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BlogartikelDarmgesundheit, Blog, Forschung, Nahrungsergänzungsmittel

Das Wichtigste über Bacillus coagulans

Lesezeit: 8 MinutenMibiota Team28. Juni 2026

Vermutlich kennst Du Probiotika bereits – die Bakterien, die Du über die Nahrung oder Nahrungsergänzung zuführen kannst, um Deine Darmflora anzureichern. Tatsächlich sind Probiotika eine riesige Gruppe an lebenden Mikroorganismen, mit jeweils unterschiedlichen Funktionen und Effekten auf Deine Darmgesundheit und Dein allgemeines Wohlbefinden. Probiotika können allerdings auch Symptome auslösen oder verstärken, wie wir in unserem Blogbeitrag Histaminfreundliche Probiotika bei funktionaler HIT erläutern.

Eine besonders spannende Gruppe unter Probiotika sind die Sporenbildner, eine Gruppe an resistenten Bakterien, die die Hindernisse (Magensäure, Lagerung und Verarbeitung) besonders gut überwinden kann. Einer dieser Sporenprobiotika ist Bacillus coagulans, der einige Besonderheiten aufweist, die Dir besonders helfen können. In diesem Artikel gehen wir auf diese Besonderheiten ein.

Hinweis: Wie immer sind die Informationen in unserem Artikel von uns selbst recherchiert und geschrieben – ohne Beteiligung von ChatGPT und Konsorten. Viel Spaß beim Lesen!

Was ist Bacillus coagulans und was macht Bacillus coagulans besonders?

Bacillus coagulans ist ein sporenbildendes Bakterium – heutzutage wird es auch als Weizmannia coagulans bezeichnet, weil es sich in einigen Faktoren doch ordentlich von anderen Bacillus-Bakterien unterscheidet. Ursprünglich hieß es mal Lactobacillus sporogenes, wurde dann aber umbenannt, um der sporenbildenden Funktion besser gerecht zu werden. All diese Namen beschreiben allerdings das gleiche Bakterium: Eine sporenbildende, milchsäureproduzierende, grampositive, stäbchenförmige Bakterienspezies mit mehreren bekannten probiotischen Stämmen, darunter GBI-30, 6086 Unique IS-2, MTCC 5856, LBSC (DSM 17654), TBC169, SNZ 1969, BC30 und T11.

Bacillus Coagulans
Grampositives Bacillus coagulans unter dem Mikroskop

Eine weitere Besonderheit von Bacillus coagulans ist, dass dieses Bakterium nicht natürlicherweise Teil der Darmflora ist und auch nach Einnahme sich nur vorübergehend im Darm befindet und dann wieder ausgeschieden wird. Was das alles bedeutet?

Das sind typische Charakteristika, wie Bakterien eingeordnet werden. Hierbei handelt es sich um Beobachtungen unterm Mikroskop. Grampositive Bakterien haben eine dicke Zellhülle (“Mureinhülle”), in die sich die Partikel der Gram-Färbung einlagern. Diese Einordnung ist beispielsweise bei der Wirksamkeit von bestimmten Antibiotika gegen krankheitserregende Bakterien hilfreich, da die Zellhülle ein Angriffsort für Antibiotika ist.

Die wichtigste Funktion von B. coagulans ist wohl die sporenbildende Eigenschaft. Das bedeutet, dass B. coagulans sich gegen schlechte Umweltbedingungen wappnet, indem es sich umstrukturiert – es bildet dabei Endosporen, die eine besonders dicke Hülle haben und auf das Wesentliche reduziert sind. Der Stoffwechsel ist in dieser Phase eingeschlafen, wie im Winterschlaf. Wenn die Konditionen wieder besser sind, können die Endosporen erneut keimen und sind dann wieder aktiv. Mehr über sporenbildende Bakterien allgemein erfährst Du in diesem Artikel.

Eine der hervorstechenden Funktionen von B. coagulans ist die Milchsäureproduktion. Früher wurde B. coagulans deshalb auch den Lactobacillen zugeordnet. Milchsäure wiederum hat einen sauren pH-Wert und beeinflusst daher das Darmmilieu1. Das ist besonders relevant bei Patienten, die aufgrund eines basischeren pH-Werts eine Überwucherung bestimmter Bakterien haben – häufig lässt sich dieses Szenario bei SIBO Patienten (Small Intestinal Bacterial Overgrowth) beobachten. In diesem Falle können milchsäureproduzierende Bakterien hilfreich sein, den pH-Wert zu senken und damit das Wachstum basisch-liebender Bakterien zu hemmen2.

Vorübergehende Besiedlung – und trotzdem nachhaltiger Effekt?

Ein weiteres Merkmal vieler sporenbildender Bakterien und auch von B. coagulans ist, dass sie sich nur vorübergehend im Verdauungstrakt befinden und nach einiger Zeit wieder Dein System verlassen. Das eigentliche Ziel der Einnahme von Probiotika ist, dass Bakterien in ausreichender Menge eingenommen werden, um die Darmflora anzureichern. Wird das hier trotzdem erreicht, obwohl das verabreichte Bakterium sich nicht selbst ansiedelt? Tatsächlich schon, denn B. coagulans kann mittels der Verbesserung des Milieus über weitere Stoffwechselprodukte neben Milchsäure den Gehalt an anderen hilfreichen Bakterien der Darmflora erhöhen.

Das wurde in einigen präklinischen Studien gezeigt (das heißt an Tieren oder im Labor simulativ):

  • So wurde Küken von Masthühnern 42 Tage lang täglich B. coagulans oral verabreicht. Nach diesem Zeitraum wurde erneut das Mikrobiom untersucht sowie verschiedenste andere Parameter. B. coagulans verbesserte hier die Darmflora und erhöhte die relative Häufigkeit nützlicher Bakterien im Darm signifikant. Darüber hinaus förderte B. coagulans die Proliferation der Darmepithelzellen. Das deutet auf eine Stärkung der Darmbarriere hin.3

  • Eine andere Studie untersuchte ebenfalls die Wirksamkeit von B. coagulans (MF-60) an Küken, die mit Salmonella pullorum infiziert waren im Vergleich zu klassischen Antibiotika. Die Ergebnisse zeigten, dass die Verabreichung von Bacillus coagulans MF-06 das Vorkommen von Salmonella pullorum-Kolonien im Darmtrakt verringerte. Zudem stellte die Verabreichung von Bacillus coagulans MF-06 die Konzentrationen von DAO (Diaminoxidase) und Milchsäure (D-LA) sowie die Konzentrationen von Proteinen der Tight Junctions, wichtig für die Darmbarriere, wieder her. Die Analyse mittels 16S-rRNA-Sequenzierung ergab, dass die Aufnahme von Bacillus coagulans MF-06 zu einer signifikanten Abnahme der relativen Häufigkeit von einigen pathogenen Bakterien führte. Die Autoren schlossen daher auf eine potentielle stabilisierende Funktion der Darmbarriere und des Darmmikrobioms.4

  • Auch auf das Immunsystem hat B. coagulans Effekte in präklinischen Studien gezeigt. So zum Beispiel in einer Studie, in der die schützende Wirkung von B. coagulans MZY531 auf Schäden an der Darmschleimhaut bei durch Chemotherapie immunsupprimierten Mäusen untersucht wurde. Die Ergebnisse zeigten, dass die Werte der Immunorgane (Thymus und Milz) in den mit B. coagulans MZY531 behandelten Gruppen im Vergleich zur nur Chemo-Gruppe signifikant erhöht waren. Auch die Konzentrationen von Botenstoffen des Immunsystems (IFN-γ, IL-2, IL-4 und IL-10) im Dünndarm waren hochreguliert. Der Dünndarm war in der Analyse bei der B. coagulans Gruppe außerdem gesünder, weil wichtige Strukturen für Nahrungsaufnahme und Darmbarriere wiederhergestellt waren. Entzündungen der Darmschleimhaut, die durch die Chemotherapie hervorgerufen wurden, waren bei den behandelten Mäusen wieder herunterreguliert und die relative Häufigkeit des Stammes Firmicutes sowie der Gattungen Prevotella und Bifidobacterium waren deutlich erhöht, während die Anzahl schädlicher Bakterien zurückging. Zusammengefasst scheint es auch hier so, dass B. coagulans MZY531 eine potenzielle immunmodulatorische und darmregenerative Wirkung hat.5

Fassen wir die Evidenz aus Tierstudien zusammen, deutet alles darauf hin, dass B. coagulans einen positiven Effekt auf die Darmbarriere hat, unter anderem, in dem es die Häufigkeit an anderen positiven Bakterien erhöht, die die Darmbarriere stärken. B. coagulans scheint außerdem einen Effekt auf das Immunsystem, besonders bei geschwächten Tieren (infiziert oder chemotherapeutisch behandelt) zu haben. Es wurde sogar als Antibiotika-Ersatz untersucht. Wieso, wollen wir uns einmal anschauen.

Bacillus coagulans mit antimikrobiellen Eigenschaften gegen pathogene Keime

Der Grund, warum B. coagulans sich auch stark gegen pathogene Keime zeigt, ist die Produktion von antimikrobiellen Peptiden. Eines davon ist Coagulin, ein antimikrobielles Peptid, das eine breite antimikrobielle Wirkung gegen grampositive Bakterien, einschließlich multiresistenter Stämme, zeigen konnte. Laut einiger Studien zeigt das extrahierte Coagulin (von B. coagulans BDU36 bzw. LI2087) eine signifikante antimikrobielle Wirkung auf B. cereus, Enterococcus sp., Lactobacillus sp., M. luteus, S. aureus, B. subtilis, E. coli, P. aeruginosa, Salmonella enterica und Shewanella putrefaciens. Coagulin durchdringt die Peptidoglykanschicht der bakteriellen Zellwand, wodurch Aminosäuren und anorganische Salze diffundieren und das Wachstum von Krankheitserregern hemmen können.

Einige B. coagulans Stämme produzieren auch andere antimikrobielle Stoffe, je nachdem, um welchen Stamm es sich handelt. Das ist ja alles schön und gut, aber gibt es eigentlich auch Studien zur Wirksamkeit beim Menschen oder kannst Du B. coagulans nur Mäusen und Hühnern geben?

Wirksamkeit von B. coagulans bei Menschen

Wie die einleitende Überschrift zu diesem Absatz andeutet, ist die Antwort auf unsere Frage: ja! Es gibt sogar einige Studien, gerade bei Erkrankungsbildern wie dem Reizdarmsyndrom (RDS):

  • Hier konnte B. coagulans LBSC beispielsweise die mit Reizdarm häufig einhergehenden Symptome wie Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfälle signifikant vermindern – so eine placebokontrollierte Studie aus 2021.8

  • Eine Meta-Analyse in 2024 analysierte sieben der in den vergangenen Jahren veröffentlichten Studien und konnte zeigen, dass B. coagulans den Schweregrad von RDS-Symptomen wie Stuhldrang, Blähungen sowie unvollständige Entleerung und insgesamt die Symptomschwere signifikant verbessern konnte.9

Bacillus coagulans hat also einige mögliche Effekte auf typische Symptome, die vielleicht ja auch Du hast. Was sollte man denn beim Kauf und der Einnahme von sporenbildenden Bakterien beachten?

Einnahme von sporenbildenden Probiotika: Das solltest Du beachten

Wie auch bei anderen Bakterien solltest Du bei B. coagulans auf die Herstellerinformationen achten. Es gibt unterschiedliche Substämme, manche davon wurden eventuell noch nicht auf ihre Sicherheit getestet. Daher gilt, dass Du beim Kauf auf die Bezeichnung des Stamms achten solltest – ein seriöser Hersteller wird diesen angeben (z.B. B. coagulans LBSC, so wir es bei easyPROBIO angeben). Solche Stämme werden genetisch charakterisiert und auf Sicherheitsaspekte geprüft.

Weiterhin solltest Du die Einnahme mit einem Arzt oder einer Ärztin absprechen, sofern Du stark immungeschwächt bist (bspw. während Chemotherapie, Strahlentherapie oder der dauerhaften Einnahme von Immunsuppressiva) – das gilt übrigens für alle lebenden Mikroorganismen (Probiotika), nicht jedoch für Post- und Präbiotika.

Mehr über die Wahl Deines Probiotikums erfährst Du auch hier, in unserem Probiotika-Guide.

Fazit: Bacillus coagulans – ein besonderes Probiotikum mit breitem Wirkpotenzial

Bacillus coagulans hebt sich durch seine sporenbildende Natur von klassischen Probiotika ab. Das Bakterium übersteht Magensäure, Lagerung und Verarbeitung zuverlässig und entfaltet seine Wirkung erst dort, wo sie gebraucht wird – im Darm. Obwohl B. coagulans sich nicht dauerhaft im Darm ansiedelt, ist sein Effekt alles andere als vorübergehend. Durch die Produktion von Milchsäure und weiteren Stoffwechselprodukten verbessert B. coagulans das Darmmilieu, fördert das Wachstum nützlicher Bakterien und stärkt die Darmbarriere. Präklinische Studien zeigen darüber hinaus, dass B. coagulans immunmodulatorische Eigenschaften besitzt und antimikrobielle Peptide produziert, die gezielt pathogene Keime hemmen können.

Besonders relevant für Betroffene: Klinische Studien am Menschen – darunter eine Meta-Analyse aus 2024 – zeigen, dass B. coagulans Symptome des Reizdarmsyndroms wie Blähungen, Bauchschmerzen und Stuhldrang signifikant lindern kann.

Auf unserer Seite findest Du weitere Informationen über Bakterienkomplexe und Präbiotika. Schau’ gerne auch mal in unserem Produktberater vorbei, der Dir bei der Auswahl des richtigen Präparats Unterstützung bieten kann!


Referenzen (Englisch)

  1. Payne, J., Bellmer, D., Jadeja, R., & Muriana, P. (2024). The Potential of Bacillus Species as Probiotics in the Food Industry: A Review. Foods (Basel, Switzerland), 13(15), 2444. https://doi.org/10.3390/foods13152444
  2. Louis, P., & Flint, H. J. (2017). Formation of propionate and butyrate by the human colonic microbiota. Environmental microbiology, 19(1), 29–41. https://doi.org/10.1111/1462-2920.13589
  3. Liu, C., Radebe, S. M., Zhang, H., Jia, J., Xie, S., Shi, M., & Yu, Q. (2022). Effect of Bacillus coagulans on maintaining the integrity intestinal mucosal barrier in broilers. Veterinary microbiology, 266, 109357. https://doi.org/10.1016/j.vetmic.2022.109357
  4. Ma, L., Tian, G., Pu, Y., Qin, X., Zhang, Y., Wang, H., You, L., Zhang, G., Fang, C., Liang, X., Wei, H., Tan, L., & Jiang, L. (2024). Bacillus coagulans MF-06 alleviates intestinal mucosal barrier from damage in chicks infected with Salmonella pullorum via activating the Wnt/β-catenin pathway. Frontiers in microbiology, 15, 1492035. https://doi.org/10.3389/fmicb.2024.1492035
  5. Zhao, Z., Sun, M., Cui, X., Chen, J., Liu, C., & Zhang, X. (2023). Bacillus coagulans MZY531 alleviates intestinal mucosal injury in immunosuppressive mice via modulating intestinal barrier, inflammatory response, and gut microbiota. Scientific reports, 13(1), 11181. https://doi.org/10.1038/s41598-023-38379-0
  6. Abdhul, K., Ganesh, M., Shanmughapriya, S., Vanithamani, S., Kanagavel, M., Anbarasu, K., & Natarajaseenivasan, K. (2015). Bacteriocinogenic potential of a probiotic strain Bacillus coagulans [BDU3] from Ngari. International journal of biological macromolecules, 79, 800–806. https://doi.org/10.1016/j.ijbiomac.2015.06.005
  7. Fu, L., Wang, C., Ruan, X., Li, G., Zhao, Y., & Wang, Y. (2018). Preservation of large yellow croaker (Pseudosciaena crocea) by Coagulin L1208, a novel bacteriocin produced by Bacillus coagulans L1208. International journal of food microbiology, 266, 60–68. https://doi.org/10.1016/j.ijfoodmicro.2017.11.012
  8. Gupta, A. K., & Maity, C. (2021). Efficacy and safety of Bacillus coagulans LBSC in irritable bowel syndrome: A prospective, interventional, randomized, double-blind, placebo-controlled clinical study [CONSORT Compliant]. Medicine, 100(3), e23641. https://doi.org/10.1097/MD.0000000000023641
  9. AbdelQadir, Y., Nabhan, A., Althawadi, Y., Belal, M., Feiter, Y., Madian, M., Omran, H., AbdelAzim, A., Abdelghafar, Y. and Nashwan, A. (2023). Bacillus coagulans as a potent intervention for treating irritable bowel syndrome: a systematic review and meta-analysis of randomized control trials. Gastroenterology & Endoscopy 2, pp. 7–18. https://doi.org/10.1016/j.gande.2023.11.001
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