwerden orientierten Basisdiagnostik. Häufig sinnvoll sind Blutbild, Entzündungswerte und je nach Situation Leber-, Nieren- und Schilddrüsenwerte. Bei Durchfall oder gemischtem Stuhlverhalten wird eine Zöliakie-Serologie empfohlen. Calprotectin im Stuhl kann helfen, eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung von einem RDS abzugrenzen. Stuhluntersuchungen auf Erreger, Ultraschall, Magen- oder Darmspiegelung sowie weitere Tests erfolgen abhängig von Alter, Verlauf und Warnzeichen. Ziel ist eine positive, nachvollziehbare Diagnose – nicht eine unbegrenzte Serie von Ausschlussuntersuchungen.1,3

Abbildung Diagnostik Reizdarm

Abbildung 2: Algorithmus zur Abklärung von Reizdarmbeschwerden

Welche Rolle spielen Atemtests?

Atemtests weisen ein Reizdarmsyndrom nicht direkt nach. Sie können jedoch ausgewählte Ursachen ähnlicher Beschwerden untersuchen. Nach dem Trinken eines festgelegten Testsubstrats werden in mehreren Atemproben vor allem Wasserstoff (H₂) und Methan (CH₄) gemessen. Diese Gase entstehen durch den mikrobiellen Abbau von Kohlenhydraten.

Laktose-, Fruktose- oder Sorbit-Atemtests können eine Kohlenhydratmalabsorption nachweisen. Entscheidend ist die gemeinsame Bewertung des Gasverlaufs und der während des Tests auftretenden Beschwerden: Eine messbare Malabsorption bedeutet nicht automatisch, dass sie im Alltag klinisch relevant ist.

Glukose- oder Laktulose-Atemtests werden bei begründetem Verdacht auf eine Dünndarmfehlbesiedlung eingesetzt. Die zusätzliche Methanmessung ist besonders bei Verstopfung bedeutsam. Interpretation und Aussagekraft werden jedoch durch Vorbereitung, Darmtransit, Testsubstrat und Auswertungsregeln beeinflusst. Falsch positive und falsch negative Resultate sind möglich. Atemtests sollten daher gezielt eingesetzt und zusammen mit der Krankengeschichte sowie anderen Befunden beurteilt werden.4

Fazit

Reizdarmbeschwerden sind häufig, vielgestaltig und medizinisch ernst zu nehmen. Eine strukturierte Diagnostik berücksichtigt das typische Beschwerdemuster, sucht gezielt nach Warnzeichen und schließt wichtige behandelbare Ursachen aus. Bei wiederkehrenden Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung ist eine strukturierte Abklärung der Beschwerden wichtig. Bei einer passenden Fragestellung können Atemtests zusätzliche Hinweise liefern. Die Ergebnisse sollten immer gemeinsam mit den Beschwerden und weiteren Befunden durch den behandelnden Arzt oder Therapeuten beurteilt werden.


Referenzen
  1. Layer P et al. S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. Z Gastroenterol. 2021;59:1323–1415. AWMF-Registernr. 021-016.
  2. Oka P et al. Global prevalence of irritable bowel syndrome according to Rome III or IV criteria: a systematic review and meta-analysis. Lancet Gastroenterol Hepatol. 2020;5:908–917.
  3. Lacy BE et al. ACG Clinical Guideline: Management of Irritable Bowel Syndrome. Am J Gastroenterol. 2021;116:17–44.
  4. Hammer HF et al. European guideline on indications, performance, and clinical impact of hydrogen and methane breath tests in adult and pediatric patients. United European Gastroenterol J. 2022;10:15–40.

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Bacillus subtilis kann die Verdauung stärken

Bacillus subtilis – Das sporenbildende Probiotikum bei Blähungen und Darmbeschwerden

Seit ein paar Jahren gewinnt eine Gruppe der Probiotika besonders an Wertschätzung – es handelt sich um sporenbildende Probiotika, zu denen unter anderem Bacillus coagulans, B. clausii und auch Bacillus subtilis gehören. In einem anderen Artikel haben wir Dir bereits mehr über Bacillus coagulans erzählt – warum B. subtilis ebenfalls ein so interessantes Probiotikum ist und Dir potenziell bei Deinen Verdauungsbeschwerden eine Hilfe sein kann, zeigen wir Dir in diesem aktuellen Artikel.

Nach dem Lesen dieses Artikels bist Du für Deine Reise durch die Sporenwelt bestens vorbereitet. In unserem Blog findest Du außerdem noch viele weitere Artikel zu diesem Thema, zum Beispiel darüber, wie sporenbildende Probiotika ihre Umwelt wahrnehmen – Stichwort Quorum Sensing und Quenching.

Hinweis: Wie immer sind die Informationen in unserem Artikel von uns selbst recherchiert und geschrieben – ohne Beteiligung von ChatGPT und Konsorten. Viel Spaß beim Lesen!

Was ist Bacillus subtilis – und warum ist es anders als andere Probiotika?

Wie sein Verwandter Bacillus coagulans ist auch B. subtilis grampositiv und stäbchenförmig – das sind Merkmale, die Bakterien unter dem Mikroskop zugeordnet werden und unter anderem bei der Wirksamkeit von Antibiotika eine Rolle spielen. Das Entscheidende ist aber seine sporenbildende Eigenschaft: Wenn die Umweltbedingungen ungünstig werden – etwa durch Magensäure, Hitze oder lange Lagerung – zieht sich B. subtilis in eine schützende Endospore zurück, eine Art biologischen Winterschlaf. Sobald die Bedingungen wieder stimmen, erwacht das Bakterium und wird aktiv.

Und hiermit verfügen die Sporenbildner über einen Vorteil gegenüber vielen klassischen Probiotika wie Lactobacillus-Stämmen, die diesen Weg durch den Magen häufig nicht unbeschadet überstehen. Interessant ist auch, dass sich B. subtilis, wie auch Bacillus coagulans, meist nur transient im Darm befindet, also nicht dauerhaft zum Bestandteil der Darmflora wird.

Natto enthält Bacillus subtilis

Interessant zu wissen: B. subtilis steckt im japanischen Gericht Natto, einem fermentierten Sojaprodukt, das in Japan seit über 1.000 Jahren gegessen wird.

Was B. subtilis im Besonderen von anderen Probiotika – und auch von B. coagulans, einem anderen wichtigen sporenbildenden Probiotikum – unterscheidet, ist sein Produktionsprofil im Darm; hier hat nämlich jedes Probiotikum etwas andere Funktionen.

Während B. coagulans vor allem Milchsäure produziert und damit das Darmmilieu beeinflusst, ist B. subtilis gewissermaßen ein kleines Verdauungswerk: Es produziert eine Reihe von Enzymen, darunter Proteasen (zum Abbau von Proteinen), Amylasen (für Kohlenhydrate) und Lipasen (für Fette). Das macht es besonders interessant für Menschen, die unter Blähungen, Völlegefühl oder Unverträglichkeiten leiden – Symptome, die häufig auf eine unvollständige Verdauung im Dünndarm zurückzuführen sind.

Darüber hinaus produziert B. subtilis antimikrobielle Peptide wie Iturin, Surfactin und Bacillomycin, die das Wachstum krankmachender Keime im Darm hemmen können. Mehr dazu erfährst Du weiter unten.

Sporenbildung: Warum B. subtilis die Magensäure überlebt

Lass‘ uns nochmal kurz genauer auf die Sporenbildung eingehen. Sporenbildende Probiotika widerstehen einer Reihe an Umwelteinflüssen – zum Beispiel Hitze, Kochen, Frieren, Säure, lange Lagerung … sogar Strahlung. Die Sporen sind nämlich metabolisch praktisch inaktiv und fast nur auf das Erbgut und eine starke Zellwand beschränkt, die auch vor Austrocknung schützt. Es gibt tatsächlich Hinweise darauf, dass Sporen mehrere tausend Jahre überleben können, wobei es hier Sporen mit besserer Haltbarkeit und solche mit schlechterer Haltbarkeit gibt.

Aber zurück zur Wirkung von B. subtilis im Darm – kann Dir Bacillus subtilis sogar bei Deinen Verdauungsbeschwerden helfen?

Blähungen, Völlegefühl, Reizdarm: Kann Bacillus subtilis helfen?

Die kurze Antwort: ja. Eine Reihe Mechanismen von B. subtilis können bei Blähungen, Völlegefühl und Reizdarmpatienten helfen, zum Beispiel die Stoffe, die Bacillus subtilis im Darm produziert oder den Einfluss, den B. subtilis – auch dadurch – auf die Darmmikrobiota hat. Dazu gibt es sogar einige Humanstudien und als “Over-the-counter”-Arzneimittel zugelassene Produkte.

Was produziert Bacillus subtilis im Darm?

B. subtilis produziert vor allem Lipopeptide und einige Verdauungsenzyme. Lipopeptide sind kombinierte Moleküle aus einer kurzen Aminosäurekette und einer Fettsäure, wodurch sie sowohl in wässriger Umgebung als auch fettiger Umgebung löslich sind (amphiphil). Zu den Lipopeptiden zählen übrigens auch einige Reserveantibiotika.

B. subtilis produziert zum Beispiel Surfactin, Iturine und Fengyzine.1 Surfactin ist beispielsweise schon länger als Medikament in Verwendung, um bei Frühgeborenen die Oberflächenspannung der Lunge zu reduzieren – wobei hier nicht das Surfactin von B. subtilis genutzt wird. Dieses hat aber auch einige Funktionen. So zeigt es sich, dass Surfactin von B. subtilis antibakterielle und antivirale Eigenschaften hat und bei Mäusen das Immunsystem und die Darmgesundheit nach oraler Gabe verbessern konnte.2 Ebenfalls konnte gezeigt werden, dass auch bei neugeborenen Mäusen das Wachstum und die Darmgesundheit (besser Ausbildung des Darms, bessere Nährstoffaufnahme) verbessert werden konnte, wenn die Mütter während der Stillzeit Surfactin bekommen hatten.3

Iturine und Fengyzine sind weniger gut bekannt, aber auch diese zeigen ähnliche antimikrobielle Eigenschaften. Die Iturine üben ihren Effekt vor allem durch das Bilden von Poren in den entsprechenden Erregern, sodass die Zellhülle zerstört wird. Fengyzine haben weniger Wirkung als Antibiotikum, sie wirken dagegen eher fungizid, das heißt gegen Pilzerreger.

Neben diesen drei Gruppen produziert B. subtilis noch viele andere Lipopeptide und Peptide sowie Makrolide (auch eine Gruppe Antibiotika heutzutage). Dabei ist es allerdings so, dass die unterschiedlichen B. subtilis Stämme auch unterschiedliche aktive Stoffe produzieren und daher alle ein bisschen anders sind und sich auch anders verhalten. Umso wichtiger ist es also, dass Du Dir einen bekannten, zugelassenen Stamm aussuchst.

Surfactine

Sind besonders stark oberflächenaktiv. Im Fokus stehen ihre antibakteriellen, antiviralen, biofilmhemmenden und immunmodulierenden Eigenschaften.

Iturine

Wirken vor allem gegen Hefen und andere Pilze. Sie können die Zellmembran empfindlicher Pilzzellen schädigen.

Fengycine

Sind insbesondere gegen filamentöse Pilze wirksam und spielen deshalb eine wichtige Rolle im biologischen Pflanzenschutz.

Lipopeptide bestehen aus einer Peptidkette, die mit einer Fettsäure verbunden ist. Durch diese amphiphile Struktur können sie mit biologischen Membranen interagieren. Viele Lipopeptide besitzen antimikrobielle, antimykotische, biofilmhemmende oder oberflächenaktive Eigenschaften.

Einordnung: In der Medizin sind vor allem Daptomycin und die Polymyxine als Arzneimittel etabliert. Andere Lipopeptide werden überwiegend für Anwendungen im Pflanzenschutz, in der Biotechnologie und in der Lebensmittelindustrie untersucht.

Lipopeptid Produzierende Mikroorganismen Wichtigste Eigenschaften Anwendungen und Forschung
Surfactine Bacillus subtilis und verwandte Bacillus-Arten Stark oberflächenaktiv, antibakteriell, antiviral, biofilmhemmend und immunmodulierend Biotechnologie, Umwelttechnik, Pflanzenschutz sowie Forschung zu Darmgesundheit und Wundheilung
Iturine Bacillus subtilis, Bacillus amyloliquefaciens und verwandte Arten Vor allem antimykotisch; können Poren in Zellmembranen bilden und dadurch Pilzzellen schädigen Biologischer Pflanzenschutz, Lebensmittelkonservierung und Forschung zu neuen Antimykotika
Fengycine Bacillus subtilis, Bacillus velezensis und verwandte Arten Vor allem gegen filamentöse Pilze wirksam; zusätzlich biofilmhemmende Eigenschaften Biologischer Pflanzenschutz, Lebensmittelkonservierung und landwirtschaftliche Biotechnologie
Daptomycin Streptomyces roseosporus Wirkt bakterizid gegen grampositive Bakterien, indem es die Funktion der Zellmembran stört Zugelassenes Reserveantibiotikum bei bestimmten schweren Infektionen durch grampositive Erreger
Polymyxine Paenibacillus polymyxa Wirksam gegen gramnegative Bakterien; schädigen deren äußere Zellmembran Polymyxin B und Colistin werden als Reserveantibiotika gegen bestimmte multiresistente gramnegative Erreger eingesetzt
Viscosin Verschiedene Pseudomonas-Arten, insbesondere Pseudomonas fluorescens Oberflächenaktiv, antibakteriell und biofilmbeeinflussend; unterstützt zudem die Beweglichkeit der Bakterien Umweltmikrobiologie, Biotechnologie und biologischer Pflanzenschutz
Massetolide Vor allem Pseudomonas fluorescens Antimikrobiell, oberflächenaktiv und an der Bildung sowie Veränderung von Biofilmen beteiligt Biologischer Pflanzenschutz, Pflanzen-Mikroben-Interaktionen und biotechnologische Forschung
Syringomycin Pseudomonas syringae Bildet Poren beziehungsweise Ionenkanäle in Zellmembranen und besitzt eine ausgeprägte antimykotische Wirkung Grundlagenforschung zu Membranschäden und potenziellen antimykotischen Wirkstoffen

Tabelle 1: Übersicht der wichtigsten Lipopeptide

Nun aber zurück zur eigentlichen Frage: Kann Dir B. subtilis bei Deinen Verdauungsproblemen helfen – und wie eigentlich?

Studienlage: Was sagt die Forschung zu Bacillus subtilis beim Menschen?

Auch wenn die Studienlage im Vergleich zu anderen Bakterien immer noch überschaubar ist, existieren auch hier bereits einige klinische Studien – also Studien am Menschen:

  • Eine Studie aus 2023 untersuchte beispielsweise den Effekt von B. subtilis (BG01-4TM) auf die Wahrnehmung der Schwere von funktionellen Darmbeschwerden wie Blähungen und Verstopfungen. In der Studie wurde ein Rating-Fragebogen eingesetzt, um das subjektive Befinden der Probanden zu erfragen. Im Vergleich zum Placebo gab es einige Symptome, die sich verbessert hatten, nicht jedoch der Gesamt-Rating-Fragebogen, wobei in dieser Studie die Subjektivität eine Rolle gespielt haben könnte, da auch beim Placebo erheblich verbesserte Scoring Werte angegeben wurden.4
  • Eine weitere Studie an ansonsten gesunden Probanden mit funktionellen Darmbeschwerden untersuchte den Effekt von B. subtilis BS50 auf typische Darmbeschwerden und auf das Blutbild sowie Marker für die Darmpermeabilität und Entzündung. Nach sechswöchiger Intervention fand sich eine Reduktion von Blähungen, Aufstoßen und Flatulenzen. Darüber hinaus fanden sich keine Änderungen des Blutbilds und der anderen Marker bei diesen ansonsten gesunden Probanden.5
  • Eine aktuelle Studie (2026) untersuchte hingegen den Effekt von Probiotika bei Patienten, die diese nach einer Koloskopie einnahmen. Hierbei wurde auf eine Mischung mit Bacillus subtilis and Enterococcus faecium gesetzt und die Änderung nach 28-tägiger Supplementierung festgehalten. Im Vergleich zu der Placebo-Gruppe, bei der die Darmmikrobiota sich nach der Koloskopie eher ungünstig veränderten (erhöhte Menge an Pseudomonaden and Klebsiellae), zeigte die Interventionsgruppe eine Anreicherung von Milchsäurebakterien, die als vorteilhaft gelten. Innerhalb einer Woche zeigte sich außerdem eine signifikante Verbesserung der Symptome bei der Probiotika-Gruppe im Vergleich zur Kontrolle.6
  • Auch nach Antibiotikagabe hat B. subtilis Potenzial, das Mikrobiom zu stabilisieren. In einer weiteren Studie aus 2026 wurde Patienten, die wegen einer Helicobacter pylori Infektion eine Eradikationstherapie mittels Antibiotika machten, entweder Probiotika oder ein Placebo gegeben. Das Probiotikum bestand wieder aus einer Mischung von B. subtilis und Enterococcus faecium. Die Gruppe, die zusätzlich zur Eradikationstherapie Probiotika erhalten hatte, zeigte im Therapieverlauf insgesamt ein stabileres Mikrobiom und eine erhaltene Beta-Diversität, wobei einige andere Marker und Mikrobiotaprofile hier ebenfalls beeinträchtigt waren im Vergleich zu einer Kontrolle, die keine Helicobacter Infektion hatte. Die Probiotikamischung konnte die negativen Effekte der Antibiotikagabe also teilweise, jedoch nicht vollständig aufhalten. Zu Erwähnen ist jedoch, dass die H. pylori-Eradikation zu den sehr nebenwirkungsreichen und eher langwierigen Therapien im Antibiotikabereich zählt.7

Zusammengefasst gibt es also einige Studien, die zumindest in eine richtige Richtung zeigen, wenngleich die Effektgrößen und konkreten Anwendungsbereiche noch genauer herausgearbeitet werden müssen. Dennoch werden B. subtilis Stämme auch heute schon sicher hergestellt und eingenommen, da sich die Effekte zur Symptomkontrolle durchweg zeigen. Worauf Du allerdings beim Kauf achten solltest, damit Du nicht zum falschen Produkt greifst, erfährst Du jetzt.

Bacillus subtilis: Worauf Du bei der Auswahl eines Präparats achten solltest

Wenn Du Dich für ein B. subtilis Präparat entscheidest, lohnt es sich, etwas genauer hinzuschauen – denn nicht jedes Produkt auf dem Markt ist gleich. B. subtilis ist nicht gleich B. subtilis. Hinter dem Namen verbirgt sich eine Vielzahl von Stämmen, die sich in ihrem Sicherheitsprofil und ihrer wissenschaftlichen Dokumentation unterscheiden können. Ein seriöser Hersteller weist den Stamm immer klar auf der Verpackung aus – zum Beispiel als B. subtilis DE111 oder B. subtilis PLSSC. Fehlt die Angabe, lässt sich die vorhandene wissenschaftliche Datenlage zu dem verwendeten Stamm nur schwer einordnen.

Warum ist das so wichtig? Bei Probiotika gelten Erkenntnisse aus Sicherheits- und Wirksamkeitsstudien grundsätzlich nur für den jeweils untersuchten Stamm und lassen sich nicht ohne Weiteres auf andere Stämme derselben Art übertragen. Eine eindeutige Stammbezeichnung schafft daher Transparenz und ermöglicht es, die verfügbare wissenschaftliche Literatur besser nachzuvollziehen.

Wie bei allen Präparaten mit lebenden Mikroorganismen gilt: Sprich die Einnahme mit einem Arzt oder einer Ärztin ab, wenn Du stark immungeschwächt bist – etwa durch eine Chemotherapie, Strahlentherapie oder die dauerhafte Einnahme von Immunsuppressiva. In den bisher untersuchten Dosierungen und Studiendauern gelten gut charakterisierte B. subtilis-Stämme als gut verträglich.

Zusammenfassung

B. subtilis ist ein sporenbildendes Probiotikum mit besonderen Eigenschaften. Dank seiner Widerstandsfähigkeit erreicht es den Darm in aktiver Form und kann dort durch die Produktion von Verdauungsenzymen und antimikrobiellen Stoffen die Darmgesundheit unterstützen. Erste Humanstudien zeigen vielversprechende Ergebnisse bei Blähungen, Völlegefühl und anderen funktionellen Darmbeschwerden, auch wenn weitere Forschung notwendig ist. Wer sich für ein Präparat entscheidet, sollte auf einen wissenschaftlich untersuchten und klar gekennzeichneten Stamm achten sowie auf eine hohe Produktqualität.


Referenzen (Englisch)
  1. Kaspar, F., Neubauer, P., & Gimpel, M. (2019). Bioactive Secondary Metabolites from Bacillus subtilis: A Comprehensive Review. Journal of natural products, 82(7), 2038–2053. https://doi.org/10.1021/acs.jnatprod.9b00110
  2. Jia, J., Fu, M., Ji, W., Xiong, N., Chen, P., Lin, J., & Yang, Q. (2024). Surfactin from Bacillus subtilisenhances immune response and contributes to the maintenance of intestinal microbial homeostasis. Microbiology spectrum, 12(12), e0091824. https://doi.org/10.1128/spectrum.00918-24
  3. Zhang, Q., Xie, S., Zhong, Q., Zhang, X., Luo, L., & Yang, Q. (2025). Bacillus subtilis-Derived Surfactin Alleviates Offspring Intestinal Inflammatory Injuries Through Breast Milk. Nutrients, 17(6), 1009. https://doi.org/10.3390/nu17061009
  4. Patch, C., Pearce, A. J., Cheng, M., Boyapati, R., & Brenna, J. T. (2023). Bacillus Subtilis (BG01-4TM) Improves Self-Reported Symptoms for Constipation, Indigestion, and Dyspepsia: A Phase 1/2A Randomized Controlled Trial. Nutrients, 15(21), 4490. https://doi.org/10.3390/nu15214490
  5. Garvey, S. M., Mah, E., Blonquist, T. M., Kaden, V. N., & Spears, J. L. (2022). The probiotic Bacillus subtilisBS50 decreases gastrointestinal symptoms in healthy adults: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial. Gut microbes, 14(1), 2122668. https://doi.org/10.1080/19490976.2022.2122668
  6. Wei, H., Wang, J., Xiao, X., Xiao, X., Tang, K., Lv, M., Li, Y., Tang, L., Tang, B., Su, J., Lin, H., Zheng, Y., Meng, R., Huang, B., Liao, X., He, S., Zhang, Q., Li, J., Yang, S., & Xie, X. (2026). Effect of Probiotics on the Gut Microbiota After Colonoscopy: A Multicenter, Randomized, Placebo-Controlled Clinical Study. Journal of gastroenterology and hepatology, 41(1), 128–139. https://doi.org/10.1111/jgh.70147
  7. Wei, W., Chen, W., Peng, R., Wang, X., Wang, Z., & Zhang, Z. (2026). Probiotics alleviate oral microbiota disruptions induced by Helicobacter pylorieradication with vonoprazan-amoxicillin dual therapy: a randomized double-blind placebo-controlled trial. (An exploratory study). Frontiers in cellular and infection microbiology, 16, 1740968. https://doi.org/10.3389/fcimb.2026.1740968

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Bacillus coagulans Nahrungsergänzungsmittel gut für die Darmgesundheit

Das Wichtigste über Bacillus coagulans

Vermutlich kennst Du Probiotika bereits – die Bakterien, die Du über die Nahrung oder Nahrungsergänzung zuführen kannst, um Deine Darmflora anzureichern. Tatsächlich sind Probiotika eine riesige Gruppe an lebenden Mikroorganismen, mit jeweils unterschiedlichen Funktionen und Effekten auf Deine Darmgesundheit und Dein allgemeines Wohlbefinden. Probiotika können allerdings auch Symptome auslösen oder verstärken, wie wir in unserem Blogbeitrag Histaminfreundliche Probiotika bei funktionaler HIT erläutern.

Eine besonders spannende Gruppe unter Probiotika sind die Sporenbildner, eine Gruppe an resistenten Bakterien, die die Hindernisse (Magensäure, Lagerung und Verarbeitung) besonders gut überwinden kann. Einer dieser Sporenprobiotika ist Bacillus coagulans, der einige Besonderheiten aufweist, die Dir besonders helfen können. In diesem Artikel gehen wir auf diese Besonderheiten ein.

Hinweis: Wie immer sind die Informationen in unserem Artikel von uns selbst recherchiert und geschrieben – ohne Beteiligung von ChatGPT und Konsorten. Viel Spaß beim Lesen!

Was ist Bacillus coagulans und was macht Bacillus coagulans besonders?

Bacillus coagulans ist ein sporenbildendes Bakterium – heutzutage wird es auch als Weizmannia coagulans bezeichnet, weil es sich in einigen Faktoren doch ordentlich von anderen Bacillus-Bakterien unterscheidet. Ursprünglich hieß es mal Lactobacillus sporogenes, wurde dann aber umbenannt, um der sporenbildenden Funktion besser gerecht zu werden. All diese Namen beschreiben allerdings das gleiche Bakterium: Eine sporenbildende, milchsäureproduzierende, grampositive, stäbchenförmige Bakterienspezies mit mehreren bekannten probiotischen Stämmen, darunter GBI-30, 6086 Unique IS-2, MTCC 5856, LBSC (DSM 17654), TBC169, SNZ 1969, BC30 und T11.

Bacillus Coagulans
Grampositives Bacillus coagulans unter dem Mikroskop

Eine weitere Besonderheit von Bacillus coagulans ist, dass dieses Bakterium nicht natürlicherweise Teil der Darmflora ist und auch nach Einnahme sich nur vorübergehend im Darm befindet und dann wieder ausgeschieden wird. Was das alles bedeutet?

  • Grampositiv und stäbchenförmig

    Das sind typische Charakteristika, wie Bakterien eingeordnet werden. Hierbei handelt es sich um Beobachtungen unterm Mikroskop. Grampositive Bakterien haben eine dicke Zellhülle (“Mureinhülle”), in die sich die Partikel der Gram-Färbung einlagern. Diese Einordnung ist beispielsweise bei der Wirksamkeit von bestimmten Antibiotika gegen krankheitserregende Bakterien hilfreich, da die Zellhülle ein Angriffsort für Antibiotika ist.

  • Sporenbildner – was heißt das?

    Die wichtigste Funktion von B. coagulans ist wohl die sporenbildende Eigenschaft. Das bedeutet, dass B. coagulans sich gegen schlechte Umweltbedingungen wappnet, indem es sich umstrukturiert – es bildet dabei Endosporen, die eine besonders dicke Hülle haben und auf das Wesentliche reduziert sind. Der Stoffwechsel ist in dieser Phase eingeschlafen, wie im Winterschlaf. Wenn die Konditionen wieder besser sind, können die Endosporen erneut keimen und sind dann wieder aktiv. Mehr über sporenbildende Bakterien allgemein erfährst Du in diesem Artikel.

  • Bacillus coagulans – der Milchsäureproduzent

    Eine der hervorstechenden Funktionen von B. coagulans ist die Milchsäureproduktion. Früher wurde B. coagulans deshalb auch den Lactobacillen zugeordnet. Milchsäure wiederum hat einen sauren pH-Wert und beeinflusst daher das Darmmilieu1. Das ist besonders relevant bei Patienten, die aufgrund eines basischeren pH-Werts eine Überwucherung bestimmter Bakterien haben – häufig lässt sich dieses Szenario bei SIBO Patienten (Small Intestinal Bacterial Overgrowth) beobachten. In diesem Falle können milchsäureproduzierende Bakterien hilfreich sein, den pH-Wert zu senken und damit das Wachstum basisch-liebender Bakterien zu hemmen2.

Vorübergehende Besiedlung – und trotzdem nachhaltiger Effekt?

Ein weiteres Merkmal vieler sporenbildender Bakterien und auch von B. coagulans ist, dass sie sich nur vorübergehend im Verdauungstrakt befinden und nach einiger Zeit wieder Dein System verlassen. Das eigentliche Ziel der Einnahme von Probiotika ist, dass Bakterien in ausreichender Menge eingenommen werden, um die Darmflora anzureichern. Wird das hier trotzdem erreicht, obwohl das verabreichte Bakterium sich nicht selbst ansiedelt? Tatsächlich schon, denn B. coagulans kann mittels der Verbesserung des Milieus über weitere Stoffwechselprodukte neben Milchsäure den Gehalt an anderen hilfreichen Bakterien der Darmflora erhöhen.

Das wurde in einigen präklinischen Studien gezeigt (das heißt an Tieren oder im Labor simulativ):

  • So wurde Küken von Masthühnern 42 Tage lang täglich B. coagulans oral verabreicht. Nach diesem Zeitraum wurde erneut das Mikrobiom untersucht sowie verschiedenste andere Parameter. B. coagulans verbesserte hier die Darmflora und erhöhte die relative Häufigkeit nützlicher Bakterien im Darm signifikant. Darüber hinaus förderte B. coagulans die Proliferation der Darmepithelzellen. Das deutet auf eine Stärkung der Darmbarriere hin.3

  • Eine andere Studie untersuchte ebenfalls die Wirksamkeit von B. coagulans (MF-60) an Küken, die mit Salmonella pullorum infiziert waren im Vergleich zu klassischen Antibiotika. Die Ergebnisse zeigten, dass die Verabreichung von Bacillus coagulans MF-06 das Vorkommen von Salmonella pullorum-Kolonien im Darmtrakt verringerte. Zudem stellte die Verabreichung von Bacillus coagulans MF-06 die Konzentrationen von DAO (Diaminoxidase) und Milchsäure (D-LA) sowie die Konzentrationen von Proteinen der Tight Junctions, wichtig für die Darmbarriere, wieder her. Die Analyse mittels 16S-rRNA-Sequenzierung ergab, dass die Aufnahme von Bacillus coagulans MF-06 zu einer signifikanten Abnahme der relativen Häufigkeit von einigen pathogenen Bakterien führte. Die Autoren schlossen daher auf eine potentielle stabilisierende Funktion der Darmbarriere und des Darmmikrobioms.4

  • Auch auf das Immunsystem hat B. coagulans Effekte in präklinischen Studien gezeigt. So zum Beispiel in einer Studie, in der die schützende Wirkung von B. coagulans MZY531 auf Schäden an der Darmschleimhaut bei durch Chemotherapie immunsupprimierten Mäusen untersucht wurde. Die Ergebnisse zeigten, dass die Werte der Immunorgane (Thymus und Milz) in den mit B. coagulans MZY531 behandelten Gruppen im Vergleich zur nur Chemo-Gruppe signifikant erhöht waren. Auch die Konzentrationen von Botenstoffen des Immunsystems (IFN-γ, IL-2, IL-4 und IL-10) im Dünndarm waren hochreguliert. Der Dünndarm war in der Analyse bei der B. coagulans Gruppe außerdem gesünder, weil wichtige Strukturen für Nahrungsaufnahme und Darmbarriere wiederhergestellt waren. Entzündungen der Darmschleimhaut, die durch die Chemotherapie hervorgerufen wurden, waren bei den behandelten Mäusen wieder herunterreguliert und die relative Häufigkeit des Stammes Firmicutes sowie der Gattungen Prevotella und Bifidobacterium waren deutlich erhöht, während die Anzahl schädlicher Bakterien zurückging. Zusammengefasst scheint es auch hier so, dass B. coagulans MZY531 eine potenzielle immunmodulatorische und darmregenerative Wirkung hat.5

Fassen wir die Evidenz aus Tierstudien zusammen, deutet alles darauf hin, dass B. coagulans einen positiven Effekt auf die Darmbarriere hat, unter anderem, in dem es die Häufigkeit an anderen positiven Bakterien erhöht, die die Darmbarriere stärken. B. coagulans scheint außerdem einen Effekt auf das Immunsystem, besonders bei geschwächten Tieren (infiziert oder chemotherapeutisch behandelt) zu haben. Es wurde sogar als Antibiotika-Ersatz untersucht. Wieso, wollen wir uns einmal anschauen.

Bacillus coagulans mit antimikrobiellen Eigenschaften gegen pathogene Keime

Der Grund, warum B. coagulans sich auch stark gegen pathogene Keime zeigt, ist die Produktion von antimikrobiellen Peptiden. Eines davon ist Coagulin, ein antimikrobielles Peptid, das eine breite antimikrobielle Wirkung gegen grampositive Bakterien, einschließlich multiresistenter Stämme, zeigen konnte. Laut einiger Studien zeigt das extrahierte Coagulin (von B. coagulans BDU36 bzw. LI2087) eine signifikante antimikrobielle Wirkung auf B. cereus, Enterococcus sp., Lactobacillus sp., M. luteus, S. aureus, B. subtilis, E. coli, P. aeruginosa, Salmonella enterica und Shewanella putrefaciens. Coagulin durchdringt die Peptidoglykanschicht der bakteriellen Zellwand, wodurch Aminosäuren und anorganische Salze diffundieren und das Wachstum von Krankheitserregern hemmen können.

Einige B. coagulans Stämme produzieren auch andere antimikrobielle Stoffe, je nachdem, um welchen Stamm es sich handelt. Das ist ja alles schön und gut, aber gibt es eigentlich auch Studien zur Wirksamkeit beim Menschen oder kannst Du B. coagulans nur Mäusen und Hühnern geben?

Wirksamkeit von B. coagulans bei Menschen

Wie die einleitende Überschrift zu diesem Absatz andeutet, ist die Antwort auf unsere Frage: ja! Es gibt sogar einige Studien, gerade bei Erkrankungsbildern wie dem Reizdarmsyndrom (RDS):

  • Hier konnte B. coagulans LBSC beispielsweise die mit Reizdarm häufig einhergehenden Symptome wie Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfälle signifikant vermindern – so eine placebokontrollierte Studie aus 2021.8

  • Eine Meta-Analyse in 2024 analysierte sieben der in den vergangenen Jahren veröffentlichten Studien und konnte zeigen, dass B. coagulans den Schweregrad von RDS-Symptomen wie Stuhldrang, Blähungen sowie unvollständige Entleerung und insgesamt die Symptomschwere signifikant verbessern konnte.9

Bacillus coagulans hat also einige mögliche Effekte auf typische Symptome, die vielleicht ja auch Du hast. Was sollte man denn beim Kauf und der Einnahme von sporenbildenden Bakterien beachten?

Einnahme von sporenbildenden Probiotika: Das solltest Du beachten

Wie auch bei anderen Bakterien solltest Du bei B. coagulans auf die Herstellerinformationen achten. Es gibt unterschiedliche Substämme, manche davon wurden eventuell noch nicht auf ihre Sicherheit getestet. Daher gilt, dass Du beim Kauf auf die Bezeichnung des Stamms achten solltest – ein seriöser Hersteller wird diesen angeben (z.B. B. coagulans LBSC, so wir es bei easyPROBIO angeben). Solche Stämme werden genetisch charakterisiert und auf Sicherheitsaspekte geprüft.

Weiterhin solltest Du die Einnahme mit einem Arzt oder einer Ärztin absprechen, sofern Du stark immungeschwächt bist (bspw. während Chemotherapie, Strahlentherapie oder der dauerhaften Einnahme von Immunsuppressiva) – das gilt übrigens für alle lebenden Mikroorganismen (Probiotika), nicht jedoch für Post- und Präbiotika.

Mehr über die Wahl Deines Probiotikums erfährst Du auch hier, in unserem Probiotika-Guide.

Fazit: Bacillus coagulans – ein besonderes Probiotikum mit breitem Wirkpotenzial

Bacillus coagulans hebt sich durch seine sporenbildende Natur von klassischen Probiotika ab. Das Bakterium übersteht Magensäure, Lagerung und Verarbeitung zuverlässig und entfaltet seine Wirkung erst dort, wo sie gebraucht wird – im Darm. Obwohl B. coagulans sich nicht dauerhaft im Darm ansiedelt, ist sein Effekt alles andere als vorübergehend. Durch die Produktion von Milchsäure und weiteren Stoffwechselprodukten verbessert B. coagulans das Darmmilieu, fördert das Wachstum nützlicher Bakterien und stärkt die Darmbarriere. Präklinische Studien zeigen darüber hinaus, dass B. coagulans immunmodulatorische Eigenschaften besitzt und antimikrobielle Peptide produziert, die gezielt pathogene Keime hemmen können.

Besonders relevant für Betroffene: Klinische Studien am Menschen – darunter eine Meta-Analyse aus 2024 – zeigen, dass B. coagulans Symptome des Reizdarmsyndroms wie Blähungen, Bauchschmerzen und Stuhldrang signifikant lindern kann.

Auf unserer Seite findest Du weitere Informationen über Bakterienkomplexe und Präbiotika. Schau’ gerne auch mal in unserem Produktberater vorbei, der Dir bei der Auswahl des richtigen Präparats Unterstützung bieten kann!


Referenzen (Englisch)

  1. Payne, J., Bellmer, D., Jadeja, R., & Muriana, P. (2024). The Potential of Bacillus Species as Probiotics in the Food Industry: A Review. Foods (Basel, Switzerland), 13(15), 2444. https://doi.org/10.3390/foods13152444
  2. Louis, P., & Flint, H. J. (2017). Formation of propionate and butyrate by the human colonic microbiota. Environmental microbiology, 19(1), 29–41. https://doi.org/10.1111/1462-2920.13589
  3. Liu, C., Radebe, S. M., Zhang, H., Jia, J., Xie, S., Shi, M., & Yu, Q. (2022). Effect of Bacillus coagulans on maintaining the integrity intestinal mucosal barrier in broilers. Veterinary microbiology, 266, 109357. https://doi.org/10.1016/j.vetmic.2022.109357
  4. Ma, L., Tian, G., Pu, Y., Qin, X., Zhang, Y., Wang, H., You, L., Zhang, G., Fang, C., Liang, X., Wei, H., Tan, L., & Jiang, L. (2024). Bacillus coagulans MF-06 alleviates intestinal mucosal barrier from damage in chicks infected with Salmonella pullorum via activating the Wnt/β-catenin pathway. Frontiers in microbiology, 15, 1492035. https://doi.org/10.3389/fmicb.2024.1492035
  5. Zhao, Z., Sun, M., Cui, X., Chen, J., Liu, C., & Zhang, X. (2023). Bacillus coagulans MZY531 alleviates intestinal mucosal injury in immunosuppressive mice via modulating intestinal barrier, inflammatory response, and gut microbiota. Scientific reports, 13(1), 11181. https://doi.org/10.1038/s41598-023-38379-0
  6. Abdhul, K., Ganesh, M., Shanmughapriya, S., Vanithamani, S., Kanagavel, M., Anbarasu, K., & Natarajaseenivasan, K. (2015). Bacteriocinogenic potential of a probiotic strain Bacillus coagulans [BDU3] from Ngari. International journal of biological macromolecules, 79, 800–806. https://doi.org/10.1016/j.ijbiomac.2015.06.005
  7. Fu, L., Wang, C., Ruan, X., Li, G., Zhao, Y., & Wang, Y. (2018). Preservation of large yellow croaker (Pseudosciaena crocea) by Coagulin L1208, a novel bacteriocin produced by Bacillus coagulans L1208. International journal of food microbiology, 266, 60–68. https://doi.org/10.1016/j.ijfoodmicro.2017.11.012
  8. Gupta, A. K., & Maity, C. (2021). Efficacy and safety of Bacillus coagulans LBSC in irritable bowel syndrome: A prospective, interventional, randomized, double-blind, placebo-controlled clinical study [CONSORT Compliant]. Medicine, 100(3), e23641. https://doi.org/10.1097/MD.0000000000023641
  9. AbdelQadir, Y., Nabhan, A., Althawadi, Y., Belal, M., Feiter, Y., Madian, M., Omran, H., AbdelAzim, A., Abdelghafar, Y. and Nashwan, A. (2023). Bacillus coagulans as a potent intervention for treating irritable bowel syndrome: a systematic review and meta-analysis of randomized control trials. Gastroenterology & Endoscopy 2, pp. 7–18. https://doi.org/10.1016/j.gande.2023.11.001

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Quorum Sensing und Quorum Quenching bei sporenbasierten Bakterien

Sporenbasierte Probiotika: Ein mikrobielles Intelligenzsystem

Ein Gastbeitrag von Lauren Steinmann.


Viele Menschen stellen sich Probiotika noch immer sehr vereinfacht vor: Man nimmt ein paar „gute“ Bakterien ein, diese siedeln sich im Darm an, vermehren sich dort und bauen die Darmflora wieder auf. Das klingt eingängig – ist aber wahrscheinlich in vielen Fällen nicht das, was tatsächlich passiert.

Denn wir wissen inzwischen: Viele Probiotika kolonisieren den Darm nicht dauerhaft. Ihre Wirkung scheint oft eher transient und individuell zu sein. Das heißt: Sie reisen einmal durch den Darmtrakt, interagieren mit dem Darmmilieu, senden Signale, beeinflussen Prozesse – und verschwinden dann wieder. Genau das macht sie aber nicht unwirksam. Im Gegenteil: Vielleicht haben wir nur lange mit dem falschen Modell auf Probiotika geschaut?

Gerade sporenbasierte Bakterien sind in diesem Zusammenhang besonders interessant. Denn es könnte sein, dass ihr Nutzen viel weniger darin liegt, den Darm „neu zu besiedeln“ – sondern vielmehr darin, dass sie die mikrobielle Umgebung wahrnehmen, bewerten und darauf reagieren.

An dieser Stelle möchte ich zwei Konzepte ins Spiel bringen, die meines Erachtens mehr Aufmerksamkeit verdienen: Quorum Sensing und Quorum Quenching.

Quorum Sensing: Bakterien sind keine passiven Einzelgänger

Bakterien verhalten sich nicht einfach wie isolierte Einzeller, die blind vor sich hinleben. Sie kommunizieren untereinander über chemische Signale. Dieses Phänomen nennt man Quorum Sensing.

Vereinfacht gesagt: Bakterien „messen“, wie viele andere Mikroben in ihrer Umgebung vorhanden sind und welche Signale dort bereits zirkulieren. Wenn bestimmte Signalstoffe eine kritische Konzentration erreichen, verändern sich die Genaktivität und das Verhalten der Bakterien. Dann geht es plötzlich nicht mehr nur um bloße Anwesenheit, sondern um koordinierte Reaktionen: Biofilmaufbau, Adhäsion, Virulenz, Stoffwechselanpassungen, Sporulation oder die Produktion bestimmter Metabolite.

Das ist der Punkt, an dem das alte Bild von Probiotika als bloßem „Auffüllen guter Bakterien“ zu kurz greift. Denn wenn Bakterien in kollektiven, signalgesteuerten Netzwerken agieren, dann können auch Probiotika wirken, ohne dauerhaft Fuß zu fassen. Es reicht möglicherweise, dass sie vorübergehend ein Teil dieses Netzwerks sind, die Lage erfassen und die laufende mikrobielle Kommunikation beeinflussen. Genau darin könnte ein wesentlicher Teil ihres Nutzens für uns liegen.

Lauren Steinman ist Doktorin der Naturheilkunde (National University of Natural Medicine, Portland, Oregon, USA, Jahrgang 2017), Heilpraktikerin, Expertin für Dünndarmfehlbesiedelung (SIBO), sowie Mitglied des wissenschaftlichen Beirats bei MIBIOTA.

Quorum Quenching: Bakterien können Störsender sein

Wenn Quorum Sensing bakterielle Kommunikation ist, dann bedeutet Quorum Quenching im Grunde das Stören, Abschwächen oder gezielte Unterbrechen dieser Kommunikation. Das ist deshalb so spannend, weil pathogene oder dysbiotische Bakterien viele ihrer problematischen Eigenschaften nicht einfach „alleine“ entfalten, sondern erst dann, wenn sie sich kollektiv organisieren können. Dazu gehören z. B. Biofilmbildung, koordinierte Virulenz, Toxinexpression oder andere Überlebensstrategien.

Bestimmte nützliche Bakterien – darunter auch Bacillus-Arten, wie sie in sporenbasierten Probiotika vorkommen – scheinen in der Lage zu sein, genau diese Signalwege zu stören. Sie töten also nicht unbedingt einfach alles ab, sondern können das Verhalten anderer Mikroben modulieren, indem sie deren Kommunikationssysteme blockieren oder fehlleiten. Das ist ein sehr viel eleganteres und biologisch plausibleres Modell als die alte Vorstellung von „gute gegen schlechte Keime”.

Sporenbasierte Probiotika wirken möglicherweise eher als ökologische Modulatoren

Wenn wir dieses neuere Verständnis ernst nehmen, dann sind gezielte Probiotika nicht in erster Linie kleine Kolonisierer, die den Darm neu aufbauen. Vielmehr könnten sie als temporäre ökologische Modulatoren wirken:

  1. Sie treten in ein bestehendes Milieu ein.
  2. Sie „lesen“ das Umfeld.
  3. Sie erkennen vermutlich, ob dort vermehrt dysbiotische Aktivität, Biofilmbildung oder pathogene Signaldichte vorhanden ist.
  4. Sie passen ihr Verhalten entsprechend an.

Das ist auch der Grund, warum ich den Vergleich mit einer Art Schwarm- oder Hive-Mind-Logik hilfreich finde. Natürlich ist das biologisch kein echtes Bewusstsein – es beschreibt ganz gut, dass diese Organismen nicht isoliert, sondern kooperativ, signalabhängig und kontextsensitiv handeln. Gerade im Darm ist das relevant: Hier finden nicht einfach nur bakterielle „Populationen“ statt, sondern ein ständiges Wechselspiel aus Nahrungsbestandteilen, Verdauungssekreten, Motilität, Immunantwort, Metaboliten, postbiotischen Effekten, Biofilmen und mikrobieller Kommunikation. In so einem System ist es wenig sinnvoll, Probiotika nur nach dem Motto „mehr Bakterien = besser“ zu beurteilen.

Ein gutes Beispiel: das Thema Endotoxämie

Ein Bereich, in dem sporenbasierte Probiotika besonders interessant geworden sind, ist Endotoxämie (ein Zustand, bei dem Membranbestandteile gramnegativer Bakterien aus dem Darm in das Blut übergehen). In der Studie von McFarlin wurden zunächst gesunde Männer und Frauen darauf untersucht, ob ihr Endotoxin Level nach einer Mahlzeit stark anstieg. Diejenigen, die als „Responder“ galten, erhielten anschließend 30 Tage lang entweder ein Placebo oder ein sporenbasiertes Probiotikum mit mehreren Bacillus-Stämmen. Danach wurde der Test wiederholt.

Das Ergebnis: In der Probiotika-Gruppe kam es zu einer 42 %igen Reduktion des Endotoxins und einer 24 %igen Reduktion der Triglyzeride (Blutfette) im postprandialen Zeitraum; zusätzlich gingen die Interleukine IL-12p70 und IL-1β (körpereigene Botenstoffe der Zellen des Immunsystems) signifikant zurück. Kurzum gesagt: Das Probiotikum hat offenbar dazu beigetragen, dass nach dem Essen weniger belastende Stoffe ins Blut gelangen und Entzündungsreaktionen reduziert werden.

Wichtig ist hier die Einordnung: Lipopolysaccharide bzw. Endotoxine sind nicht per se „das Böse“ im Darmlumen. Sie sind ein normaler Bestandteil gramnegativer Bakterien. Problematisch wird es dann, wenn solche bakteriellen Bestandteile oder damit verbundene inflammatorische Signale in unangemessenem Maß durch die Darm-Barriere gelangen und systemisch wirken. Genau deshalb ist das Thema postprandiale Endotoxämie klinisch so interessant: Es verbindet Darmmilieu, Barrierefunktion, Mahlzeitenzusammensetzung, mikrobielle Aktivität und Entzündungsdynamik in einem einzigen Modell.

Warum das besonders für den Dünndarm spannend ist

Was wir über den Dickdarm wissen, wird oft vorschnell auf den gesamten Darm übertragen. Der Dünndarm ist physiologisch eine andere Landschaft als der Dickdarm: Hier laufen Nährstoffaufschluss, Emulgierung, Enzymaktivität, Gallensäurenfluss, Transit, Schleimhautkontakt und immunologische Überwachung besonders dicht und dynamisch ab. Gleichzeitig ist die mikrobielle Dichte geringer als im Kolon, was bedeutet, dass Signale, Metaboliten und lokale Interaktionen unter Umständen eine überproportional große Rolle spielen.

Genau hier stehen wir wissenschaftlich noch relativ am Anfang. Wir beginnen erst langsam zu verstehen, wie komplex die Wechselwirkungen im Dünndarm tatsächlich sind: zwischen Nährstoffaufnahme, Verdauungsprozessen, nützlichen Bakterien, opportunistischen Keimen, Biofilmen, postbiotischen Stoffwechselprodukten und der Frage, wie all diese Komponenten sich gegenseitig beeinflussen. Quorum Sensing und Quorum Quenching liefern hier einen wichtigen Hinweis: Die Dinge sind im Dünndarm wahrscheinlich viel raffinierter, kontextabhängiger und weniger linear, als wir lange angenommen haben.

Was daran eigentlich das Spannendste ist

Das wirklich Spannende ist, dass wir vieles noch gar nicht verstanden haben, und dass wir allmählich merken, wie wenig das alte Modell ausgereicht hat:

  • Probiotika wirken möglicherweise nicht in erster Linie dadurch, dass sie dauerhaft „ansiedeln“.
  • Probiotika wirken vielleicht auch nicht vor allem dadurch, dass sie einfach nur mehr „gute“ Bakterien liefern.
  • Probiotika wirken eher dadurch, dass sie kommunizieren, wahrnehmen, regulieren, modulieren und in bestehende mikrobielle Netzwerke eingreifen.

Gerade sporenbasierte Organismen scheinen uns hier ein Fenster in ein viel intelligenteres ökologisches Verständnis des Darms zu öffnen. Und das ist aus meiner Sicht die eigentliche Botschaft: Nicht, dass Probiotika nutzlos wären, wenn sie nicht dauerhaft kolonisieren – sondern dass wir erst jetzt anfangen zu begreifen, wie sie überhaupt wirken könnten.


Referenzen (Englisch)

  1. McFarlin BK et al. (2017) – Oral spore-based probiotic supplementation was associated with reduced incidence of post-prandial dietary endotoxin, triglycerides, and disease risk biomarkers.
  2. Piewngam P et al. (2018) – Pathogen elimination by probiotic Bacillus via signaling interference. Relevanz: Schlüsselarbeit. Zeigt, dass probiotische Bacillus-Stämme S. aureus über Störung des Agr-Quorum-Sensings zurückdrängen; mechanistischer Schwerpunkt auf Fengycinen.
  3. Piewngam P et al. (2023) – Probiotic for pathogen-specific Staphylococcus aureus decolonisation in Thailand: a phase 1/2, double-blind, randomised, placebo-controlled trial. Relevanz: Klinische Weiterführung des Bacillus-S. aureus-Ansatzes; zeigt, dass das Konzept der pathogen-spezifischen Dekolonisierung mit probiotischem B. subtilis inzwischen translational weiterentwickelt wurde.
  4. Leistikow KR et al. (2024) – Bacillus subtilis-derived peptides disrupt quorum sensing and biofilm assembly in multidrug-resistant Staphylococcus aureus. Relevanz: Neuere mechanistische Arbeit; B. subtilis-abgeleitete Peptide/Lipopeptide hemmen Biofilme und stören Agr-abhängige QS-Prozesse bei S. aureus.
  5. Oliveira RA et al. (2023) – Deciphering the quorum-sensing lexicon of the gut microbiota. Relevanz: Sehr gute Übersichtsarbeit zum Stand der QS-Forschung im Darm; ordnet ein, dass mikrobielle Kommunikation im Darm weit über klassische Pathogenmodelle hinausgeht und auch probiotische bzw. kommensale Interaktionen betrifft.
  6. Zhu J et al. (2023) – Mechanisms of probiotic Bacillus against enteric bacterial infections. Relevanz: Review mit Fokus auf die Mechanismen probiotischer Bacillus-Stämme; beschreibt QS-Moleküle, Pentapeptide, Surfactin-regulierte Prozesse und Interaktionen mit Barrierefunktion und Pathogenen.
  7. Ghelardi E et al. (2022) – Current Progress and Future Perspectives on the Use of Bacillus clausii. Relevanz: Überblick zu B. clausii als sporenbasiertem Probiotikum; nicht die stärkste QS-Arbeit, aber nützlich, wenn du die klinische Relevanz von sporenbildenden Bacillus-Arten breiter einordnen willst.
  8. Zmora N et al. (2018) – Personalized gut mucosal colonization resistance to empiric probiotics is associated with unique host and microbiome features. Relevanz: Wichtig für deine Grundaussage, dass Probiotika oft nicht dauerhaft kolonisieren und ihre Effekte eher individuell und transient sein können.

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Probiotika und Sporenbilder für Darmgesundheit

Was sind sporenbildende Probiotika – und wie helfen Sporenbildner Deinem Darm?

Wenn es Dir um die Förderung Deiner Darmgesundheit geht, dann hast Du sicherlich schon von Probiotika gehört – lebenden Mikroorganismen, die auch in deinem Darm vorkommen und dessen Einnahme in ausreichend hohen Dosen deine Darmflora unterstützen soll. Wusstest Du, dass es viele unterschiedliche Arten von Probiotika gibt und sie alle Unterschiede aufweisen? In unserem Probiotika Guide haben wir Dir die Unterschiede bereits erklärt – hier hingegen geht es um eine ganz spezielle Gruppe im Detail: die sporenbildenden Probiotika. Im Gegensatz zu vielen anderen klassischen Probiotika sollen diese nämlich besser im Magen überleben können – die Hürde, an der viele Bakterien scheitern. Deshalb geht es heute genau um diese Mechanismen und die potenziellen Vorteile von Sporenbildnern.

Übrigens: Wir recherchieren und schreiben unsere Artikel in Zeiten künstlicher Intelligenz noch selbst – das erkennst Du auch an den vielen wissenschaftlichen Referenzen im und am Ende dieses Beitrags. Nur so können wir unserem eigenen Qualitätsanspruch gerecht werden. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

Was sind sporenbildende Probiotika?

Probiotika sind keineswegs eine einheitliche Gruppe von Bakterien. Vermutlich kennst Du die klassischen Lactobacillus- und Bifidobacterium-Stämme, die sich in fast jedem Produkt befinden. Diese sind aktive Bakterien ohne besondere Schutzhülle, die in Deinem Darm Teil der normalen Darmflora sind. Das Ziel mit der Gabe dieser Bakterien ist, die Magensäure zu überwinden, sich im Darm anzusiedeln und die Darmflora damit anzureichern. Was wir mittlerweile jedoch wissen: Dies findet nur begrenzt statt; ein großer Teil der zugeführten Probiotika befindet sich nur vorübergehend im Darm – sie siedeln sich aber nicht an. Zudem sind diese Bakterien wie erwähnt von vornherein aktiv und angreifbar; deshalb ist unklar, wie viele tatsächlich den Magen und die Magensäure überleben.

Sporen-Probiotika hingegen besitzen einen sogenannten Schutzmantel, weil sie unter ungünstigen Bedingungen aus ihrem aktiven Zustand sogenannte Endosporen bilden können: Das Bakterium strukturiert sich um, bildet einen besonders widerstandsfähigen Schutzmantel und geht – wenn wir so möchten – in eine Art „Winterschlaf“. Wenn die Endospore wieder von besseren Konditionen umgeben ist, kann sie erneut keimen – beispielsweise im Dünndarm nach Durchlaufen des Magens und der dort enthaltenen Säure. Diesen Überlebensvorteil wollen wir uns also genauer angucken, um den entscheidenden Unterschied von Sporen zu aktiven Bakterien zu verstehen.

Probiotika und Sporenbilder für Darmgesundheit

Magensaftresistente Probiotika – Sporenbildner als Überlebenskünstler

Im Vergleich zu klassischen Probiotika wird postuliert, dass Sporenbildner gegenüber so gut wie allen Einflüssen resistent sind. Die Idee hinter diesen Probiotika stammt aus der Forschung gegen die Bekämpfung von pathogenen sporenbildenden Bakterien – also Krankheitserregern, die ebenfalls diese Sporenbildung als Fähigkeit besitzen. Weiterhin entdeckte Sporen untersucht, die zum Teil vor Tausenden von Jahren sporuliert waren (Sporulation beschreibt den Prozess der Sporenbildung).

Auch wenn Sporenbildner sehr resistent sind, gibt es auch zu ihnen Evidenz bezüglich deren Haltbarkeit1,2,3. Im Folgenden wollen wir Lactobazillen und Sporenbilder einmal gegenüberstellen: 

Umweltbedingung Lactobacillen/Bifidobacterien Bacillus-Arten (Sporenbildner)
Hitze (z. B. Kochen, Backen oder Pasteurisierung) Diese Bakterien sind empfindlich – beim Erwärmen gehen viele verloren. Beispiel: Wenn Du Joghurt stark erhitzt, überleben nur wenige. Sehr hitzestabil – fast alle überleben, auch längere Pasteurisierung. So bleiben sie auch nach warmer Verarbeitung aktiv.
Magensäure (natürliche Schutzbarriere gegen Keime) Viele Bakterien werden sofort abgetötet, nur 10.000–100.000 überleben pro Kapsel. Beispiel: Nach Einnahme einer Kapsel erreichen nur ein kleiner Teil den Darm. Sporen überstehen die Magensäure gut und gelangen lebend in den Darm, auch nach mehreren Stunden.
Lagerung über längere Zeit Weniger stabil – ihre Zahl nimmt mit der Zeit ab. Beispiel: Joghurt oder Probiotika verlieren nach Monaten merklich an Wirksamkeit. Langzeitstabil: Auch nach über 1,5 Jahren Lagerung bleibt eine große Menge lebendig. Produkte bleiben somit länger wirksam.
Gefriertrocknung (Herstellung) Brauchen Schutzstoffe, damit sie den Prozess überleben. Beispiel: Pulverisierte Probiotika werden oft stabilisiert. Sehr robust – überstehen Gefriertrocknung ohne große Verluste.

Fazit: Sporenbildende Probiotika zeigen also unter den meisten Stressbedingungen konsistente und erhebliche Vorteile in der Überlebensfähigkeit im Vergleich zu nicht sporenbildenden Probiotika.

Die dramatischsten Unterschiede treten vermutlich unter Magensäurebedingungen auf, wo nicht sporenbildende Probiotika oft eine rasche Inaktivierung erfahren, während sporenbildende Stämme eine nahezu vollständige Lebensfähigkeit beibehalten.
Sporenbildner haben also eine besonders gute Haltbarkeit und Stabilität. Aber welche der vielen Bakterienarten, die Du auf der Inhaltsstoffliste lesen kannst, gehören denn zu den Sporenbildnern? Und haben diese untereinander auch Unterschiede? Das wollen wir uns jetzt anschauen.

Welche sporenbildenden Probiotika gibt es?

Kurzum gibt es besonders zwei sporenbildende Gattungen, die Du dir merken solltest: Die Bacillus- und die Clostridium-Gruppe. Vielleicht kennst du den Begriff Clostridien von Infektionserkrankungen? Tatsache ist nämlich, dass es unter den Sporenbildnern “positive” Arten gibt, die wir dann als Probiotika klassifizieren, zum Beispiel C. butyricum. Es gibt aber auch Krankheitserreger wie C. tetani (Tetanus) und C. botulinum. Auch bei der Bacillus-Gattung gibt es probiotische Arten: B. coagulans, B. subtilis und B. clausii (mehr zu diesen weiter unten.) Andere hingegen, wie etwa B. cereus, können Lebensmittelvergiftungen verursachen.

Dieser kleine Exkurs soll Dir zeigen, dass es durchaus darauf ankommt, von welchen Bakterien wir sprechen, da sie unterschiedliche Funktionen haben. Aber: Keine Angst vor Sporenbildnern als Probiotika – die klassischen probiotischen Arten haben keinen Krankheitswert. Gehen wir kurz auf die angesprochenen Bacillus-Arten an, die in der Probiotika-Welt am interessantesten sind:

  • Bacillus coagulans

    Bacillus coagulans ist ein spezielles Probiotikum. Es ist nämlich nicht Teil der natürlichen Darmflora und siedelt sich auch nicht an – wie kann es dann überhaupt Effekte haben?

    Sobald es im Dünndarm angekommen ist, kann sich die Spore “wiederbeleben” und das Bakterium sich vermehren. Wenn es wieder einen aktiven Stoffwechsel hat, produziert es Milchsäure. Diese wiederum hat einen positiven Effekt auf den pH und das generelle Milieu4 – ein Problem bei vielen SIBO- und Reizdarm-Patienten. Die Verbesserung des Milieus über weitere Stoffwechselprodukte kann außerdem den Gehalt an anderen hilfreichen Bakterien der Darmflora erhöhen. B. coagulans LBSC beispielsweise hat sich hilfreich bei der Behandlung des Reizdarmsyndroms erwiesen, da es Symptome wie Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfälle signifikant vermindern konnte5.

    Einige B. coagulans Stämme können auch Bakteriocine und bakteriocin-ähnliche Substanzen produzieren6. Das sind antimikrobielle Peptide, die das Wachstum und die Lebensfähigkeit pathogener Keime beeinträchtigen.

  • Bacillus subtilis

    Eben solche antimikrobiellen Peptide werden auch von einigen Bacillus subtilis Stämmen produziert – diese sind bekannt für ihre kompetitive Verdrängung und Hemmung pathogener Keime7. Im Gegensatz zu B. coagulans ist B. subtilis Teil der Darmflora; zugeführte Sporen in Probiotika kolonisieren den Darm aber nicht8.

    Neben der antimikrobiellen Aktivität werden ihnen viele weitere positive Effekte nachgesagt. So konnte in Bezug auf einige B. subtilis Stämme wie DE111 oder BS50 gezeigt werden, dass sie Blähungen reduzieren oder die Stuhlkonsistenz normalisieren konnten, sowie antiinflammatorische Effekte zeigten und protektiv auf die Darmbarriere wirkten.8 Inwiefern diese Effekte auf andere B. subtilis Stämme übertragen werden können, wird sich noch zeigen.

  • Bacillus clausii

    B. clausii Stämme haben in der Vergangenheit besonders viel Anwendung in der Lebensmittelindustrie erfahren, da sie mit am widerstandsfähigsten sind. Etwas weniger Evidenz gibt es zur Nutzung im probiotischen Kontext, wobei besonders zu B. clausii die letzten Jahre das Interesse zugenommen hat. So gibt es Hinweise darauf, dass diesem Bakterium besonders immunmodulatorische Effekte zugeschrieben werden können – unter anderem aufgrund antimikrobieller Aktivität, ähnlich wie bei anderen Bacillus-Arten, aber auch aufgrund immunstimulierender Effekte aufgrund seiner Oberfläche9.

    In Studien mit Kindern und Erwachsenen mit Heuschnupfen (allergische Rhinitis) konnte gezeigt werden, dass B. clausii das Immunsystem in eine günstigere Richtung unterstützt10. Normalerweise ist bei Heuschnupfen ein Ungleichgewicht im Immunsystem vorhanden, das bestimmte Abwehrstoffe (sogenannte Zytokine) stärker aktiviert. Die Einnahme von B. clausii kann helfen, dieses Gleichgewicht wiederherzustellen. Außerdem wird B. clausii häufig eingesetzt, um die Beschwerden während einer Behandlung mit Antibiotika gegen Helicobacter pylori11 zu lindern, sowie zur Verhinderung anderer antibiotika-assoziierter Diarrhö12.

Jetzt weißt Du schon etwas mehr über einzelne Stämme. Fassen wir die Effekte sporenbildender Probiotika nochmals zusammen.

Wie helfen sporenbildende Probiotika Deinem Darm?

Sporenbildende Probiotika wie B. coagulans, B. subtilis und B. clausii wirken über mehrere, sich ergänzende Mechanismen – und genau das macht sie besonders interessant.

Ihr entscheidender Vorteil gegenüber klassischen Probiotika beginnt bereits vor dem Darm: Dank ihrer Sporenstruktur überstehen sie Magensäure, Hitze und Lagerung weitgehend unbeschadet und erreichen den Dünndarm in deutlich höherer Anzahl als viele nicht sporenbildende Stämme. Dort angekommen, keimen sie aus und entfalten ihre Wirkung transient, was gerade für SIBO-Patienten interessant ist.

Im Darm selbst greifen mehrere Wirkmechanismen ineinander:

  • Milieuverbesserung: B. coagulans produziert Milchsäure und beeinflusst so den pH-Wert im Darm positiv – was besonders bei Reizdarm und SIBO relevant ist
  • Antimikrobielle Aktivität: Bacillus-Arten produzieren Bakteriocine und antimikrobielle Lipopeptide, die pathogene Keime hemmen und so das Gleichgewicht der Darmflora stabilisieren
  • Barriereschutz: Klinische Studien mit Bacillus-Sporenmischungen zeigten beim Menschen in einer kleineren Studie eine Reduktion der sogenannten metabolischen Endotoxämie – also der Menge an bakteriellen “Giftstoffen” (Lipopolysaccharide), die nach dem Essen ins Blut übertreten – um bis zu 42%13; das deutet auf eine Stärkung der Darmbarriere hin, die bei Reizdarm oft beeinträchtigt ist
  • Immunmodulation: B. clausii beeinflusst das Zytokinprofil – z. B. durch eine Verschiebung in Richtung Th1-Immunantwort und Reduktion proinflammatorischer Zytokine wie IL-1β und IL-12
  • Symptomkontrolle bei Reizdarm und funktionellen Beschwerden: Mehrere randomisierte, kontrollierte Studien zeigten signifikante Verbesserungen von Bauchschmerzen, Blähungen und Stuhlkonsistenz – sowohl bei Durchfall- als auch bei Verstopfungs-betontem Reizdarm
  • Unterstützung bei Antibiotikaeinnahme: Speziell B. clausii zeigte eine signifikante Reduktion antibiotika-assoziierter Durchfälle (AAD)

Zusammenfassung

Soviel auch über Probiotika und Sporenbilder mittlerweile bekannt ist – und wir hoffen Dir mit diesem und unseren weiteren Artikeln einen hilfreichen Einblick zu verschaffen – eine Menge an Fragen sind noch nicht geklärt. Das Forschungsgebiet zu sporenbildenden Bakterien als Probiotika ist nämlich nach wie vor jung. Bis dahin können wir aber schon mit der bisherigen Evidenz arbeiten: Es gibt bereits Stämme, die von Lebensmittelbehörden auf Sicherheit geprüft wurden und positive Erfahrungsberichte sowie klinische Studien besonders beim Reizdarmsyndrom, Durchfall sowie der antimikrobiellen Aktivität und der Verbesserung des Darmmilieus. Letztere beiden Aspekte können besonders im Kontext SIBO (Dünndarmfehlbesiedlung) hilfreich sein.


Referenzen (Englisch)

  1. Majeed, M., Majeed, S., Arumugam, S., Ali, F., & Beede, K. (2021). Comparative evaluation for thermostability and gastrointestinal survival of probiotic Bacillus coagulans MTCC 5856. Bioscience, biotechnology, and biochemistry, 85(4), 962–971. https://doi.org/10.1093/bbb/zbaa116
  2. Fajardo-Cavazos, P., & Nicholson, W. L. (2021). Shelf Life and Simulated Gastrointestinal Tract Survival of Selected Commercial Probiotics During a Simulated Round-Trip Journey to Mars. Frontiers in microbiology, 12, 748950. https://doi.org/10.3389/fmicb.2021.748950
  3. Brachkova, M. I., Duarte, A., & Pinto, J. F. (2009). Evaluation of the viability of Lactobacillus spp. after the production of different solid dosage forms. Journal of pharmaceutical sciences, 98(9), 3329–3339. https://doi.org/10.1002/jps.21609
  4. Payne, J., Bellmer, D., Jadeja, R., & Muriana, P. (2024). The Potential of Bacillus Species as Probiotics in the Food Industry: A Review. Foods (Basel, Switzerland), 13(15), 2444. https://doi.org/10.3390/foods13152444
  5. Gupta, A. K., & Maity, C. (2021). Efficacy and safety of Bacillus coagulans LBSC in irritable bowel syndrome: A prospective, interventional, randomized, double-blind, placebo-controlled clinical study [CONSORT Compliant]. Medicine, 100(3), e23641. https://doi.org/10.1097/MD.0000000000023641
  6. Honda, H., Gibson, G. R., Farmer, S., Keller, D., & McCartney, A. L. (2011). Use of a continuous culture fermentation system to investigate the effect of GanedenBC30 (Bacillus coagulans GBI-30, 6086) supplementation on pathogen survival in the human gut microbiota. Anaerobe, 17(1), 36–42. https://doi.org/10.1016/j.anaerobe.2010.12.006
  7. ​​Khochamit, N., Siripornadulsil, S., Sukon, P., & Siripornadulsil, W. (2015). Antibacterial activity and genotypic-phenotypic characteristics of bacteriocin-producing Bacillus subtilis KKU213: potential as a probiotic strain. Microbiological research, 170, 36–50. https://doi.org/10.1016/j.micres.2014.09.004
  8. Williams, N., & Weir, T. L. (2024). Spore-Based Probiotic Bacillus subtilis: Current Applications in Humans and Future Perspectives. Fermentation, 10(2), 78. https://doi.org/10.3390/fermentation10020078
  9. Villéger, R., Saad, N., Grenier, K., Falourd, X., Foucat, L., Urdaci, M. C., Bressollier, P., & Ouk, T. S. (2014). Characterization of lipoteichoic acid structures from three probiotic Bacillus strains: involvement of D-alanine in their biological activity. Antonie van Leeuwenhoek, 106(4), 693–706. https://doi.org/10.1007/s10482-014-0239-8
  10. Wong-Chew, R. M., de Castro, J. A., Morelli, L., Perez, M., & Ozen, M. (2022). Gut immune homeostasis: the immunomodulatory role of Bacillus clausii, from basic to clinical evidence. Expert review of clinical immunology, 18(7), 717–729. https://doi.org/10.1080/1744666X.2022.2085559
  11. Nista, E. C., Candelli, M., Cremonini, F., Cazzato, I. A., Zocco, M. A., Franceschi, F., Cammarota, G., Gasbarrini, G., & Gasbarrini, A. (2004). Bacillus clausii therapy to reduce side-effects of anti-Helicobacter pylori treatment: randomized, double-blind, placebo controlled trial. Alimentary pharmacology & therapeutics, 20(10), 1181–1188. https://doi.org/10.1111/j.1365-2036.2004.02274.x
  12. Abreu, A. T., Vázquez Frías, R., Boggio Marzet, C., Stefanolo, J. P., Concha Mejía, A., Bustos Fernández, L., Laudanno, O., Rosa, D., Cruz Serrano, M. C., Cárdenas, K., & Zuluaga, J. (2025). Effectiveness of Bacillus clausii (O/C, N/R, SIN, T) in the Prevention of Antibiotic-Associated Diarrhea and Gastrointestinal Symptoms: A Systematic Review. Antibiotics (Basel, Switzerland), 14(5), 439. https://doi.org/10.3390/antibiotics14050439
  13. McFarlin, B. K., Henning, A. L., Bowman, E. M., Gary, M. A., & Carbajal, K. M. (2017). Oral spore-based probiotic supplementation was associated with reduced incidence of post-prandial dietary endotoxin, triglycerides, and disease risk biomarkers. World journal of gastrointestinal pathophysiology, 8(3), 117–126. https://doi.org/10.4291/wjgp.v8.i3.117

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