Probiotika bzw. Bakterienkomplexe erfreuen sich weiterhin steigender Beliebtheit. Nahrungsergänzungsmittel mit lebenden Bakterien werden häufig für eine bessere Verdauung, weniger Durchfall, weniger Blähungen oder eine allgemein verbesserte Darmgesundheit empfohlen und verschrieben.
Doch können Probiotika überhaupt einen Unterschied machen? Im Zusammenhang mit der Einnahme von Antibiotika haben wir die Antwort in einem früheren Blogartikel bereits geliefert. In diesem Beitrag gehen wir auf einen weiteren wichtigen Aspekt bei der Einnahme von Probiotika ein, der häufig vernachlässigt wird: Histaminunverträglichkeit (HIT). Denn viele Präparate können eine HIT auslösen oder verstärken. Wieso das ist und was bei der Auswahl der Präparate zu beachten ist, erfährst Du in diesem Beitrag.
Hinweis: Wie immer sind die Informationen in unserem Artikel von uns selbst recherchiert und geschrieben – ohne Beteiligung von ChatGPT und Konsorten. Viel Spaß beim Lesen!
Welche unterschiedlichen Auslöser für HIT zu beachten sind
Histamin ist ein biogenes Amin und spielt bei allergischen Reaktionen eine tragende Rolle. Es tritt auch bei Pseudoallergien auf Medikamente oder Nahrungsmittelzusatzstoffe als Mediator in Erscheinung. Histamin kann neben diesen (pseudo)allergischen Reaktionen auch direkt über Nahrung in unseren Körper gelangen (zu den histaminreichen Lebensmitteln kommen wir gleich).
Es existieren zwei Enzyme, die Histamin wieder abbauen können:
- Diaminoxidase (DAO) ist hauptsächlich am Abbau von Histamin beteiligt. Wie viele andere Enzyme wird DAO in den Darmschleithautzellen produziert – ist die Darmschleimhaut gestört, wird weniger DAO produziert, und Histamin lagert sich vermehrt im Blut ab.
- Histamin-N-Methyltransferase (HNMT) baut Histamin hauptsächlich in der Leber, der Niere, im Bronchialschleimhaut und im Zentralnervensystem ab.
Ein DAO-Mangel kann genetische Ursachen haben (das lässt sich testen). Es kann allerdings einen sekundären, kausalen Grund für den DAO-Mangel geben, so z. B. entzündliche oder degenerative Darmerkrankungen. Auch bestimmte Medikamente können die Produktion von DAO mindern, ebenso wie in Kupfermangel (da Kupfer ein wichtiger Bestandteil von DAO ist).
Weil die Abbauenzyme DAO und HNMT das Histamin in unterschiedlichen Orten des Körpers abbauen, können die Symptome beim Fehlen oder bei einem Mangel eines dieser Enzyme unterschiedlich ausfallen.
Vorwiegend durch DAO-Mangel verursachte Symptome:
- Flush / Gesichtsrötung
- Übelkeit
- Kopfschmerzen
- Hitzegefühl
- Atemnot
- Durchfall
- Ekzeme der Haut
- Rhinitis
- Hypertonie
- Colitis
- Asthma
Vorwiegend durch HNMT-Mangel verursachte Symptome:
- Unruhe
- Muskelzuckungen
- Schlafstörungen
- Müdigkeit
- Schwindel
- Angstzustände
HIT kann Nahrungsunverträglichkeiten auslösen
Histamin entsteht in solchen Lebensmitteln, in denen bakterielle Enzyme in der Nahrung enthaltenes Histidin umwandeln. Mit zunehmender Lagerungsdauer der Lebensmittel steigt auch deren Histamingehalt. Zudem ist Histamin sehr stabil und kann weder durch Tiefkühlen noch durch Erhitzen zerstört werden.
Liegt nun ein DAO-Mangel vor, kann der Verzehr histaminreicher Lebensmittel zu den genannten Symptomen führen – es liegt für viele Betroffene auf der Hand, histaminreiche Lebensmittel zu vermeiden. Darüber hinaus sind auch auf solche Lebensmittel und Alkohol zu achten, die die Freisetzung von körpereigenem Histamin fördern. Diese Lebensmittel werden deswegen Histaminliberatoren genannt. Dazu zählen beispielsweise Zitrusfrüchte, Erdbeeren, Schalentiere, Tomaten, Kakao und Hülsenfrüchte.
Große Mengen Histamin finden sich in Lebensmitteln, die mit Hilfe von Bakterien- oder Hefekulturen hergestellt oder genießbar gemacht werden, wie:
- Sojasauce
- alte Käsesorten
- Bier, Wein oder Sekt
- verarbeitete Fleisch- oder Fischprodukte und sämtliche Wurstwaren
- durch Gärung entstandene Lebensmittel wie Sauerkraut und milchsauer eingelegtes Gemüse
- Spinat, Aubergine, Avocado, Steinpilze und Morcheln
- marinierte Lebensmittel (Essig)
- Fertiggerichte mit tierischen Bestandteilen
- Fast-Food
- aufgewärmte Speisen mit hohem Eiweißanteil
Eine sehr gute Übersicht zum Histamingehalt von Lebensmitteln und auch Histaminliberatoren gibt es von Schweizerische Interessengemeinschaft Histamin-Intoleranz (SIGHI). Nicht immer verursachen die Lebensmittel die gleichen starken bzw. schwachen Reaktionen; HIT-Betroffene können unterschiedlich auf dieselben Lebensmittel reagieren. Deswegen sollten Betroffene immer zuerst individuell testen.
Der Einsatz probiotischer Präparate bei HIT
Ist der DAO-Mangel reversibel, da nicht genetisch, sondern funktional bedingt, sollte die Ursache gefunden werden. Wie bereits erwähnt kommen (chronisch-entzündliche) Darmerkrankungen als Ursache für Lebensmittelintoleranzen, Allergien und auch HIT immer als Ursache in Frage. Häufig kommen bei der Behandlung von Darmerkrankungen wie Reizdarm oder SIBO die eingangs beschriebenen Probiotika zum Einsatz.
Bei der Auswahl der Produkte kommt es leider häufig zu einem folgenschweren Fehler für die Betroffenen. Denn wie Bakterien durch Fermentation für den hohen Histamingehalt in Lebensmitteln wie alter Käse, Sauerkraut und Sojasauce sorgen, können auch in Probiotika enthaltene Bakterienstämme Histamin produzieren.
Für Menschen mit Histaminempfindlichkeit oder Mastzellenproblematik ist daher entscheidend, welche spezifischen Stämme in einem Probiotikum verwendet werden – denn die histaminbildende Fähigkeit ist stammspezifisch, nicht artspezifisch. Deswegen ist es wichtig für alle Betroffenen, bei denen eine funktionale HIT vorliegt, sowie eine Darmerkrankung ursächlich ist und behandelt werden soll, auf die richtige Auswahl geeigneter Präparate zu schauen.
Bei der Entwicklung unseres Bakterienkomplexes easyPROBIO haben wir diesen Ansatz verfolgt: Besitzen die für den Darm und die Verdauung ausgesuchten Bakterien Gene, die Histaminproduktion ermöglichen? Und produzieren diese Bakterien Histamin auch unter den vorliegenden Bedingungen?
Unsere vier spezialisierten Mikroorganismen (Alkalihalobacillus clausii MCC0538, Bacillus subtilis ATCC SD-7280, Bacillus coagulans DSM 17654 sowie Saccharomyces boulardii SBSC) wurden umfassend genetisch und funktionell charakterisiert.
Das Ergebnis: Keiner dieser Stämme besitzt den für die Histaminbildung verantwortlichen Stoffwechselweg (Histidindecarboxylase) und unter Laborbedingungen entsteht kein nachweisbares Histamin bzw. keine biogenen Amine.
Unsere Stämme wurden nach strengen Kriterien ausgewählt:
✅ Bacillus clausii MCC0538 (088AE)
- Vollständig sequenziertes Genom; geprüft auf biogene-Amine-Gene
- Keine Histidindecarboxylase nachweisbar
- Keine Histaminbildung in Sicherheits- und Funktionsprüfungen
✅ Bacillus subtilis ATCC SD-7280 (PLSSC)
- Genomweite Suche nach decarboxylierenden Enzymen
- Histaminbildende Gene nicht vorhanden
- Einzig gefundene Aminosäure-Decarboxylase (Arginin-Decarboxylase) ist nicht funktionsfähig – im Labortest werden keine biogenen Amine gebildet
✅ Bacillus coagulans DSM 17654 (LBSC)
- Genom und Stoffwechselwege vollständig analysiert
- Keine histaminbildenden Gene identifizierbar
- LC-MS/MS-Analysen zeigen keine messbare Histamin- oder BA-Produktion unter BA-induzierenden Bedingungen
✅ Saccharomyces boulardii SBSC
- S. boulardii ist genetisch nahezu identisch mit Saccharomyces cerevisiae – diese Hefe besitzt natürlicherweise keine Histidindecarboxylase und bildet kein Histamin
- In Studien wird S. boulardii häufig im Kontext histaminfreundlicher oder DAO-unterstützender Regime eingesetzt, weil die Hefe keinen Beitrag zur mikrobiellen Histaminlast leistet
- Unser Stamm SBSC ist zuverlässig nicht-histaminbildend
Zusammenfassung
Probiotika können zur Unterstützung des Darms und als Teil eines Behandlungsprotokolls zum Einsatz kommen. Allerdings können Präparate mit Bakterienstämmen, die nachweislich die Produktion von Histamin fördern, bestehende Symptome aufrechterhalten oder sogar verstärken. Deswegen ist insbesondere bei bekannter Histaminintoleranz darauf zu achten, Präparate mit Bakterienstämmen zu wählen, die nachweislich kein Histamin produzieren oder freisetzen.
