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Quorum Sensing und Quorum Quenching bei sporenbasierten Bakterien

Sporenbasierte Probiotika: Ein mikrobielles Intelligenzsystem

Ein Gastbeitrag von Lauren Steinmann.


Viele Menschen stellen sich Probiotika noch immer sehr vereinfacht vor: Man nimmt ein paar „gute“ Bakterien ein, diese siedeln sich im Darm an, vermehren sich dort und bauen die Darmflora wieder auf. Das klingt eingängig – ist aber wahrscheinlich in vielen Fällen nicht das, was tatsächlich passiert.

Denn wir wissen inzwischen: Viele Probiotika kolonisieren den Darm nicht dauerhaft. Ihre Wirkung scheint oft eher transient und individuell zu sein. Das heißt: Sie reisen einmal durch den Darmtrakt, interagieren mit dem Darmmilieu, senden Signale, beeinflussen Prozesse – und verschwinden dann wieder. Genau das macht sie aber nicht unwirksam. Im Gegenteil: Vielleicht haben wir nur lange mit dem falschen Modell auf Probiotika geschaut?

Gerade sporenbasierte Bakterien sind in diesem Zusammenhang besonders interessant. Denn es könnte sein, dass ihr Nutzen viel weniger darin liegt, den Darm „neu zu besiedeln“ – sondern vielmehr darin, dass sie die mikrobielle Umgebung wahrnehmen, bewerten und darauf reagieren.

An dieser Stelle möchte ich zwei Konzepte ins Spiel bringen, die meines Erachtens mehr Aufmerksamkeit verdienen: Quorum Sensing und Quorum Quenching.

Quorum Sensing: Bakterien sind keine passiven Einzelgänger

Bakterien verhalten sich nicht einfach wie isolierte Einzeller, die blind vor sich hinleben. Sie kommunizieren untereinander über chemische Signale. Dieses Phänomen nennt man Quorum Sensing.

Vereinfacht gesagt: Bakterien „messen“, wie viele andere Mikroben in ihrer Umgebung vorhanden sind und welche Signale dort bereits zirkulieren. Wenn bestimmte Signalstoffe eine kritische Konzentration erreichen, verändern sich die Genaktivität und das Verhalten der Bakterien. Dann geht es plötzlich nicht mehr nur um bloße Anwesenheit, sondern um koordinierte Reaktionen: Biofilmaufbau, Adhäsion, Virulenz, Stoffwechselanpassungen, Sporulation oder die Produktion bestimmter Metabolite.

Das ist der Punkt, an dem das alte Bild von Probiotika als bloßem „Auffüllen guter Bakterien“ zu kurz greift. Denn wenn Bakterien in kollektiven, signalgesteuerten Netzwerken agieren, dann können auch Probiotika wirken, ohne dauerhaft Fuß zu fassen. Es reicht möglicherweise, dass sie vorübergehend ein Teil dieses Netzwerks sind, die Lage erfassen und die laufende mikrobielle Kommunikation beeinflussen. Genau darin könnte ein wesentlicher Teil ihres Nutzens für uns liegen.

Lauren Steinman ist Doktorin der Naturheilkunde (National University of Natural Medicine, Portland, Oregon, USA, Jahrgang 2017), Heilpraktikerin, Expertin für Dünndarmfehlbesiedelung (SIBO), sowie Mitglied des wissenschaftlichen Beirats bei MIBIOTA.

Quorum Quenching: Bakterien können Störsender sein

Wenn Quorum Sensing bakterielle Kommunikation ist, dann bedeutet Quorum Quenching im Grunde das Stören, Abschwächen oder gezielte Unterbrechen dieser Kommunikation. Das ist deshalb so spannend, weil pathogene oder dysbiotische Bakterien viele ihrer problematischen Eigenschaften nicht einfach „alleine“ entfalten, sondern erst dann, wenn sie sich kollektiv organisieren können. Dazu gehören z. B. Biofilmbildung, koordinierte Virulenz, Toxinexpression oder andere Überlebensstrategien.

Bestimmte nützliche Bakterien – darunter auch Bacillus-Arten, wie sie in sporenbasierten Probiotika vorkommen – scheinen in der Lage zu sein, genau diese Signalwege zu stören. Sie töten also nicht unbedingt einfach alles ab, sondern können das Verhalten anderer Mikroben modulieren, indem sie deren Kommunikationssysteme blockieren oder fehlleiten. Das ist ein sehr viel eleganteres und biologisch plausibleres Modell als die alte Vorstellung von „gute gegen schlechte Keime”.

Sporenbasierte Probiotika wirken möglicherweise eher als ökologische Modulatoren

Wenn wir dieses neuere Verständnis ernst nehmen, dann sind gezielte Probiotika nicht in erster Linie kleine Kolonisierer, die den Darm neu aufbauen. Vielmehr könnten sie als temporäre ökologische Modulatoren wirken:

  1. Sie treten in ein bestehendes Milieu ein.
  2. Sie „lesen“ das Umfeld.
  3. Sie erkennen vermutlich, ob dort vermehrt dysbiotische Aktivität, Biofilmbildung oder pathogene Signaldichte vorhanden ist.
  4. Sie passen ihr Verhalten entsprechend an.

Das ist auch der Grund, warum ich den Vergleich mit einer Art Schwarm- oder Hive-Mind-Logik hilfreich finde. Natürlich ist das biologisch kein echtes Bewusstsein – es beschreibt ganz gut, dass diese Organismen nicht isoliert, sondern kooperativ, signalabhängig und kontextsensitiv handeln. Gerade im Darm ist das relevant: Hier finden nicht einfach nur bakterielle „Populationen“ statt, sondern ein ständiges Wechselspiel aus Nahrungsbestandteilen, Verdauungssekreten, Motilität, Immunantwort, Metaboliten, postbiotischen Effekten, Biofilmen und mikrobieller Kommunikation. In so einem System ist es wenig sinnvoll, Probiotika nur nach dem Motto „mehr Bakterien = besser“ zu beurteilen.

Ein gutes Beispiel: das Thema Endotoxämie

Ein Bereich, in dem sporenbasierte Probiotika besonders interessant geworden sind, ist Endotoxämie (ein Zustand, bei dem Membranbestandteile gramnegativer Bakterien aus dem Darm in das Blut übergehen). In der Studie von McFarlin wurden zunächst gesunde Männer und Frauen darauf untersucht, ob ihr Endotoxin Level nach einer Mahlzeit stark anstieg. Diejenigen, die als „Responder“ galten, erhielten anschließend 30 Tage lang entweder ein Placebo oder ein sporenbasiertes Probiotikum mit mehreren Bacillus-Stämmen. Danach wurde der Test wiederholt.

Das Ergebnis: In der Probiotika-Gruppe kam es zu einer 42 %igen Reduktion des Endotoxins und einer 24 %igen Reduktion der Triglyzeride (Blutfette) im postprandialen Zeitraum; zusätzlich gingen die Interleukine IL-12p70 und IL-1β (körpereigene Botenstoffe der Zellen des Immunsystems) signifikant zurück. Kurzum gesagt: Das Probiotikum hat offenbar dazu beigetragen, dass nach dem Essen weniger belastende Stoffe ins Blut gelangen und Entzündungsreaktionen reduziert werden.

Wichtig ist hier die Einordnung: Lipopolysaccharide bzw. Endotoxine sind nicht per se „das Böse“ im Darmlumen. Sie sind ein normaler Bestandteil gramnegativer Bakterien. Problematisch wird es dann, wenn solche bakteriellen Bestandteile oder damit verbundene inflammatorische Signale in unangemessenem Maß durch die Darm-Barriere gelangen und systemisch wirken. Genau deshalb ist das Thema postprandiale Endotoxämie klinisch so interessant: Es verbindet Darmmilieu, Barrierefunktion, Mahlzeitenzusammensetzung, mikrobielle Aktivität und Entzündungsdynamik in einem einzigen Modell.

Warum das besonders für den Dünndarm spannend ist

Was wir über den Dickdarm wissen, wird oft vorschnell auf den gesamten Darm übertragen. Der Dünndarm ist physiologisch eine andere Landschaft als der Dickdarm: Hier laufen Nährstoffaufschluss, Emulgierung, Enzymaktivität, Gallensäurenfluss, Transit, Schleimhautkontakt und immunologische Überwachung besonders dicht und dynamisch ab. Gleichzeitig ist die mikrobielle Dichte geringer als im Kolon, was bedeutet, dass Signale, Metaboliten und lokale Interaktionen unter Umständen eine überproportional große Rolle spielen.

Genau hier stehen wir wissenschaftlich noch relativ am Anfang. Wir beginnen erst langsam zu verstehen, wie komplex die Wechselwirkungen im Dünndarm tatsächlich sind: zwischen Nährstoffaufnahme, Verdauungsprozessen, nützlichen Bakterien, opportunistischen Keimen, Biofilmen, postbiotischen Stoffwechselprodukten und der Frage, wie all diese Komponenten sich gegenseitig beeinflussen. Quorum Sensing und Quorum Quenching liefern hier einen wichtigen Hinweis: Die Dinge sind im Dünndarm wahrscheinlich viel raffinierter, kontextabhängiger und weniger linear, als wir lange angenommen haben.

Was daran eigentlich das Spannendste ist

Das wirklich Spannende ist, dass wir vieles noch gar nicht verstanden haben, und dass wir allmählich merken, wie wenig das alte Modell ausgereicht hat:

  • Probiotika wirken möglicherweise nicht in erster Linie dadurch, dass sie dauerhaft „ansiedeln“.
  • Probiotika wirken vielleicht auch nicht vor allem dadurch, dass sie einfach nur mehr „gute“ Bakterien liefern.
  • Probiotika wirken eher dadurch, dass sie kommunizieren, wahrnehmen, regulieren, modulieren und in bestehende mikrobielle Netzwerke eingreifen.

Gerade sporenbasierte Organismen scheinen uns hier ein Fenster in ein viel intelligenteres ökologisches Verständnis des Darms zu öffnen. Und das ist aus meiner Sicht die eigentliche Botschaft: Nicht, dass Probiotika nutzlos wären, wenn sie nicht dauerhaft kolonisieren – sondern dass wir erst jetzt anfangen zu begreifen, wie sie überhaupt wirken könnten.


Referenzen (Englisch)

  1. McFarlin BK et al. (2017) – Oral spore-based probiotic supplementation was associated with reduced incidence of post-prandial dietary endotoxin, triglycerides, and disease risk biomarkers.
  2. Piewngam P et al. (2018) – Pathogen elimination by probiotic Bacillus via signaling interference. Relevanz: Schlüsselarbeit. Zeigt, dass probiotische Bacillus-Stämme S. aureus über Störung des Agr-Quorum-Sensings zurückdrängen; mechanistischer Schwerpunkt auf Fengycinen.
  3. Piewngam P et al. (2023) – Probiotic for pathogen-specific Staphylococcus aureus decolonisation in Thailand: a phase 1/2, double-blind, randomised, placebo-controlled trial. Relevanz: Klinische Weiterführung des Bacillus-S. aureus-Ansatzes; zeigt, dass das Konzept der pathogen-spezifischen Dekolonisierung mit probiotischem B. subtilis inzwischen translational weiterentwickelt wurde.
  4. Leistikow KR et al. (2024) – Bacillus subtilis-derived peptides disrupt quorum sensing and biofilm assembly in multidrug-resistant Staphylococcus aureus. Relevanz: Neuere mechanistische Arbeit; B. subtilis-abgeleitete Peptide/Lipopeptide hemmen Biofilme und stören Agr-abhängige QS-Prozesse bei S. aureus.
  5. Oliveira RA et al. (2023) – Deciphering the quorum-sensing lexicon of the gut microbiota. Relevanz: Sehr gute Übersichtsarbeit zum Stand der QS-Forschung im Darm; ordnet ein, dass mikrobielle Kommunikation im Darm weit über klassische Pathogenmodelle hinausgeht und auch probiotische bzw. kommensale Interaktionen betrifft.
  6. Zhu J et al. (2023) – Mechanisms of probiotic Bacillus against enteric bacterial infections. Relevanz: Review mit Fokus auf die Mechanismen probiotischer Bacillus-Stämme; beschreibt QS-Moleküle, Pentapeptide, Surfactin-regulierte Prozesse und Interaktionen mit Barrierefunktion und Pathogenen.
  7. Ghelardi E et al. (2022) – Current Progress and Future Perspectives on the Use of Bacillus clausii. Relevanz: Überblick zu B. clausii als sporenbasiertem Probiotikum; nicht die stärkste QS-Arbeit, aber nützlich, wenn du die klinische Relevanz von sporenbildenden Bacillus-Arten breiter einordnen willst.
  8. Zmora N et al. (2018) – Personalized gut mucosal colonization resistance to empiric probiotics is associated with unique host and microbiome features. Relevanz: Wichtig für deine Grundaussage, dass Probiotika oft nicht dauerhaft kolonisieren und ihre Effekte eher individuell und transient sein können.

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Probiotika und Sporenbilder für Darmgesundheit

Was sind sporenbildende Probiotika – und wie helfen Sporenbildner Deinem Darm?

Wenn es Dir um die Förderung Deiner Darmgesundheit geht, dann hast Du sicherlich schon von Probiotika gehört – lebenden Mikroorganismen, die auch in deinem Darm vorkommen und dessen Einnahme in ausreichend hohen Dosen deine Darmflora unterstützen soll. Wusstest Du, dass es viele unterschiedliche Arten von Probiotika gibt und sie alle Unterschiede aufweisen? In unserem Probiotika Guide haben wir Dir die Unterschiede bereits erklärt – hier hingegen geht es um eine ganz spezielle Gruppe im Detail: die sporenbildenden Probiotika. Im Gegensatz zu vielen anderen klassischen Probiotika sollen diese nämlich besser im Magen überleben können – die Hürde, an der viele Bakterien scheitern. Deshalb geht es heute genau um diese Mechanismen und die potenziellen Vorteile von Sporenbildnern.

Übrigens: Wir recherchieren und schreiben unsere Artikel in Zeiten künstlicher Intelligenz noch selbst – das erkennst Du auch an den vielen wissenschaftlichen Referenzen im und am Ende dieses Beitrags. Nur so können wir unserem eigenen Qualitätsanspruch gerecht werden. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

Was sind sporenbildende Probiotika?

Probiotika sind keineswegs eine einheitliche Gruppe von Bakterien. Vermutlich kennst Du die klassischen Lactobacillus- und Bifidobacterium-Stämme, die sich in fast jedem Produkt befinden. Diese sind aktive Bakterien ohne besondere Schutzhülle, die in Deinem Darm Teil der normalen Darmflora sind. Das Ziel mit der Gabe dieser Bakterien ist, die Magensäure zu überwinden, sich im Darm anzusiedeln und die Darmflora damit anzureichern. Was wir mittlerweile jedoch wissen: Dies findet nur begrenzt statt; ein großer Teil der zugeführten Probiotika befindet sich nur vorübergehend im Darm – sie siedeln sich aber nicht an. Zudem sind diese Bakterien wie erwähnt von vornherein aktiv und angreifbar; deshalb ist unklar, wie viele tatsächlich den Magen und die Magensäure überleben.

Sporen-Probiotika hingegen besitzen einen sogenannten Schutzmantel, weil sie unter ungünstigen Bedingungen aus ihrem aktiven Zustand sogenannte Endosporen bilden können: Das Bakterium strukturiert sich um, bildet einen besonders widerstandsfähigen Schutzmantel und geht – wenn wir so möchten – in eine Art „Winterschlaf“. Wenn die Endospore wieder von besseren Konditionen umgeben ist, kann sie erneut keimen – beispielsweise im Dünndarm nach Durchlaufen des Magens und der dort enthaltenen Säure. Diesen Überlebensvorteil wollen wir uns also genauer angucken, um den entscheidenden Unterschied von Sporen zu aktiven Bakterien zu verstehen.

Probiotika und Sporenbilder für Darmgesundheit

Magensaftresistente Probiotika – Sporenbildner als Überlebenskünstler

Im Vergleich zu klassischen Probiotika wird postuliert, dass Sporenbildner gegenüber so gut wie allen Einflüssen resistent sind. Die Idee hinter diesen Probiotika stammt aus der Forschung gegen die Bekämpfung von pathogenen sporenbildenden Bakterien – also Krankheitserregern, die ebenfalls diese Sporenbildung als Fähigkeit besitzen. Weiterhin entdeckte Sporen untersucht, die zum Teil vor Tausenden von Jahren sporuliert waren (Sporulation beschreibt den Prozess der Sporenbildung).

Auch wenn Sporenbildner sehr resistent sind, gibt es auch zu ihnen Evidenz bezüglich deren Haltbarkeit1,2,3. Im Folgenden wollen wir Lactobazillen und Sporenbilder einmal gegenüberstellen: 

Umweltbedingung Lactobacillen/Bifidobacterien Bacillus-Arten (Sporenbildner)
Hitze (z. B. Kochen, Backen oder Pasteurisierung) Diese Bakterien sind empfindlich – beim Erwärmen gehen viele verloren. Beispiel: Wenn Du Joghurt stark erhitzt, überleben nur wenige. Sehr hitzestabil – fast alle überleben, auch längere Pasteurisierung. So bleiben sie auch nach warmer Verarbeitung aktiv.
Magensäure (natürliche Schutzbarriere gegen Keime) Viele Bakterien werden sofort abgetötet, nur 10.000–100.000 überleben pro Kapsel. Beispiel: Nach Einnahme einer Kapsel erreichen nur ein kleiner Teil den Darm. Sporen überstehen die Magensäure gut und gelangen lebend in den Darm, auch nach mehreren Stunden.
Lagerung über längere Zeit Weniger stabil – ihre Zahl nimmt mit der Zeit ab. Beispiel: Joghurt oder Probiotika verlieren nach Monaten merklich an Wirksamkeit. Langzeitstabil: Auch nach über 1,5 Jahren Lagerung bleibt eine große Menge lebendig. Produkte bleiben somit länger wirksam.
Gefriertrocknung (Herstellung) Brauchen Schutzstoffe, damit sie den Prozess überleben. Beispiel: Pulverisierte Probiotika werden oft stabilisiert. Sehr robust – überstehen Gefriertrocknung ohne große Verluste.

Fazit: Sporenbildende Probiotika zeigen also unter den meisten Stressbedingungen konsistente und erhebliche Vorteile in der Überlebensfähigkeit im Vergleich zu nicht sporenbildenden Probiotika.

Die dramatischsten Unterschiede treten vermutlich unter Magensäurebedingungen auf, wo nicht sporenbildende Probiotika oft eine rasche Inaktivierung erfahren, während sporenbildende Stämme eine nahezu vollständige Lebensfähigkeit beibehalten.
Sporenbildner haben also eine besonders gute Haltbarkeit und Stabilität. Aber welche der vielen Bakterienarten, die Du auf der Inhaltsstoffliste lesen kannst, gehören denn zu den Sporenbildnern? Und haben diese untereinander auch Unterschiede? Das wollen wir uns jetzt anschauen.

Welche sporenbildenden Probiotika gibt es?

Kurzum gibt es besonders zwei sporenbildende Gattungen, die Du dir merken solltest: Die Bacillus- und die Clostridium-Gruppe. Vielleicht kennst du den Begriff Clostridien von Infektionserkrankungen? Tatsache ist nämlich, dass es unter den Sporenbildnern “positive” Arten gibt, die wir dann als Probiotika klassifizieren, zum Beispiel C. butyricum. Es gibt aber auch Krankheitserreger wie C. tetani (Tetanus) und C. botulinum. Auch bei der Bacillus-Gattung gibt es probiotische Arten: B. coagulans, B. subtilis und B. clausii (mehr zu diesen weiter unten.) Andere hingegen, wie etwa B. cereus, können Lebensmittelvergiftungen verursachen.

Dieser kleine Exkurs soll Dir zeigen, dass es durchaus darauf ankommt, von welchen Bakterien wir sprechen, da sie unterschiedliche Funktionen haben. Aber: Keine Angst vor Sporenbildnern als Probiotika – die klassischen probiotischen Arten haben keinen Krankheitswert. Gehen wir kurz auf die angesprochenen Bacillus-Arten an, die in der Probiotika-Welt am interessantesten sind:

  • Bacillus coagulans

    Bacillus coagulans ist ein spezielles Probiotikum. Es ist nämlich nicht Teil der natürlichen Darmflora und siedelt sich auch nicht an – wie kann es dann überhaupt Effekte haben?

    Sobald es im Dünndarm angekommen ist, kann sich die Spore “wiederbeleben” und das Bakterium sich vermehren. Wenn es wieder einen aktiven Stoffwechsel hat, produziert es Milchsäure. Diese wiederum hat einen positiven Effekt auf den pH und das generelle Milieu4 – ein Problem bei vielen SIBO- und Reizdarm-Patienten. Die Verbesserung des Milieus über weitere Stoffwechselprodukte kann außerdem den Gehalt an anderen hilfreichen Bakterien der Darmflora erhöhen. B. coagulans LBSC beispielsweise hat sich hilfreich bei der Behandlung des Reizdarmsyndroms erwiesen, da es Symptome wie Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfälle signifikant vermindern konnte5.

    Einige B. coagulans Stämme können auch Bakteriocine und bakteriocin-ähnliche Substanzen produzieren6. Das sind antimikrobielle Peptide, die das Wachstum und die Lebensfähigkeit pathogener Keime beeinträchtigen.

  • Bacillus subtilis

    Eben solche antimikrobiellen Peptide werden auch von einigen Bacillus subtilis Stämmen produziert – diese sind bekannt für ihre kompetitive Verdrängung und Hemmung pathogener Keime7. Im Gegensatz zu B. coagulans ist B. subtilis Teil der Darmflora; zugeführte Sporen in Probiotika kolonisieren den Darm aber nicht8.

    Neben der antimikrobiellen Aktivität werden ihnen viele weitere positive Effekte nachgesagt. So konnte in Bezug auf einige B. subtilis Stämme wie DE111 oder BS50 gezeigt werden, dass sie Blähungen reduzieren oder die Stuhlkonsistenz normalisieren konnten, sowie antiinflammatorische Effekte zeigten und protektiv auf die Darmbarriere wirkten.8 Inwiefern diese Effekte auf andere B. subtilis Stämme übertragen werden können, wird sich noch zeigen.

  • Bacillus clausii

    B. clausii Stämme haben in der Vergangenheit besonders viel Anwendung in der Lebensmittelindustrie erfahren, da sie mit am widerstandsfähigsten sind. Etwas weniger Evidenz gibt es zur Nutzung im probiotischen Kontext, wobei besonders zu B. clausii die letzten Jahre das Interesse zugenommen hat. So gibt es Hinweise darauf, dass diesem Bakterium besonders immunmodulatorische Effekte zugeschrieben werden können – unter anderem aufgrund antimikrobieller Aktivität, ähnlich wie bei anderen Bacillus-Arten, aber auch aufgrund immunstimulierender Effekte aufgrund seiner Oberfläche9.

    In Studien mit Kindern und Erwachsenen mit Heuschnupfen (allergische Rhinitis) konnte gezeigt werden, dass B. clausii das Immunsystem in eine günstigere Richtung unterstützt10. Normalerweise ist bei Heuschnupfen ein Ungleichgewicht im Immunsystem vorhanden, das bestimmte Abwehrstoffe (sogenannte Zytokine) stärker aktiviert. Die Einnahme von B. clausii kann helfen, dieses Gleichgewicht wiederherzustellen. Außerdem wird B. clausii häufig eingesetzt, um die Beschwerden während einer Behandlung mit Antibiotika gegen Helicobacter pylori11 zu lindern, sowie zur Verhinderung anderer antibiotika-assoziierter Diarrhö12.

Jetzt weißt Du schon etwas mehr über einzelne Stämme. Fassen wir die Effekte sporenbildender Probiotika nochmals zusammen.

Wie helfen sporenbildende Probiotika Deinem Darm?

Sporenbildende Probiotika wie B. coagulans, B. subtilis und B. clausii wirken über mehrere, sich ergänzende Mechanismen – und genau das macht sie besonders interessant.

Ihr entscheidender Vorteil gegenüber klassischen Probiotika beginnt bereits vor dem Darm: Dank ihrer Sporenstruktur überstehen sie Magensäure, Hitze und Lagerung weitgehend unbeschadet und erreichen den Dünndarm in deutlich höherer Anzahl als viele nicht sporenbildende Stämme. Dort angekommen, keimen sie aus und entfalten ihre Wirkung transient, was gerade für SIBO-Patienten interessant ist.

Im Darm selbst greifen mehrere Wirkmechanismen ineinander:

  • Milieuverbesserung: B. coagulans produziert Milchsäure und beeinflusst so den pH-Wert im Darm positiv – was besonders bei Reizdarm und SIBO relevant ist
  • Antimikrobielle Aktivität: Bacillus-Arten produzieren Bakteriocine und antimikrobielle Lipopeptide, die pathogene Keime hemmen und so das Gleichgewicht der Darmflora stabilisieren
  • Barriereschutz: Klinische Studien mit Bacillus-Sporenmischungen zeigten beim Menschen in einer kleineren Studie eine Reduktion der sogenannten metabolischen Endotoxämie – also der Menge an bakteriellen “Giftstoffen” (Lipopolysaccharide), die nach dem Essen ins Blut übertreten – um bis zu 42%13; das deutet auf eine Stärkung der Darmbarriere hin, die bei Reizdarm oft beeinträchtigt ist
  • Immunmodulation: B. clausii beeinflusst das Zytokinprofil – z. B. durch eine Verschiebung in Richtung Th1-Immunantwort und Reduktion proinflammatorischer Zytokine wie IL-1β und IL-12
  • Symptomkontrolle bei Reizdarm und funktionellen Beschwerden: Mehrere randomisierte, kontrollierte Studien zeigten signifikante Verbesserungen von Bauchschmerzen, Blähungen und Stuhlkonsistenz – sowohl bei Durchfall- als auch bei Verstopfungs-betontem Reizdarm
  • Unterstützung bei Antibiotikaeinnahme: Speziell B. clausii zeigte eine signifikante Reduktion antibiotika-assoziierter Durchfälle (AAD)

Zusammenfassung

Soviel auch über Probiotika und Sporenbilder mittlerweile bekannt ist – und wir hoffen Dir mit diesem und unseren weiteren Artikeln einen hilfreichen Einblick zu verschaffen – eine Menge an Fragen sind noch nicht geklärt. Das Forschungsgebiet zu sporenbildenden Bakterien als Probiotika ist nämlich nach wie vor jung. Bis dahin können wir aber schon mit der bisherigen Evidenz arbeiten: Es gibt bereits Stämme, die von Lebensmittelbehörden auf Sicherheit geprüft wurden und positive Erfahrungsberichte sowie klinische Studien besonders beim Reizdarmsyndrom, Durchfall sowie der antimikrobiellen Aktivität und der Verbesserung des Darmmilieus. Letztere beiden Aspekte können besonders im Kontext SIBO (Dünndarmfehlbesiedlung) hilfreich sein.


Referenzen (Englisch)

  1. Majeed, M., Majeed, S., Arumugam, S., Ali, F., & Beede, K. (2021). Comparative evaluation for thermostability and gastrointestinal survival of probiotic Bacillus coagulans MTCC 5856. Bioscience, biotechnology, and biochemistry, 85(4), 962–971. https://doi.org/10.1093/bbb/zbaa116
  2. Fajardo-Cavazos, P., & Nicholson, W. L. (2021). Shelf Life and Simulated Gastrointestinal Tract Survival of Selected Commercial Probiotics During a Simulated Round-Trip Journey to Mars. Frontiers in microbiology, 12, 748950. https://doi.org/10.3389/fmicb.2021.748950
  3. Brachkova, M. I., Duarte, A., & Pinto, J. F. (2009). Evaluation of the viability of Lactobacillus spp. after the production of different solid dosage forms. Journal of pharmaceutical sciences, 98(9), 3329–3339. https://doi.org/10.1002/jps.21609
  4. Payne, J., Bellmer, D., Jadeja, R., & Muriana, P. (2024). The Potential of Bacillus Species as Probiotics in the Food Industry: A Review. Foods (Basel, Switzerland), 13(15), 2444. https://doi.org/10.3390/foods13152444
  5. Gupta, A. K., & Maity, C. (2021). Efficacy and safety of Bacillus coagulans LBSC in irritable bowel syndrome: A prospective, interventional, randomized, double-blind, placebo-controlled clinical study [CONSORT Compliant]. Medicine, 100(3), e23641. https://doi.org/10.1097/MD.0000000000023641
  6. Honda, H., Gibson, G. R., Farmer, S., Keller, D., & McCartney, A. L. (2011). Use of a continuous culture fermentation system to investigate the effect of GanedenBC30 (Bacillus coagulans GBI-30, 6086) supplementation on pathogen survival in the human gut microbiota. Anaerobe, 17(1), 36–42. https://doi.org/10.1016/j.anaerobe.2010.12.006
  7. ​​Khochamit, N., Siripornadulsil, S., Sukon, P., & Siripornadulsil, W. (2015). Antibacterial activity and genotypic-phenotypic characteristics of bacteriocin-producing Bacillus subtilis KKU213: potential as a probiotic strain. Microbiological research, 170, 36–50. https://doi.org/10.1016/j.micres.2014.09.004
  8. Williams, N., & Weir, T. L. (2024). Spore-Based Probiotic Bacillus subtilis: Current Applications in Humans and Future Perspectives. Fermentation, 10(2), 78. https://doi.org/10.3390/fermentation10020078
  9. Villéger, R., Saad, N., Grenier, K., Falourd, X., Foucat, L., Urdaci, M. C., Bressollier, P., & Ouk, T. S. (2014). Characterization of lipoteichoic acid structures from three probiotic Bacillus strains: involvement of D-alanine in their biological activity. Antonie van Leeuwenhoek, 106(4), 693–706. https://doi.org/10.1007/s10482-014-0239-8
  10. Wong-Chew, R. M., de Castro, J. A., Morelli, L., Perez, M., & Ozen, M. (2022). Gut immune homeostasis: the immunomodulatory role of Bacillus clausii, from basic to clinical evidence. Expert review of clinical immunology, 18(7), 717–729. https://doi.org/10.1080/1744666X.2022.2085559
  11. Nista, E. C., Candelli, M., Cremonini, F., Cazzato, I. A., Zocco, M. A., Franceschi, F., Cammarota, G., Gasbarrini, G., & Gasbarrini, A. (2004). Bacillus clausii therapy to reduce side-effects of anti-Helicobacter pylori treatment: randomized, double-blind, placebo controlled trial. Alimentary pharmacology & therapeutics, 20(10), 1181–1188. https://doi.org/10.1111/j.1365-2036.2004.02274.x
  12. Abreu, A. T., Vázquez Frías, R., Boggio Marzet, C., Stefanolo, J. P., Concha Mejía, A., Bustos Fernández, L., Laudanno, O., Rosa, D., Cruz Serrano, M. C., Cárdenas, K., & Zuluaga, J. (2025). Effectiveness of Bacillus clausii (O/C, N/R, SIN, T) in the Prevention of Antibiotic-Associated Diarrhea and Gastrointestinal Symptoms: A Systematic Review. Antibiotics (Basel, Switzerland), 14(5), 439. https://doi.org/10.3390/antibiotics14050439
  13. McFarlin, B. K., Henning, A. L., Bowman, E. M., Gary, M. A., & Carbajal, K. M. (2017). Oral spore-based probiotic supplementation was associated with reduced incidence of post-prandial dietary endotoxin, triglycerides, and disease risk biomarkers. World journal of gastrointestinal pathophysiology, 8(3), 117–126. https://doi.org/10.4291/wjgp.v8.i3.117

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Probiotika und Sporenbildner

Der große Probiotika Guide – Von klassischen Stämmen bis hin zu Next-Generation Probiotika und Sporenbildnern

Probiotika scheinen im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde zu sein. Probiotika: Diese lebenden Mikroorganismen wie Bakterien und Hefen, die wir uns in Kapselform zuführen, um unser Darmmikrobiom anzureichern, unsere Verdauung zu verbessern, unser Immunsystem zu unterstützen oder das Wachstum schädlicher Bakterien zu hemmen. Können sie überhaupt halten, was sie Dir versprechen? 

Dieser Guide soll Dir helfen zu verstehen, worauf genau Du bei der Auswahl Deiner Probiotika achten solltest, und welche Rolle die sogenannten sporenbildenden Stämme spielen. Ziel ist es, Dir so viel Wissen an die Hand zu geben, wie Du Produktangaben einordnen und Probiotika eigenständig bewerten kannst, um eine zu Deiner individuellen Situation passende Entscheidung treffen zu können.

Hinweis: Wie immer sind die Informationen in unserem Artikel von uns selbst recherchiert und geschrieben – ohne Beteiligung von ChatGPT und Konsorten. Viel Spaß beim Lesen!

Was sind Probiotika?

Unser Darmmikrobiom besteht aus Milliarden von Mikroorganismen, die uns dabei helfen, Nährstoffe zu verwerten, Vitamine zu bilden, die Darmbarriere zu stabilisieren und das Immunsystem zu steuern. Gerät das mikrobielle Gleichgewicht im Darm (aber auch überall dort, wo wir noch Schleimhäute haben) aus der Balance – zum Beispiel durch Stress, Antibiotika oder eine einseitige Ernährung –, wird dies mit Verdauungsbeschwerden, Infektionen und chronischen Entzündungen in Verbindung gebracht.

Hier rücken nun die Probiotika in den Fokus, die die Darmmikrobiota unterstützen, anreichern und ergänzen sollen. Gleichzeitig soll erwähnt werden, dass nicht jedes probiotische Produkt automatisch wirksam ist. Entscheidend für den Erfolg sind die konkrete Bakterienart, der Stamm, die Dosierung und die vorhandene Evidenz. Eine schlechte Wahl der Probiotika kann bestehende Symptome sogar verschlimmern.

In den letzten Jahren hat sich der Blick von den bewährten Probiotika “der ersten Generation” hin zu sogenannten Probiotika “der zweiten Generation” erweitert. Zu dieser zweiten Generation zählen die neuartigen sporenbildenden Bakterien: Diese Stämme unterscheiden sich in ihrer Stabilität, wie gut sie den Magen-Darm-Trakt überleben sowie ihren Wirkmechanismen. Dadurch eröffnen sie potenziell neue therapeutische Möglichkeiten. Gleichzeitig stellen sie Dich vor eine noch größere Auswahl – jetzt nicht den Mut verlieren, sondern weiterlesen😊!

Klassische Bakterienstämme wie Lactobacillus- und Bifidobacterium-Arten gehören zu den Probiotika der ersten Generation – sie werden typischerweise in hoher Menge und recht unspezifisch verabreicht. Aber bedeutet mehr, wirklich besser?

Drei Gruppen von Probiotika

  1. Probiotika der ersten Generation (klassische Milchsäurebakterien)
  2. Probiotika der zweiten Generation (z. B. sporenbildende Bacillus Stämme, verkapselte Stämme)
  3. Next Generation Probiotika (neu identifizierte Mikrobiom Schlüsselorganismen)

Probiotika: Je mehr, desto besser?

Probiotika der ersten Generation bilden die „Klassiker“ unter den probiotischen Präparaten: Es handelt sich meist um Milchsäurebakterien wie Lactobacillus und Bifidobacterium-Arten sowie einzelne, gut charakterisierte Stämme von Escherichia coli.  Auch Hefen wie Saccharomyces boulardii, die seit vielen Jahren in Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt werden, zählen zur ersten Generation. Sie werden oft als sicher für die Gesundheit angesehen, weil sie entweder natürlicherweise Teil der menschlichen Darmflora sind oder seit Jahrzehnten ohne relevante gesundheitliche Risiken eingenommen werden. Die Probiotika der ersten Generation zeichnen sich weiter durch ihre Robustheit aus, bzw. es besteht viel Wissen über ihre Stabilität im Verdauungstrakt, speziell zu ihrer Säurebeständigkeit. So wurden einige Lactobacillen in einem Modell des oberen Verdauungstraktes getestet, mit dem Ergebnis einer guten Überlebensrate, insbesondere beim Verzehr zusammen mit Milch1.

Besonders häufig werden die Vertreter der ersten Generation aktuell bei infektiösen Diarrhöen oder antibiotika-assoziierter Diarrhö eingesetzt. Hier wird seit längerem vermutet, die lebenden Mikroben könnten nach Eradikation durch Antibiotikagabe zu einer schnelleren Wiederherstellung des Darmmilieus beitragen.

Relevante Vertreter der ersten Generation von Probiotika

  • Lactobacillus spp.: z. B. L. rhamnosus (inkl. GG), L. plantarum, L. paracasei, L. casei, L. acidophilus
  • Bifidobacterium spp.: z. B. B. longum, B. bifidum, B. breve, B. animalis subsp. lactis
  • Weitere, z. B. S. thermophilus, Bacillus coagulans sowie S. boulardii

Eben dies scheint eine Studie zu widerlegen: Ein Forscherteam zeigte 2018, dass ein Standard-Probiotikum mit mehreren Stämmen, wie es in der Praxis oftmals verabreicht wird, die Erholung nach der Antibiotikagabe sogar ausbremste und ein abwartender Behandlungsansatz erfolgreicher war2. In der Studie wurden diese beiden Ansätze mit einem dritten Ansatz verglichen, und zwar der autologen Stuhltransplantation, welche von allen drei Ansätzen am besten abschnitt. Die autologe Stuhltransplantation gründet auf den neueren Erkenntnissen, dass jeder Mensch ein individuelles Mikrobiom besitzt, welches nicht gleich auf Interventionen anspricht und nicht einfach mit Gabe von Probiotika in großen Mengen (wieder) ins Gleichgewicht gebracht werden kann. Dies dürfte auch eine Erklärung für die teilweise stark schwankende Effektivität von klassischen Probiotika der ersten Generation sein.

Klassische Probiotika nur mit geringfügigem langfristigem Nutzen

Weiterhin zu beachten ist eine häufig beobachtete schlechte Persistenz der klassischen Probiotika im Darm – oft passieren sie den Verdauungstrakt lediglich flüchtig und führen zu keiner langfristigen Kolonisation, weil sie beispielsweise durch die Magensäure bereits zu stark geschädigt wurden. Das beschreibt auch eine Studie aus dem Jahr 20183: Gesunde Probanden erhielten ein Probiotikum mit elf Stämmen (Lactobacillus-, Bifidobacterium-, Lactococcus-, Streptococcus-Stämme) oder ein Placebo, wobei wiederholt Endoskopien mit Biopsien aus Dünn- und Dickdarmschleimhaut sowie Stuhlproben durchgeführt wurden.

Neben der klassischen Mikrobiomdiagnostik wurden auch moderne Verfahren wie die Metagenomik genutzt, um die Kolonisation und die Effekte auf die Genexpression einzuordnen. So zeigte sich, dass probiotische Stämme die Schleimhaut, wenn überhaupt, nur transient und in stark personenabhängigen Mustern besiedelten. Die Probanden konnten dabei in „permissive“ und „resistente“ Gruppen einsortiert werden, wobei permissive Typen die Besiedlung eher zuließen. Dennoch war die Kolonisation nicht anhaltend und sank signifikant auf das Ausgangsniveau zurück, sobald die Einnahme beendet wurde. Das bedeutet: „One-size-fits-all“-Probiotika sind funktionell problematisch. Ob und wie sie wirken, hängt stark von der individuellen Mukosabiologie und der vorhandenen Mikrobiota ab. Klassische Probiotika haben demnach möglicherweise nur einen geringfügigen langfristigen Nutzen.

Perspektivisch sprechen die Daten für personalisierte, mikrobielle Interventionen beziehungsweise eine Verbesserung der Anwendungen von Probiotika. Die tatsächliche Evidenz zu den Probiotika der ersten Generation ist also nicht so blumig, wie oft gerne angepriesen wird. Wie sieht es denn aber mit den Probiotika der zweiten Generation aus, die spezifischer wirken und besser zu verabreichen sein sollen?

Probiotika der zweiten Generation: Besser durch neue Technologien

Das Problem der ersten Generation – die teilweise schwankende Stabilität, besonders im trockenen Zustand, sowie die schlechte Ansiedlung – wird bei der zweiten Generation adressiert. Die Bakterien werden hier über moderne Verkapselungstechnologien besser konserviert und können sich daher eher ansiedeln. Die sporenbildenden Bakterien nutzen eben diese Technologie, was sie sehr resistent gegenüber der Magensäure macht und sie sich sozusagen im Darm selbst “wiederbeleben” können – dazu gleich mehr.

Strategien, um die Effektivität der klassischen Probiotika zu verbessern, sind beispielsweise die Mikroverkapselung, Mehrschicht-Kapseln, und magensaftresistente Kapseln. Dadurch können wir von dem recht unspezifischen “viel hilft viel, Hauptsache es kommt etwas an” abrücken und eine gezieltere Auswahl sinnvoller Stämme mit einer präziseren Dosis für das Therapieziel anvisieren – und wenn ein Stamm sich tatsächlich ansiedeln kann, können auch Therapieeffekte in Studien besser untersucht werden.

Saccharomyces boulardii

Die Hefe überlebt Magen- und Gallensäuren nämlich deutlich besser als viele bakterielle Probiotika und bleibt in simulierten Magen/Darm-Bedingungen auch nach Stunden noch lebensfähig4.

Als Beispiel wollen wir uns die Hefe S. boulardii anschauen (siehe auch Box). Sie wird besonders bei Diarrhö, beispielsweise antibiotika-assoziierter Diarrhö eingesetzt, und unterstützt bei der Eradikation von Helicobacter pylori und Clostridium difficile5. Eine weitere Besonderheit ist, dass die Vorteile von S. boulardii vorübergehend und unabhängig von der Besiedlung des Darms zu sein scheinen, wodurch sich die Wirkungsweise von anderen weit verbreiteten bakteriellen Probiotika unterscheidet. Das Ausbleiben einer Besiedlung scheint mit der erwähnten Bindung von Krankheitserregern als Mechanismus zur Verhinderung der Besiedlung durch Krankheitserreger (bspw. C. difficile, H. pylori) zusammenzuhängen.

Ein weiteres Paradebeispiel für die Probiotika der zweiten Generation sind sporenbildende Probiotika. Was genau diese können, erklären wir Dir jetzt.

Funktionsweise und Vorteile von Sporenbildnern

Sporenbildner haben im Gegensatz zu vielen anderen Bakterien den folgenden Weg zum Überleben gewählt: Sie bilden sogenannte Endosporen, die das bakterielle Genom mit einer Schutzhülle vor ungünstigen Lebensbedingungen wie Hitze oder Säure schützen. Verbessern sich die Lebensbedingungen wieder, erwecken die Sporen wieder zum Leben (genauer gesagt zum Wachstum). Die Sporenbildner entscheiden sich übrigens, ob sie einfach nur wieder mehr oder sogar bessere Sporen ausbilden. 

Sporenbildende Probiotika, wie es einige Bacillus-Arten sind, gelten als technologisch weiterentwickelte, hochstabile Formen klassischer Probiotika. Dank ihrer Sporenform überstehen sie Hitze, Sauerstoff und Magensäure im Magen-Darm-Trakt deutlich besser als viele klassische Laktobazillen/Bifidobakterien. Typische Beispiele sind Bacillus coagulans, z. B. der LSBC-Stamm6, Bacillus clausii und Bacillus subtilis PLSSC7.

Sporenbildner Bakterien

Existiert Evidenz für Sporenbildner bei Darmerkrankungen?

Verabreicht werden die inaktiven, “schlafenden” Sporen, damit sie sich in guten Konditionen wieder von selbst reaktivieren und im Dünn- und Dickdarm auskeimen. Zwar ist auch bei Sporenbildnern nicht sicher, dass diese sich dauerhaft ansiedeln. Es steht allerdings fest, dass die Sporenbildner besser im Darm ankommen und hier Enzyme zur Unterstützung der Verdauung produzieren können, antimikrobielle Stoffe zur Hemmung des Wachstums pathogener Keime bilden, und das Immunsystem beeinflussen, da sie von Makrophagen (Fresszellen) aufgenommen werden und dadurch Signalwege modulieren8.

So gibt es beispielsweise erste Evidenz zur Anwendung von B. coagulans LSBC bei der Behandlung des Reizdarmsyndroms9, wobei dieser Stamm die Symptome signifikant verbessern konnte. Auch die positive Veränderung der Darmmikrobiota von Reizdarmsyndrom-Patienten durch die Gabe von B. coagulans LSBC konnte in einer Studie gezeigt werden10.

Next-Generation Probiotika – Die Zukunft der therapeutischen Mikrobiota-Welt?

Als dritte Gruppe möchten wir Dir der Vollständigkeit halber noch die Next-Generation Probiotika vorstellen. Das ist eine neue Gruppe mit teils gezielt veränderten Mikroorganismen, die hoch spezifische Ansätze bieten.

Next-Generation Probiotika (NGP) sind im Gegensatz zur ersten Generation gezielt ausgewählte, meist erst durch moderne Mikrobiom-Analysen identifizierte Mikroorganismen. Sie sind oft strikt anaerob, also Organismen, die ohne Sauerstoff arbeiten und diesen auch nicht “vertragen”. Anders als klassische Lactobacillus/Bifidobacterium-Stämme sollen sie spezifische Mechanismen adressieren. In Studien wurden diese NGPs als Schlüsselfiguren des Mikrobioms identifiziert – so zeigen sie teils spezifische Gesundheits- bzw. Therapieeffekte.

Typische Kandidaten für die nächste Generation der Probiotika sind Akkermansia muciniphila, Faecalibacterium prausnitzii, Christensenella minuta, bestimmte Clostridien Cluster IV/XIVa (z. B. Anaerobutyricum, Roseburia), Bacteroides fragilis sowie weitere butyratbildende oder immunmodulierende Spezies.

Auch wenn diese Spezies einen hohen potenziellen Nutzen haben, sind sie teils noch nicht genug erforscht. Vor allem fehlt es an Daten zur Sicherheit sowie Langzeitstudien. Weiterhin sind die NGP sehr sensitiv gegenüber Sauerstoff und anderen Umweltfaktoren, weshalb der Einsatz sich aktuell noch schwierig gestaltet. Wir dürfen hier gespannt bleiben, was die Zukunft bringt: So könnte Akk. muciniphila ein Bestandteil der erweiterten Therapie einer Insulinresistenz oder eines Diabetes mellitus Typ 2 werden11.

Die Wahl des richtigen Probiotikums

Bei all den unterschiedlichen Generationen und Stämmen stellst Du Dir vielleicht die Frage: Woran erkennst Du ein sinnvolles Probiotikum – und welches passt zu Deiner Situation? Die folgenden Punkte sollen Dir dabei helfen, Produktangaben kritisch zu prüfen und Dir Deine Entscheidungsfindung zu erleichtern:

  • 1. Klar definierte Stämme bevorzugen

    Probiotische Effekte sind stammspezifisch: „Lactobacillus rhamnosus” sagt noch wenig aus, entscheidend ist die Kombination aus Art + Stammkennung (z. B. „L. rhamnosus GG“ oder „Bacillus coagulans LBSC“).

  • 2. Gezielte Auswahl an Probiotikastämmen statt „Allzweckmischung“

    Probiotika wirken nicht „für alles“ gleich gut. Eine wichtige Überlegung ist also: Wofür willst Du sie einsetzen?

    • Akute oder antibiotikaassoziierte Durchfälle: Wähle eher Stämme wie Saccharomyces boulardii oder bestimmte Lactobacillus/Bifidobacterium-Stämme aus Studien in genau solch einem Aufbau
    • Reizdarmsyndrom (RDS), Blähungen, funktionelle Beschwerden: Wähle Stämme, die in RDS-Studien getestet wurden (z. B. die beschriebenen sporenbildenden Bacillus Stämme)
    • SIBO (Dünndarmfehlbesiedlung): Ursache für SIBO kann unter anderem ein erhöhter pH-Wert des Verdauungssystems sein – einige Probiotika, unter anderem Bacillus coagulans, können den pH-Wert reduzieren (Lese auch SIBO-Guide – Symptome, Diagnose und Ernährung bei Dünndarmfehlbesiedlung)
    • Stoffwechselstörungen wie Insulinresistenz oder sehr spezifische Fragestellungen: Hier kommen eher kombinierte Strategien, bspw. Ernährung (Präbiotika) und ggf. Next-Generation Probiotika wie Akk. muciniphila infrage – reine „Breitbandmischungen“ sind dann selten die beste Wahl
  • 3. Qualität der Formulierung und Dosierung

    Für klassische Milchsäurebakterien sind magensaftresistente oder mehrfach verkapselte Präparate sinnvoll, damit die Bakterien überhaupt im Darm ankommen. Sporenbildner (z. B. Bacillus-Arten) und stabile Hefen wie S. boulardii brauchen weniger Schutz, dafür aber eine definierte Sporen- bzw. Zellzahl und gute Rohstoffqualität. Mehr Milliarden sind nicht automatisch besser: Entscheidend ist, dass die Dosierung zum untersuchten Bereich passt.

  • 4. Verträglichkeit

    Einige Bakterien können auch Stoffe bilden, die Deine Symptome unter Umständen verschlimmern können. Ein für viele problematischer Stoff ist Histamin, welches von vielen Probiotika gebildet werden kann (siehe zu Probiotika und Histamin auch unseren letzten Blogbeitrag). In genetischen Analysen dieser Bakterien kann getestet werden, wobei histaminfreundliche Zusammensetzungen oftmals extra gekennzeichnet sind. Auch Begleitstoffe können die Verträglichkeit der Probiotika beeinträchtigen, beispielsweise, wenn diese lange im Darm verbleiben und fermentiert werden, wobei Gase gebildet werden – das merkst Du dann anhand der auftretenden Blähungen.

Sind Probiotika sinnvoll nach Antibiotika?

Probiotika können nach einer Antibiotikatherapie sinnvoll sein. Das lässt sich allerdings nicht pauschal sagen. Antibiotika stören das Darmmikrobiom, und einige Probiotika können nachweislich das Risiko für antibiotikaassoziierte Durchfälle verringern und Beschwerden lindern. Untersucht sind unter anderem:

  • Saccharomyces boulardii (Hefe), z. B. Stamm CBS 59212
  • Alkalihalobacillus clausii 088AE13

Gleichzeitig zeigen neuere Studien, dass ein unspezifisches Standard Multistamm Probiotikum nach Antibiotika die natürliche Wiederherstellung der individuellen Darmflora sogar verzögern kann, während eine abwartende Strategie oder eine autologe Stuhltransplantation die ursprüngliche Mikrobiota schneller wiederherstellen zu vermögen. Praktisch heißt das: Wenn Du Probiotika nach einer Einnahme von Antibiotika nutzen willst, sollten sie aus klar definierten, gut untersuchten Stämmen bestehen.

Auch wenn Probiotika nach einer Antibiotikaeinnahme hilfreich sein können – sie ersetzen nicht die grundlegende Unterstützung durch eine richtige Ernährung und Ballaststoffe.

Sind sporenbildende Probiotika sicher?

Sporenbildende Probiotika gelten bei gesunden Menschen in der Regel als sicher – entscheidend ist immer der konkrete Stamm und die Qualität des Produkts. Bacillus-Stämme wie Bacillus coagulans (z. B. LBSC), Bacillus clausii oder Bacillus subtilis (z. B. PLSSC) werden gezielt ausgewählt, genetisch charakterisiert und auf Sicherheitsaspekte wie Toxin-Gene und problematische Antibiotikaresistenzen geprüft.

Seriöse Hersteller verwenden ausschließlich Stämme, deren Sicherheit in toxikologischen Tests, genomischen Analysen und – idealerweise – in Humanstudien bewertet wurde. Für Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem, schweren Grunderkrankungen, intensivmedizinischer Behandlung oder zentralvenösen Kathetern sollte der Einsatz von Probiotika – inklusive sporenbildender Stämme – immer mit der behandelnden Ärztin bzw. dem Arzt abgesprochen werden.

Zusammenfassung

Probiotika sollten Bestandteil eines jeden holistischen Behandlungskonzepts sein. Ein sinnvolles Probiotikum passt zu Deinem Ziel (z. B. Durchfall, RDS, begleitende Unterstützung einer Therapie), enthält klar definierte Stämme in passender Dosierung, ist technologisch sinnvoll formuliert und stammt von einem Hersteller, der transparent mit Studienlage und Sicherheit umgeht. Wenn Du diese Punkte im Hinterkopf behältst, wird aus der unübersichtlichen Probiotika-Landschaft ein deutlich klareres Feld – und die Auswahl fällt Dir leichter. Vergessen solltest Du außerdem nicht, dass die Ernährung und Deine Lebensgewohnheiten Deinen Darm und Deine Gesundheit wesentlich beeinflussen.


Referenzen (Englisch)

  1. Lo Curto, A., Pitino, I., Mandalari, G., Dainty, J. R., Faulks, R. M., & John Wickham, M. S. (2011). Survival of probiotic lactobacilli in the upper gastrointestinal tract using an in vitro gastric model of digestion. Food microbiology, 28(7), 1359–1366. https://doi.org/10.1016/j.fm.2011.06.007
  2. Suez, J., Zmora, N., Zilberman-Schapira, G., Mor, U., Dori-Bachash, M., Bashiardes, S., Zur, M., Regev-Lehavi, D., Ben-Zeev Brik, R., Federici, S., Horn, M., Cohen, Y., Moor, A. E., Zeevi, D., Korem, T., Kotler, E., Harmelin, A., Itzkovitz, S., Maharshak, N., Shibolet, O., … Elinav, E. (2018). Post-Antibiotic Gut Mucosal Microbiome Reconstitution Is Impaired by Probiotics and Improved by Autologous FMT. Cell, 174(6), 1406–1423.e16. https://doi.org/10.1016/j.cell.2018.08.047
  3. Zmora, N., Zilberman-Schapira, G., Suez, J., Mor, U., Dori-Bachash, M., Bashiardes, S., Kotler, E., Zur, M., Regev-Lehavi, D., Brik, R. B., Federici, S., Cohen, Y., Linevsky, R., Rothschild, D., Moor, A. E., Ben-Moshe, S., Harmelin, A., Itzkovitz, S., Maharshak, N., Shibolet, O., … Elinav, E. (2018). Personalized Gut Mucosal Colonization Resistance to Empiric Probiotics Is Associated with Unique Host and Microbiome Features. Cell, 174(6), 1388–1405.e21. https://doi.org/10.1016/j.cell.2018.08.041
  4. Kabluchko, T. V., Bomko, T. V., Nosalskaya, T. N., Martynov, A. V., & Osolodchenko, T. P. (2017). Survival of microorganisms from modern probiotics in model conditions of the intestine. Annals of Mechnikov Institute, (1), 28-33. DOI: 10.5281/zenodo.401068. 28-33. 10.5281/zenodo.401068.
  5. Pais, P., Almeida, V., Yılmaz, M., & Teixeira, M. C. (2020). Saccharomyces boulardii: What Makes It Tick as Successful Probiotic?. Journal of fungi (Basel, Switzerland), 6(2), 78. https://doi.org/10.3390/jof6020078
  6. Saroj, D. B., & Gupta, A. K. (2020). Genome based safety assessment for Bacillus coagulans strain LBSC (DSM 17654) for probiotic application. International journal of food microbiology, 318, 108523. https://doi.org/10.1016/j.ijfoodmicro.2020.108523
  7. Dixit, Y., Bhingardeve, N., Inamdar, A., Saroj, D. (2024). In-Depth Functional Characterization of Bacillus subtilis PLSSC Revealing its Robust Probiotic Attributes. J Hum Nutr Food Sci 12(1): 1182. https://doi.org/10.47739/2333-6706/1183
  8. Bernardeau, M., Lehtinen, M. J., Forssten, S. D., & Nurminen, P. (2017). Importance of the gastrointestinal life cycle of Bacillus for probiotic functionality. Journal of food science and technology, 54(8), 2570–2584. https://doi.org/10.1007/s13197-017-2688-3
  9. Gupta, A. K., & Maity, C. (2021). Efficacy and safety of Bacillus coagulans LBSC in irritable bowel syndrome: A prospective, interventional, randomized, double-blind, placebo-controlled clinical study [CONSORT Compliant]. Medicine, 100(3), e23641. https://doi.org/10.1097/MD.0000000000023641
  10. Maity, C., Gupta PhD, A. K., Saroj, D. B., Biyani, A., Bagkar, P., Kulkarni, J., & Dixit, Y. (2021). Impact of a Gastrointestinal Stable Probiotic Supplement Bacillus coagulans LBSC on Human Gut Microbiome Modulation. Journal of dietary supplements, 18(6), 577–596. https://doi.org/10.1080/19390211.2020.1814931
  11. Depommier, C., Everard, A., Druart, C., Plovier, H., Van Hul, M., Vieira-Silva, S., Falony, G., Raes, J., Maiter, D., Delzenne, N. M., de Barsy, M., Loumaye, A., Hermans, M. P., Thissen, J. P., de Vos, W. M., & Cani, P. D. (2019). Supplementation with Akkermansia muciniphila in overweight and obese human volunteers: a proof-of-concept exploratory study. Nature medicine, 25(7), 1096–1103. https://doi.org/10.1038/s41591-019-0495-2
  12. Ehrhardt, S., Guo, N., Hinz, R., Schoppen, S., May, J., Reiser, M., Schroeder, M. P., Schmiedel, S., Keuchel, M., Reisinger, E. C., Langeheinecke, A., de Weerth, A., Schuchmann, M., Schaberg, T., Ligges, S., Eveslage, M., Hagen, R. M., Burchard, G. D., & Lohse, A. W. (2016). Saccharomyces boulardii to Prevent Antibiotic-Associated Diarrhea: A Randomized, Double-Masked, Placebo-Controlled Trial. Open forum infectious diseases, 3(1), ofw011. https://doi.org/10.1093/ofid/ofw011
  13. Maity, C., & Gupta, A. K. (2021). Therapeutic efficacy of probiotic Alkalihalobacillus clausii 088AE in antibiotic-associated diarrhea: A randomized controlled trial. Heliyon, 7(9), e07993. https://doi.org/10.1016/j.heliyon.2021.e07993

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easyPROBIO enthält keine histaminproduzierenden Bakterienstämme

Histaminfreundliche Probiotika bei funktionaler HIT

Probiotika bzw. Bakterienkomplexe erfreuen sich weiterhin steigender Beliebtheit. Nahrungsergänzungsmittel mit lebenden Bakterien werden häufig für eine bessere Verdauung, weniger Durchfall, weniger Blähungen oder eine allgemein verbesserte Darmgesundheit empfohlen und verschrieben.

Doch können Probiotika überhaupt einen Unterschied machen? Im Zusammenhang mit der Einnahme von Antibiotika haben wir die Antwort in einem früheren Blogartikel bereits geliefert. In diesem Beitrag gehen wir auf einen weiteren wichtigen Aspekt bei der Einnahme von Probiotika ein, der häufig vernachlässigt wird: Histaminunverträglichkeit (HIT). Denn viele Präparate können eine HIT auslösen oder verstärken. Wieso das ist und was bei der Auswahl der Präparate zu beachten ist, erfährst Du in diesem Beitrag. 

Hinweis: Wie immer sind die Informationen in unserem Artikel von uns selbst recherchiert und geschrieben – ohne Beteiligung von ChatGPT und Konsorten. Viel Spaß beim Lesen!

Welche unterschiedlichen Auslöser für HIT zu beachten sind

Histamin ist ein biogenes Amin und spielt bei allergischen Reaktionen eine tragende Rolle. Es tritt auch bei Pseudoallergien auf Medikamente oder Nahrungsmittelzusatzstoffe als Mediator in Erscheinung. Histamin kann neben diesen (pseudo)allergischen Reaktionen auch direkt über Nahrung in unseren Körper gelangen (zu den histaminreichen Lebensmitteln kommen wir gleich).

Es existieren zwei Enzyme, die Histamin wieder abbauen können:

  • Diaminoxidase (DAO) ist hauptsächlich am Abbau von Histamin beteiligt. Wie viele andere Enzyme wird DAO in den Darmschleithautzellen produziert – ist die Darmschleimhaut gestört, wird weniger DAO produziert, und Histamin lagert sich vermehrt im Blut ab.
  • Histamin-N-Methyltransferase (HNMT) baut Histamin hauptsächlich in der Leber, der Niere, im Bronchialschleimhaut und im Zentralnervensystem ab.

Ein DAO-Mangel kann genetische Ursachen haben (das lässt sich testen). Es kann allerdings einen sekundären, kausalen Grund für den DAO-Mangel geben, so z. B. entzündliche oder degenerative Darmerkrankungen. Auch bestimmte Medikamente können die Produktion von DAO mindern, ebenso wie in Kupfermangel (da Kupfer ein wichtiger Bestandteil von DAO ist).

Weil die Abbauenzyme DAO und HNMT das Histamin in unterschiedlichen Orten des Körpers abbauen, können die Symptome beim Fehlen oder bei einem Mangel eines dieser Enzyme unterschiedlich ausfallen.

Vorwiegend durch DAO-Mangel verursachte Symptome:

  • Flush / Gesichtsrötung 
  • Übelkeit
  • Kopfschmerzen
  • Hitzegefühl
  • Atemnot
  • Durchfall
  • Ekzeme der Haut
  • Rhinitis
  • Hypertonie
  • Colitis
  • Asthma

Vorwiegend durch HNMT-Mangel verursachte Symptome:

  • Unruhe
  • Muskelzuckungen
  • Schlafstörungen
  • Müdigkeit
  • Schwindel
  • Angstzustände

HIT kann Nahrungsunverträglichkeiten auslösen

Histamin entsteht in solchen Lebensmitteln, in denen bakterielle Enzyme in der Nahrung enthaltenes Histidin umwandeln. Mit zunehmender Lagerungsdauer der Lebensmittel steigt auch deren Histamingehalt. Zudem ist Histamin sehr stabil und kann weder durch Tiefkühlen noch durch Erhitzen zerstört werden.

Liegt nun ein DAO-Mangel vor, kann der Verzehr histaminreicher Lebensmittel zu den genannten Symptomen führen – es liegt für viele Betroffene auf der Hand, histaminreiche Lebensmittel zu vermeiden. Darüber hinaus sind auch auf solche Lebensmittel und Alkohol zu achten, die die Freisetzung von körpereigenem Histamin fördern.  Diese Lebensmittel werden deswegen Histaminliberatoren genannt. Dazu zählen beispielsweise Zitrusfrüchte, Erdbeeren, Schalentiere, Tomaten, Kakao und Hülsenfrüchte. 

Große Mengen Histamin finden sich in Lebensmitteln, die mit Hilfe von Bakterien- oder Hefekulturen hergestellt oder genießbar gemacht werden, wie:

  • Sojasauce
  • alte Käsesorten
  • Bier, Wein oder Sekt
  • verarbeitete Fleisch- oder Fischprodukte und sämtliche Wurstwaren
  • durch Gärung entstandene Lebensmittel wie Sauerkraut und milchsauer eingelegtes Gemüse
  • Spinat, Aubergine, Avocado, Steinpilze und Morcheln
  • marinierte Lebensmittel (Essig)
  • Fertiggerichte mit tierischen Bestandteilen
  • Fast-Food
  • aufgewärmte Speisen mit hohem Eiweißanteil
Histamin kommt in vielen Lebensmitteln, vor allem Käse, Alkohol, und auch Tomaten vor.

Eine sehr gute Übersicht zum Histamingehalt von Lebensmitteln und auch Histaminliberatoren gibt es von Schweizerische Interessengemeinschaft Histamin-Intoleranz (SIGHI). Nicht immer verursachen die Lebensmittel die gleichen starken bzw. schwachen Reaktionen; HIT-Betroffene können unterschiedlich auf dieselben Lebensmittel reagieren. Deswegen sollten Betroffene immer zuerst individuell testen. 

Der Einsatz probiotischer Präparate bei HIT

Ist der DAO-Mangel reversibel, da nicht genetisch, sondern funktional bedingt, sollte die Ursache gefunden werden. Wie bereits erwähnt kommen (chronisch-entzündliche) Darmerkrankungen als Ursache für Lebensmittelintoleranzen, Allergien und auch HIT immer als Ursache in Frage. Häufig kommen bei der Behandlung von Darmerkrankungen wie Reizdarm oder SIBO die eingangs beschriebenen Probiotika zum Einsatz.

Bei der Auswahl der Produkte kommt es leider häufig zu einem folgenschweren Fehler für die Betroffenen. Denn wie Bakterien durch Fermentation für den hohen Histamingehalt in Lebensmitteln wie alter Käse, Sauerkraut und Sojasauce sorgen, können auch in Probiotika enthaltene Bakterienstämme Histamin produzieren.  

Für Menschen mit Histaminempfindlichkeit oder Mastzellenproblematik ist daher entscheidend, welche spezifischen Stämme in einem Probiotikum verwendet werden – denn die histaminbildende Fähigkeit ist stammspezifisch, nicht artspezifisch. Deswegen ist es wichtig für alle Betroffenen, bei denen eine funktionale HIT vorliegt, sowie eine Darmerkrankung ursächlich ist und behandelt werden soll, auf die richtige Auswahl geeigneter Präparate zu schauen.

Alkalihalobacillus clausii MCC0538, Bacillus subtilis ATCC SD-7280, Bacillus coagulans DSM 17654 sowie Saccharomyces boulardii SBSC

Bei der Entwicklung unseres Bakterienkomplexes easyPROBIO haben wir diesen Ansatz verfolgt: Besitzen die für den Darm und die Verdauung ausgesuchten Bakterien Gene, die Histaminproduktion ermöglichen? Und produzieren diese Bakterien Histamin auch unter den vorliegenden Bedingungen?

Unsere vier spezialisierten Mikroorganismen (Alkalihalobacillus clausii MCC0538, Bacillus subtilis ATCC SD-7280, Bacillus coagulans DSM 17654 sowie Saccharomyces boulardii SBSC) wurden umfassend genetisch und funktionell charakterisiert.

Das Ergebnis: Keiner dieser Stämme besitzt den für die Histaminbildung verantwortlichen Stoffwechselweg (Histidindecarboxylase) und unter Laborbedingungen entsteht kein nachweisbares Histamin bzw. keine biogenen Amine.

Unsere Stämme wurden nach strengen Kriterien ausgewählt:

  • ✅ Bacillus clausii MCC0538 (088AE)

    • Vollständig sequenziertes Genom; geprüft auf biogene-Amine-Gene
    • Keine Histidindecarboxylase nachweisbar
    • Keine Histaminbildung in Sicherheits- und Funktionsprüfungen
  • ✅ Bacillus subtilis ATCC SD-7280 (PLSSC)

    • Genomweite Suche nach decarboxylierenden Enzymen
    • Histaminbildende Gene nicht vorhanden
    • Einzig gefundene Aminosäure-Decarboxylase (Arginin-Decarboxylase) ist nicht funktionsfähig – im Labortest werden keine biogenen Amine gebildet
  • ✅ Bacillus coagulans DSM 17654 (LBSC)

    • Genom und Stoffwechselwege vollständig analysiert
    • Keine histaminbildenden Gene identifizierbar
    • LC-MS/MS-Analysen zeigen keine messbare Histamin- oder BA-Produktion unter BA-induzierenden Bedingungen
  • ✅ Saccharomyces boulardii SBSC

    • S. boulardii ist genetisch nahezu identisch mit Saccharomyces cerevisiae – diese Hefe besitzt natürlicherweise keine Histidindecarboxylase und bildet kein Histamin
    • In Studien wird S. boulardii häufig im Kontext histaminfreundlicher oder DAO-unterstützender Regime eingesetzt, weil die Hefe keinen Beitrag zur mikrobiellen Histaminlast leistet
    • Unser Stamm SBSC ist zuverlässig nicht-histaminbildend

Zusammenfassung

Probiotika können zur Unterstützung des Darms und als Teil eines Behandlungsprotokolls zum Einsatz kommen. Allerdings können Präparate mit Bakterienstämmen, die nachweislich die Produktion von Histamin fördern, bestehende Symptome aufrechterhalten oder sogar verstärken. Deswegen ist insbesondere bei bekannter Histaminintoleranz darauf zu achten, Präparate mit Bakterienstämmen zu wählen, die nachweislich kein Histamin produzieren oder freisetzen.


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Abnehmspritze und Darmgesundheit Wie das Sättigungshormon GLP-1 unser Verdauungssystem beeinflusst

Abnehmspritze und Darmgesundheit: Wie das Sättigungshormon GLP-1 unser Verdauungssystem beeinflusst

Außer Corona-Impfstoffe vielleicht haben in den vergangenen Jahren wenige Medikamente so viel Aufmerksamkeit bekommen wie dieses: die Abnehmspritze. Seitdem Ozempic in den USA für viel Aufmerksamkeit gesorgt hat, sind die Spritzen zum Abnehmen mittlerweile auch bei uns populär. In diesem Blogbeitrag erfährst Du die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Wirkmechanismus der Abnehmspritzen, sowie ihre Nebenwirkungen, und was das Ganze mit unserer Darmgesundheit und Verdauung zu tun hat. (Auch wenn Du keine Abnehmspritze nimmst lohnen sich die Informationen in diesem Beitrag 😊.)

Hinweis: Wie immer sind die Informationen in unserem Artikel von uns selbst recherchiert und geschrieben – ohne Beteiligung von ChatGPT und Konsorten. Viel Spaß beim Lesen!

GLP-1 und GLP-1-Rezeptoragonisten: Was bewirken die Abnahmespritzen in unserem Körper?

Abnehmspritzen wie Ozempic wirken über Regulierung des Hormons GLP-1 und den GLP-1-Rezeptoragonisten. GLP-1 ist ein kleines, aber mächtiges Hormon, das unser Körper im Darm selbst herstellt, sobald wir etwas essen. Dieses Hormon entscheidet letzten Endes darüber, ob wir weiter essen oder nicht. 

GLP-1 nimmt quasi die Rolle eines Türstehers ein, der dem Magen sagt: “Ganz locker, das Essen darf rein!”. Dabei sorgt GLP-1 dafür, dass unser Blutzucker nicht Achterbahn fährt, indem es Insulin ausschüttet und das Gegenspielerhormon Glukagon bremst. Durch eine verlangsamte Magenentleerung fühlen wir uns zudem länger satt und denken nicht sofort an die nächste Mahlzeit – zumindest sollte dies so sein.

Die medikamentöse Anwendung von GLP-1-Rezeptoragonisten wird zunehmend in der Therapie von Typ-2-Diabetes und Übergewicht eingesetzt. Parallel dazu mehren sich wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Auswirkungen auf die Darmgesundheit sowie zu gastrointestinalen Nebenwirkungen.

Das Hormon GLP-1 hat die Funktion eines Türstehers

Wie GLP-1 die Verdauung zum Stillstand bringt

GLP-1 erteilt unserem Magen die Anweisung, dass er sich mit der Verarbeitung des Essens Zeit nehmen soll. Der Speisebrei verweilt damit länger im Magen. Das bringt den Vorteil mit sich, dass der Blutzucker nur langsam und nicht plötzlich ansteigt. Als Folge hält unser Sättigungsgefühl länger an und wir denken nicht gleich schon wieder an die nächste Mahlzeit.

Fun Fact: Unser körpereigenes GLP-1 ist ziemlich kurzlebig; quasi der Partygast, der schon nach wenigen Minuten wieder geht. Medikamente halten länger durch und kümmern sich (manchmal zu) intensiv um Magen und Darm.

Allerdings kann dieser Mechanismus auch einen Nachteil mit sich bringen: Manchmal bockt unser Magen und folgt der Anweisung von GLP-1 nur widerwillig. Diese Wiederwilligkeit teilt uns unser Magen gerne mit unangenehmen Symptomen wie Übelkeit, Bauchweh, Durchfall oder Verstopfung mit.

Diese Nebenwirkungen sind häufig auch der “kleine Preis” zu Anfang der Therapie mit dem GLP-Rezeptoragonisten, den einige Patienten für die gute Figur zahlen – der “große Preis” liegt bei rund 300 bis 400 Euro pro Monat immer noch in der Spritze selbst.

Gastrointestinale Nebenwirkungen der GLP-1-Therapie

In klinischen Studien und metaanalytischen Übersichten sind Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung und Bauchschmerzen die häufigsten Nebenwirkungen von GLP-1-Rezeptoragonisten. Diese Symptome treten insbesondere in den ersten Therapiewochen auf und können bei manchen Patienten sogar zu einer Therapieintoleranz führen.

Darüber hinaus ist das Risiko für seltene, aber schwerwiegende Komplikationen wie Pankreatitis und Magenentleerungsstörungen erhöht. Eine große Kohortenstudie fand zudem eine erhöhte Inzidenz gastroösophagealer Refluxerkrankungen (GERD) unter GLP-1-Agonisten-Patienten, was auf die verzögerte Verdauung und den damit verbundenen Rückfluss von Magensäure zurückzuführen ist.

Da die Halbwertszeit des körpereigenen GLP-1 nur wenige Minuten beträgt, kommen langwirksame GLP-1-RA zum Einsatz, die jedoch diese Effekte in verlängerter Form unterhalten. Die Langzeitsicherheit mit Blick auf das Pankreaskarzinom oder Tumorrisiken ist weiterhin Gegenstand aktueller Forschung.

Abnehmspritze und Auswirkungen auf die Darmgesundheit

Deine Verdauung stärken – mit oder ohne Abnehmspritze

  • Verdauungsenzyme und Probiotika: Die stillen Helfer

    Durch die verlangsamte Magenentleerung leidet unter Umständen die Verdauung. Dies kann sich in einer reduzierten Verdauungseffizienz niederschlagen. Unterstützende Maßnahmen wie die Einnahme von Verdauungsenzymen (Lipase, Amylase, Protease) können helfen, Symptome wie Blähungen, Völlegefühl und Durchfall zu mildern.

    Bakterienkomplexe können ebenfalls zum parallelen Einsatz kommen, weil sie wie kleine Hausmeister dafür sorgen, dass das Mikrobiom im Gleichgewicht bleibt, und eine normale Darmfunktion unterstützen.

  • Ballaststoffe: Ein natürlicher Booster für das Hormon GLP-1

    Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht sind Ballaststoffe ein natürlicher und gut untersuchter Stimulator des körpereigenen GLP-1. Ballaststoffe werden im Dickdarm von Darmbakterien fermentiert, wobei kurzkettige Fettsäuren (SCFA) wie Butyrat gebildet werden. Diese Fettsäuren “sprechen” mit unseren Darmzellen und fördern die Bildung von GLP-1.

    Um einen möglichen Effekt außerhalb des Verdauungstrakts zu erzielen, muss der Abbau der Ballaststoffe auch am Ende des Enddarms stattfinden. Von dort können die SCFAs den ganzen Körper erreichen, ohne durch die Leber zu müssen. Eine Kombination aus schnell- sowie langsam fermentierbaren Ballaststoffen scheint hier das beste Mittel der Wahl zu sein.

Schlussfolgerung: GLP-1 und Darmgesundheit – Chancen und Herausforderungen

GLP-1-Agonisten sind therapeutisch sehr wirksam bei Diabetes und Adipositas, ihre Wirkmechanismen greifen jedoch tief in die Darmfunktion ein. Gastrointestinale Nebenwirkungen werden häufig beobachtet, können aber durch angepasste Ernährung – vorrangig eine ballaststoffreiche Kost – und gegebenenfalls unterstützende Maßnahmen wie Verdauungsenzyme und Bakterienkomplexe beeinflusst werden. Die Rolle des Darmmikrobioms und der SCFA in der natürlichen GLP-1-Ausschüttung eröffnet zudem interessante Perspektiven für begleitende, nichtmedikamentöse Maßnahmen.

Referenzen (Englisch)

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  15. Jumpertz-von Schwartzenberg R, Wagnerberger S, et al. Dietary fiber, gut microbiota, and GLP-1 in metabolic health. Nutrients. 2025;17(2):501.
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Der SIBO-Guide – Alles über Symptome, Diagnose, bakterielle Fehlbesiedlung & Ernährung bei Dünndarmfehlbesiedlung

SIBO-Guide – Symptome, Diagnose und Ernährung bei Dünndarmfehlbesiedlung

Vielleicht bist Du auf den Begriff “SIBO” im Rahmen einer typischen “Doktor Google”-Recherche gestoßen; vielleicht hast Du es auch von Deinem Arzt, Deiner Heilpraktikerin oder jemand anderem aus Deinem Umfeld gehört. Wie auch immer Du auf das sogenannte “Small Intestinal Bacterial Overgrowth” Syndrom – auf Deutsch: Dünndarmfehlbesiedlung – gestoßen bist, womöglich lassen sich dadurch Deine Probleme mit Deiner Verdauung erklären.

In diesem Artikel erfährst Du, was SIBO genau ist, wie es vermutlich entsteht und welche Symptome damit vergesellschaftet sind. Wir zeigen Dir ebenfalls die bisherigen Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten auf. Wie immer wünschen wir Dir viel Spaß beim Lesen, und falls Du Anregungen oder Fragen hast, freuen wir uns auf Deine Nachricht: support@mibiota.de 

Hinweis: Wie immer sind die Informationen in unserem Artikel von uns selbst recherchiert und geschrieben – ohne Beteiligung von ChatGPT und Konsorten. Viel Spaß beim Lesen!

Was ist SIBO genau?

SIBO (Small Intestinal Bacterial Overgrowth) ist schlicht und einfach eine bakterielle Überwucherung des Dünndarms. Im Gegensatz zu Keimen, an die man bei Bakterien vielleicht eher denkt, handelt es sich nicht um eine klassische Infektion mit Krankheitserregern, sondern vielmehr um eine Besiedlung mit eigentlich normalen Darmbakterien – also Bakterien, die in einem gesunden Verdauungstrakt üblicherweise zu finden sind.

Allerdings haben sich bei SIBO diese Bakterien am falschen Ort angesiedelt. Normalerweise leben die meisten Mikroorganismen im Dickdarm. Bei SIBO jedoch kommt es zu einer vermehrten Ansiedlung von Mikroben im Dünndarm, wo sie physiologisch (also im gesunden Zustand) nur in geringer Zahl vorhanden sein sollten. Wichtig zu verstehen ist also, dass die Bakterien, die sich angesiedelt haben, nicht generell “schlecht” oder “böse” sind, sie gehören nur in dieser Menge nicht in den Dünndarm.

Um diesen Zusammenhang besser nachzuvollziehen, lohnt sich ein Blick in die Verteilung von Mikroorganismen im Verdauungstrakt

  • Mundhöhle

    Die ersten Bakterien – auch “gute” – befinden sich schon im Mund. Denn auch unser Mund verfügt über ein eigenes Mikrobiom, und es existiert auch eine Mund-Darm-Achse.

  • Ösophagus und Magen

    Hier befinden sich wenige Bakterien, im Magen überleben nur spezielle säureresistente Stämme. Krankheitserregende Darmbakterien wie E. coli aktivieren Schutzmechanismen, um im sauren Milieu des Magens zu überleben.

  • Dünndarm & Dickdarm

    Die Menge an Mikroorganismen im Dünndarm liegt bei etwa 1.000 bis 10.000 (10³ bis 10⁴) Keimen pro Milliliter – im Gegensatz dazu leben im Dickdarm etwa 10¹¹-10¹² Bakterien pro Gramm Darminhalt (siehe Box für mehr dazu). Die Größenordnungen werden also schnell deutlich. Bei SIBO verschiebt sich dieses Verhältnis und es befinden sich mehr Bakterien im Dünndarm – die Zahl steigt auf 10⁵ bis 10⁶ pro ml oder sogar darüber hinaus. Und genau dadurch wird SIBO definiert, denn das ist das diagnostische Kriterium laut Definition der ICD-10-Klassifikation durch die Weltgesundheitsorganisation (K63.82 für die Gruppe mit Untergruppencodes).

10¹¹-10¹² Bakterien pro Gramm Darminhalt – womit kannst Du das vergleichen?

  • Stand September 2025 geht die Gesamtzahl aller Videoaufrufe auf YouTube in den 10¹²-Bereich.
  • Im menschlichen Körper befinden sich ca. 10¹¹ bis 10¹² Kilometer DNA, wenn man alle Zellen zusammenrechnet – wenn man sie entrollen würde.

Wie kommt es zur Entstehung von SIBO?

Die Entstehung ist wie bei anderen Darmerkrankungen noch nicht vollends geklärt und scheint auch multifaktoriell zu sein – das bedeutet, es gibt vermutlich mehrere Ursachen, die auch gleichzeitig vorliegen können.

Zum einen kann SIBO auf dem Boden anderer Erkrankungen oder Eingriffen entstehen – denn der Darm interagiert mit dem Rest des Körpers und wird im Umkehrschluss auch von ihm beeinflusst:

  • So zeigt sich beispielsweise ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten von SIBO und Erkrankungen wie Leberzirrhose, Herzinsuffizienz, Diabetes, Niereninsuffizienz, Schilddrüsenunterfunktion und auch neurologischen Erkrankungen wie Parkinson1,2,3.
  • Auch mit anderen Darmerkrankungen wie der Helicobacter pylori Infektion, dem Reizdarmsyndrom oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (besonders Morbus Crohn) wird SIBO assoziiert1.

Weitere Ursachen und Mechanismen für die Entstehung von SIBO

  • verminderte Darmmotilität (medikamentenbedingt oder krankheitsbedingt sowie bei unausgewogener, ballaststoffarmer Ernährung)
  • verminderte Magensäureproduktion
  • eine beeinträchtigte Ileozäkalklappe (das ist die Verbindung und gleichzeitig Trennung zwischen Dünndarm und Dickdarm; ein niedriger Druck ist assoziiert mit SIBO4)
  • Medikamente, zum Beispiel Protonenpumpeninhibitoren (bekannt als “Magenschutz”) oder auch ein Magensäuremangel anderer Ursache
  • Alkohol und andere Drogen
  • Operationen, Strahlentherapie und Co.
  • etwas unspezifischer, aber als Einfluss nicht zu vernachlässigen: Ernährung, Stress, Umweltbelastung, und ein bisschen Genetik ist mit Sicherheit auch dabei

Wichtig zu betonen ist, dass die Beziehung zwischen SIBO und anderen Erkrankungen bidirektional ist, das heißt, SIBO kann obige und weitere Symptome und Pathologien begünstigen und andersherum. Du kannst es Dir so ähnlich vorstellen wie bei Huhn und Ei – was zuerst kam, wissen wir nicht, wenn beides einmal da ist.

Das alles kann die Funktion des Darms beeinträchtigen und dadurch die typischen SIBO-Symptome verursachen – welche das sind?

Mit welchen Symptomen wird SIBO in Verbindung gebracht?

Die Symptome einer Dünndarmfehlbesiedlung sind vielfältig und überschneiden sich häufig mit anderen Erkrankungen wie dem Reizdarmsyndrom (RDS).

Die Symptome entstehen vor allem durch die bakterielle Fermentation von Nahrungsbestandteilen im Dünndarm, was zu einer verstärkten Gasbildung, Entzündung und Störung der Nährstoffaufnahme führen kann.

Beispiele typischer SIBO-Symptome

  • Blähungen (häufig bereits kurz nach dem Essen)
  • Meteorismus (sichtbarer Blähbauch durch Gasansammlungen)
  • Bauchschmerzen und Druckgefühl, v. a. im Mittel- und Oberbauch
  • Aufstoßen und vermehrte Gasbildung
  • wechselhafter Stuhlgang, unter anderem Durchfälle (osmotisch bedingt), Verstopfung (v. a. bei methanbildenden Mikroben), Mischformen und Fettstühle (voluminös, glänzend, schwer zu spülen)
  • Übelkeit und Völlegefühl, v. a. nach fettreichen Mahlzeiten
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten (v. a. FODMAPs)
  • Verdauungsrückstände im Stuhl
  • chronische Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, „Brain Fog“
  • ungewollter Gewichtsverlust

Bei FODMAPs handelt sich um Lebensmittel reich an fermentierbaren Oligo-, Di-, Monosacchariden und Polyolen – kurz gesagt, reich an leicht vergärbaren Kohlenhydraten und Zuckeralkoholen, die von manchen Menschen schlecht vertragen werden, was Symptome wie Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall verursachen kann. Die Low-FODMAP-Diät ist eine Ernährungsweise, die darauf abzielt, diese kurzkettigen Kohlenhydrate zu meiden und dadurch Beschwerden zu lindern.

Viele Patienten leiden auch an einer Malabsorptionsstörung, was bedeutet, dass wichtige Nährstoffe (z. B. Vitamin B12, Eisen, Fette, fettlösliche Vitamine) schlechter aufgenommen werden – das kommt besonders durch Schleimhautschäden und entzündliche Reaktionen im Dünndarm zustande.

Wusstest Du, dass viele Betroffene zunächst mit dem Verdacht auf Reizdarm diagnostiziert werden, obwohl sie eigentlich SIBO haben? Studien zeigen tatsächlich, dass bis zu knapp 50 % der Patienten mit Reizdarmsymptomatik ein potenziell zugrunde liegendes SIBO-Syndrom aufweisen5. Im Gegensatz zum Reizdarmsyndrom gibt es bei SIBO definierte Ursachen und klare Kriterien zur Diagnose – während Reizdarm mehr eine Ausschlussdiagnose darstellt.

Damit kommen wir schon zur Diagnostik – wie wird denn SIBO eigentlich nachgewiesen und worauf solltest Du achten?

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Der Weg zur SIBO-Diagnose – Atemtests, Verdauungsflüssigkeit und mehr

Der Goldstandard zum Nachweis von SIBO ist die Messung des Bakteriengehalts in der Dünndarmflüssigkeit. Das Aspirat muss über eine Endoskopie gewonnen werden und ist damit ein invasiver Eingriff. Unterstützend werden häufig Atemtests genutzt, die nach dem Verzehr einer Zuckerlösung (meist Laktulose oder Glukose) den Gehalt von bestimmten Gasen in der Atemluft messen. Diese Tests weisen zwar eine etwas geringere Sensitivität und Spezifität auf, sind jedoch deutlich leichter durchzuführen.

Sensitivität und Spezifität von Atemtests

  • Sensitivität: Sie misst den Anteil der SIBO-Erkrankten, die durch den Atemtest korrekt als solche erkannt werden.
  • Spezifität: Sie misst den Anteil der nicht an SIBO-Erkrankten, die korrekt als nicht krank erkannt werden.
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Zwischen dem Glukose- und Laktulose-Test selbst gibt es auch Unterschiede: Glukose-Tests weisen sowohl eine höhere Sensitivität (erkennen mehr SIBO-Betroffene) als auch höhere Spezifität (erkennen mehr nicht-SIBO-Betroffene korrekt) auf.Auch wenn der Glukose-Test dem Laktulose-Test damit diagnostisch überlegen ist, bedeutet das nicht, dass der Glukose-Test das Mittel der Wahl ist. Dies hängt von einigen Faktoren ab. Als Faustregel kann dienen: Neigst Du eher zu Verstopfung, könnte Laktulose die bessere Wahl sein. Bei eher zu Durchfall neigender Verdauung, Glukose. Am Ende sollte die Auswahl des Tests als auch insbesondere das Ergebnis mit einer erfahrenen Fachkraft besprochen sein.

Zufolge neuester Ergebnisse soll zusätzlich auch das Calprotectin im Stuhl, ein Wert, der primär zur Diagnose chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen genutzt wird, auf SIBO hinweisen können7. Diese Erkenntnis zeigte sich bisher jedoch vor allem in Zusammenhang mit dem Krankheitsbild der systemischen Sklerose.

Die Diagnosekriterien der WHO richten sich nach dem Goldstandard: In der Dünndarmflüssigkeit muss die Konzentration an Darmbakterien mindestens 105 Zellen/ml betragen. Weiterhin wird in verschiedene Untergruppen von SIBO unterteilt.

Bestimmung der SIBO-Typen

Je nach Bakteriengattung, die den Dünndarm überwuchert, werden bei SIBO unterschiedliche Gase vermehrt produziert, die dann in einem Atemtest bestimmt werden können. In Abhängigkeit vom dominierenden Gas unterscheiden sich bei SIBO auch die Symptome. Folgende SIBO-Typen werden auf Basis der Ergebnisse eines Atemtests unterschieden:

  • Methandominante SIBO / IMO

    Hier wird das Methan in den meisten Fällen nicht von Bakterien, sondern Archaeen produziert. Zudem ist in der Regel nicht allein der Dünndarm, sondern auch der Dickdarm befallen. Deswegen sprechen wir auch von IMO (Intestinal Methan Overgrowth). IMO wird häufig mit Verstopfung in Verbindung gebracht. 

  • Wasserstoffdominante SIBO

    Bei diesem Typ von SIBO verursacht der von den überwuchenden Bakterien produzierte Wasserstoff die Symptome aus. Diese SIBO-Form wird häufig von Durchfall begleitet.

  • Schwefelwasserstoff-SIBO

    Dieser SIBO-Typ, auch H2S-Typ genannt, nimmt eine Sonderrolle ein, da sie dann angenommen wird, wenn im gesamten Atemtest keine erhöhte Konzentration eines Gases feststellbar ist. Hier kann eine Mikrobiomanalyse als weitere Testmethode mehr Klarheit verschaffen.

Bei der Diagnostik wendest Du Dich am besten an den Arzt oder die Ärztin Deines Vertrauens. Zusammen könnt Ihr am besten die Wahl der Methode die Art des Atemtests bestimmen. Was Du aber dann tun kannst und wie eine Therapie aussehen könnte, das besprechen wir jetzt.

Was hilft bei SIBO wirklich?

Die Behandlung von SIBO erfordert ein schrittweises Vorgehen, das auf mehreren Ebenen ansetzt – von der Ernährungsumstellung bis hin zur gezielten Therapie. Wichtig ist, dass Du auf Deine Symptome und Deinen Körper achtest, denn die Evidenz zur Behandlung von SIBO zeigt oft uneinheitliche Ergebnisse, eventuell wegen Unterschiede der Erkrankten.

Am Anfang steht die Symptomkontrolle. Die könnte zum Beispiel so aussehen:

  • 1. Langsames, achtsames Essen mit vielen Pausen zwischen den Mahlzeiten

    Wenn Du gut kaust und in Ruhe isst, aktivierst Du den sogenannten Parasympathikus – den Teil des Nervensystems, der bei der Verdauung aktiviert ist – und regelmäßige Pausen zwischen den Mahlzeiten (z. B. 4–5 Stunden) können helfen, die natürliche Darmbewegung zu fördern.

  • 2. Kein Stress!

    Auch wenn dies leichter gesagt als getan ist: Stressreduktion kann helfen, die Ausschüttung von Verdauungsenzymen zu fördern.

  • 3. Nahrungsergänzungen

    Enzymsupplementierung kann Dir dabei helfen, die Nährstoffaufnahme zu verbessern und Gärungsprozesse, bei denen Gase entstehen, zu vermindern.

  • 4. Reduzierung von FODMAPs

    Bestimmte Kohlenhydrate (FODMAPs) werden von den Bakterien im Dünndarm besonders leicht vergoren – die vorübergehende Reduktion kann helfen, die Symptome zu mindern.

Allein das ist langfristig oft nicht nachhaltig – denn die Ursache, die Fehlbesiedlung, bleibt noch bestehen. Im nächsten Schritt geht es also um eine Beseitigung der Bakterien, die “zu viel” sind.

Reduktion der Bakterien bei SIBO / Dünndarmfehlbesiedlung

Hierbei gibt es mehrere Ansätze, von Antibiotikagabe bis zu pflanzlichen Wirkstoffen, die das Bakterienwachstum hemmen können. Die natürliche Unterstützung bei SIBO findet beispielsweise mittels Pflanzenstoffe wie Knoblauchextrakte mit hohem Allicingehalt, Oreganoöl, Berberin, Zimt oder Schwarzkümmel statt. Die Evidenz hierzu steht aktuell zu großen Teilen noch aus, erste Ergebnisse sind jedoch erfreulicherweise positiv8,9. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass eine Kombination aus Antibiotikum (Rifaximin) und partiell-hydrolysiertem Guarkernmehl (PHGG), besser zu wirken scheint als eine alleinige Antibiotikagabe10.

Neben der Keimeradikation zur Reduktion der Bakterien im Dünndarm ist auch eine Unterstützung der Darmschleimhaut sowie der Verdauung wichtig. Während der Eradikation werden gleichzeitig die meisten “guten” Bakterien angegriffen, welche wichtige Stoffe zum Erhalt der Darmbarriere und der allgemeinen Gesundheit produzieren – es ist daher wichtig, den Darm und die Verdauung beispielsweise über sanftere Ballaststoffe zu unterstützen. Dazu zählen beispielsweise PHGG, Akazienfasern oder auch resistente Stärke. Weiterhin können einige Pflanzenextrakte reich an Polyphenolen11,12, oder auch L-Glutamin13 potenziell die Darmbarriere stärken, wobei letztere Empfehlung besonders auf Erfahrung basiert.

Besonders wichtig nach all dem ist es jedoch, Deinen Lebensstil auch nach der Beseitigung der Symptome gesund, reich an Ballaststoffen sowie möglichst stressarm zu gestalten, um Deinen Darm langfristig im Gleichgewicht zu halten.

Fazit: SIBO als komplexes Krankheitsbild mit viel Therapiepotenzial

SIBO ist komplex – und genau deshalb braucht es eine strukturierte, ganzheitliche Herangehensweise. Nicht jede Maßnahme ist für alle gleich sinnvoll, aber wenn Du Schritt für Schritt vorgehst, stehen die Chancen gut, dass Du langfristig wieder zu einem stabilen Verdauungssystem zurückfindest. Denn trotz teilweise unvollständiger Evidenz zeigen sich mehrere vielversprechende Möglichkeiten zur Besserung der Symptome bis hin zur Remission, die ebenfalls in einigen Studien erreicht werden konnte.

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    Referenzen (Englisch):

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